Sonntag, 24. Januar 2010

Kommerziell: Shivers

Shivers
Widmen wir uns heute erneut einem Klassiker, dem Grusel-Adventure "Shivers" aus dem Hause Sierra.
Das sollen Freunde sein? Sperren die unseren Hauptcharakter einfach im Garten des Museums ein und lassen ihn dort die Nacht verbringen. Und so trivial fängt die ganze Geschichte an, die sich im Spielverlauf zu etwas ganz Besonderem entpuppen wird. Bei unserer Erkundungstour durch das Museum erfahren wir durch diverse Texte, dass Professor Windlenot, der Museumsleiter, für den Import von geheimnisvollen Töpfen aus dem Ausland verantwortlich war, in denen schreckliche Dämonen, die Ixupi, gefangen waren. Natürlich blieb die Einführung dieser Töpfe in sein Museum nicht ohne Folgen: Alle zehn Ixupi halten sich nun in Windelnots altem Museum auf und keiner weiß davon. Unsere Aufgabe ist es also Topfteile aufzuspüren, Deckel mit Topf zu verbinden und den jeweiligen Ixupi in den für ihn vorgesehenen Behälter zu bannen. Dabei bleibt zu beachten, dass jedes dieser Wesen einen bevorzugten Aufenthaltsort hat, denn es gibt einen Asche-Ixupi, einen Wasser-Ixupi, einen Kristall-Ixupi, einen Holz-Ixupi und viele mehr.
"Shivers" ist kein traditionelles Adventure mit Inventarrätseln. So kann man lediglich die Topfteile aufnehmen (und auch immer nur eines gleichzeitig) und verfügt auch über einen Energiebalken, den nur die Ixupi verringern können. Solange man ihnen geschickt aus dem Weg geht, stellt das kein großes Problem dar und wenn man den nötigen Topf zur Hand hat, hat der jeweilige Dämon sowieso keine Chance mehr gegen den Spieler. Außerdem bekommt man verlorene Lebensenergie wieder zugerechnet, wenn man den Ixupi einfängt, der sie uns abgezogen hat.
Die Laufwege können sich teilweise doch als ziemlich mühsam erweisen, wobei man sich dank der Ego-Perspektive ganz gut "durchklicken" kann. Die langen Fußmärsche entstehen nicht zuletzt dadurch, dass das Museum gigantische Ausmaße einnimmt - ich bin mir nicht sicher, ob ich in einem Adventure schon einmal ein derart großes Gebäude erkunden durfte. Das grafische Gesamtverhältnis ist ein interessanter, aber dennoch überzeugender Mischmasch: Wir bewegen uns durch klassische 3D-Hintergründe (wie sowas 1995 eben aussah), die gelegentlich folgenden Filmsequenzen sind mit Schauspielern besetzt und die Ixupi sind genial animierte Zeichentrickdämonen, die sich passend von der leblosen Museumswelt abheben. Musik und Atmosphäre sind vollkommen stimmig.
Kommen wir zu dem, was ich als deutlich negativer empfunden habe: Das Rätseldesign erweist sich als ziemlich heftig. Wenn wir nicht gerade die Ixupi einfangen, müssen wir nämlich komplexe Sachen meistern wie anspruchsvolle Puzzles, mechanische Rätsel, ein Solitair- und ein Mindmaster-Spiel... und leider wurde auch auf das obligatorische Labyrinth nicht verzichtet. Hinweise für die wirklich nicht leichten Aufgaben in Shivers finden wir im ganzen Museum verteilt, zum großen Teil auch in der Bibliothek. Trotz der ausgeklügelten Erinnerungs-Option im Hauptmenü, die es ermöglicht uns alle gelesenen Dokumente oder gesehenen Filme nochmal zu vergegenwärtigen, hat man durch diese unzähligen Hinweise am Ende einige Probleme sie den richtigen Rätseln zuzuordnen. Mit anderen Worten: Einsteigerfreundlich ist das Spiel nicht und auch mit Komplettlösung kann man noch einige Schwierigkeiten haben. Für Adventure-Profis, die neue Herausforderungen suchen, ist "Shivers" dagegen optimal. Ein weiterer Kritikpunkt ist wie schon erwähnt die Sache mit den Laufwegen. Mehr möchte ich aber nicht bemängeln, denn das Spiel hat trotz vieler Frustmomente Spaß gemacht und ist definitiv ein Klassiker mit hohem Anspruch in jeder Beziehung. Die Hintergrundstory und die Atmosphäre sind spitzenmäßig.
Produzent: Sierra
Jahr: 1995

Kommentare:

  1. Shivers ist eines meiner Lieblingsspiele! Die Laufwege sind zwar mit der Zeit wirklich ziemlich lang, aber man kommt immer noch schneller vorwärts, als in 3te Person-Spielen, die ich allein schon aus dem Grund eher selten und ungern spiele.
    Dieses Museum finde ich einfach klasse: Die Themen, die im Museum ausgestellt sind, machen jemanden, der sich für sowas interessiert ja allein schon neugierig. Die Grafik finde ich sehr gut - man darf sie allerdings nicht mit heutigen Masstäben vergleichen. Nur die Comicmonster fand ich unpassend zur übrigen Grafik. Und dass man immer nur einen Pott und einen Deckel -die noch dazu zusammenpassen müssen- nehmen kann und an die passende Stelle bringen muss, ist auch etwas umständlich. Absolut geil ist die Fahrstuhlmusik, die mir, auch wenn ich das Spiel nicht spiele, nicht aus dem Ohr geht! An manchen Stellen sieht man Schatten an der Wand huschen - dass hat mich beim ersten Spielen total "geschockt" weil ich darauf nun so gar nicht vorbereitet war. Die Rätsel sind wirklich ganz schön happig, aber dadurch hat man lange was von dem Spiel. Das Schlafzimmer von Windlenot habe ich seltsamerweise erst gefunden, als ich schon so gut wie alles gelöst hatte Die ganze Geschichte dieses Spiels, die man erst nach und nach erfährt, gefällt mir sehr gut. Shivers 2 besitze ich auch, aber so gut, wie 1 finde ich es nicht.
    Burchi

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  2. Danke für den ausführlichen Kommentar. :-) Die Musik ist wirklich sehr stimmungsvoll und ändert sich auch oft genug, wenn man eben einen bestimmten Museumsabschnitt verlassen hat. Zu Shivers II werde ich hoffentlich nochmal was schreiben, dazu muss ich mich allerdings erneut intensiv damit beschäftigen. ;-)

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