Sonntag, 31. Januar 2010

Kommerziell: Agon - The Mysterious Codex

Nun präsentiere ich euch den ersten Gastbeitrag in meinem Blog - der Autor ist Problem. Da es sich um drei zusammenhängende Spiele handelt, ist der Artikel dieses Mal etwas ausführlicher. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal herzlich bei meinem Gastschreiber bedanken und wünsche euch nun viel Spaß mit dem Spielbericht.

Agon - The Mysterious Codex

Agon ist eine Adventure-Reihe, die bereits eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Zunächst als Episoden-Adventure geplant, wurden die ersten Episoden ausschließlich über das Internet vertrieben. Nach drei Episoden wurde das Konzept umgestellt - alle weiteren Spiele der Reihe erscheinen nun als Vollpreistitel mit entsprechend größerem Umfang. Die ersten drei Episoden wurden 2007 unter dem Namen "The Mysterious Codex" als zusammenhängendes Spiel neu veröffentlicht, und die wollen wir uns heute etwas näher anschauen.

Verschollene Brettspiele und ein Kodex
Wir schreiben das Jahr 1903 und schlüpfen in die Rolle von Professor Samuel Hunt, Wissenschaftler am British Museum in London. Der Professor erhält einen anonymen Brief, dem ein Teil eines merkwürdigen Kodex beiliegt. Der Brief verweist auf ein Artefakt, das sich irgendwo in den Räumen des Museums befinden soll. All dies ist Teil eines größeren Rätsels, in dem es um verschollene Brettspiele geht. Diese Spiele bergen ein Geheimnis, und der Spieler macht sich auf die Suche nach ihnen, um das Geheimnis zu lüften. Das Besondere daran: Am Ende jeder Episode (mit Ausnahme der ersten) muss man ein solches Brettspiel erlernen und gewinnen. Jede Episode spielt an einem anderen Ort. Wir starten in London und bereisen in den beiden folgenden Episoden Lappland und Madagaskar. Neben dieser Rahmenhandlung hat außerdem jede Episode noch ihre eigene kleine Geschichte zu erzählen.


Schwierige Rätsel
Wer Agon spielt, sollte etwas für knifflige Rätsel übrig haben, denn davon gibt es einige. Die Aufgaben sind vielfältig: Geheime Mechanismen finden, alte Schriften entziffern, ein Floß bauen oder sich mit tierischer Hilfe in einem Wald zurechtfinden - die Entwickler haben sich viel einfallen lassen. Man sollte dabei auf alles achten, so gibt es Aufgaben, bei denen man sich auf sein Gehör verlassen muss. Die Rätsel sind anspruchsvoll, aber fair, und es gibt immer ausreichend Hinweise, um sie zu lösen. Dabei sind sie meist sehr logisch und glaubwürdig in die Handlung integriert. Auch die Brettspiele selbst sind ziemlich reizvoll und originell. Einzig Episode 2 hat ein paar kleinere Patzer im Rätseldesign.

Solide Grafik, erstklassiger Sound
Die Grafik von AGON ist nicht spektakulär, aber wirklich gut. In bester 1st-Person-Tradition klicken wir uns durch detailreiche Hintergründe in 360°-Rundumsicht. Dazu kommen 3D-Charaktere, die etwas grob animiert sind, sich aber dank Antialiasing schön in die Grafik einfügen.
Hier und da lockern Animationen und Effekte die ansonsten starren Grafiken auf.
Die Musikuntermalung ist sehr gut. Die Musikstücke halten sich dezent im Hintergrund, passen dabei stets zur Stimmung des Spiels und unterstützen die Atmosphäre der einzelnen Orte. Auch die Sprachausgabe ist gelungen, vor allem der Sprecher von Professor Hunt macht seine Arbeit hervorragend.

Reden ist Silber, Lesen ist Gold
Wer nicht gerne in Dokumenten nach Hinweisen sucht, dürfte wenig Spaß an AGON haben. Es gibt nicht viele Charaktere mit denen man reden kann, dafür gibt es viel zu lesen. In Hunts Arbeitszimmer warten zahlreiche Bücher darauf, durchgesehen zu werden - wobei vieles nicht spielrelevant ist, aber die Spielwelt glaubwürdiger gestaltet. Dafür muss man aber auch manchmal ein wenig suchen, wenn man eine bestimmte Information benötigt. Zwischen den einzelnen Episoden gibt es als zusätzlichen Lesestoff den Briefwechsel zwischen Professor Hunt und seiner Frau bzw. seinen Kollegen. Diese Briefe vertiefen die Rahmenhandlung und bringen uns nebenbei den Charakter des sympathischen Wissenschaftlers noch etwas näher.


Kleine Schwächen
Obwohl Agon einen sehr runden Eindruck macht, gibt es doch ein paar Macken. Die Lösungen der Code-Rätsel wurden z. B. nicht übersetzt. Man darf sich also nicht irritieren lassen, wenn man beim Entziffern einer Schrift zunächst englische Wörter erhält, die erst dann übersetzt werden, wenn man die Lösung bereits eingetippt hat. Auch sind die Dialoge nicht wirklich lippensynchron.

Nur die Ruhe
Agon ist ein sehr ruhiges Spiel. Wer Nervenkitzel oder dramatische Wendungen sucht, wird in diesen drei Episoden nicht fündig. Trotzdem gelingt es dem Spiel, Spannung aufzubauen und den Spieler zu motivieren. Das Spiel zieht seinen Reiz komplett aus der Neugier und dem Forscherdrang des Spielers. Und das gelingt ihm ganz ausgezeichnet, auch wenn dieser Ansatz sicher nicht bei jedem Spieler auf Gegenliebe stößt. Beeindruckend ist vor allem, wie konsequent die Entwickler ihr Konzept durchhalten, und gar nicht erst versuchen, künstliche Dramatik zu erzeugen - es würde auch nicht passen.


Fazit:
"AGON - The Mysterious Codex" ist ein ungewöhnliches Adventure und kein Spiel für jedermann. Wenn man Spiele dieser Art mag, dann führt allerdings auch kein Weg daran vorbei. Ein so gelungenes und vielfältiges Rätseldesign findet man nicht oft, und auch die Atmosphäre kann voll überzeugen. Nur die Handlung der einzelnen Episoden könnte noch besser ausgearbeitet sein, da spürt man leider den Episodencharakter dieser ersten drei Spiele. Trotzdem ist AGON mit vielen kleinen Details sehr liebevoll gestaltet. Vor allem die dritte Episode (Madagaskar) ist eine echte Steigerung und überzeugt in jeder Hinsicht. Professor Hunt ist zudem ein sympathischer Charakter, der zwischen all den jugendlichen Adventurehelden angenehm hervorsticht.
Wer also ruhige Adventures mit anspruchsvollen Rätseln mag, der sollte dieser unterschätzten Reihe unbedingt eine Chance geben.

Produzent: Private Moon Studios, Vertrieb: Kalypso Media
Jahr: 2007

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