Dienstag, 16. Februar 2010

Kommerziell: Star Trek - Deep Space Nine: Harbinger

Star Trek - Deep Space Nine: Harbinger

Und nun berichte ich für die Star Trek-Fans unter uns über einen weiteren Klassiker, der eine Folge der Serie "Deep Space Nine" (basierend auf der dritten Staffel) zum interaktiven Ärgern... äh, Erlebnis macht.

Auf dem Weg zur Raumstation Deep Space Nine gerät Diplomat Bannik in einen gefährlichen Plasmasturm. Sicherheitsoffizier Odo gelingt es ihm das Leben zu retten und ihn mit zur Station zu nehmen, auf der momentan ein Ausnahmezustand herrscht, da bereits hunderte von Leuten evakuiert wurden. Während der Verhandlungen mit den Scythianern, einer der Sternenflotte noch recht unbekannten Rasse, kommt es zu etlichen Zwischenfällen. Der große Diplomat Karrig, mit dem Bannik verabredet war, wird ermordet in seinem Quartier aufgefunden. Und was hat es mit den Drohnen auf sich, welche dauernd Deep Space Nine angreifen? Es beginnt ein heikler SF-Krimi im Star Trek-Universum. Die Episode beginnt absolut vielversprechend mit einem Video des Original-Vorspanns von DS9 (natürlich mit veränderten Angaben wie der Angabe der Produzenten, etc.). Das eigentliche Adventure ist in 3D gehalten und die Grafik logischerweise nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber für damalige Verhältnisse akzeptabel. Anfangs dürfen wir eine sehr gute Nachbildung der Innenarchitektur von Deep Space Nine bestaunen, durch die wir uns in der ersten Hälfte des Spielverlaufs bewegen. Dazu kommt eine Vielzahl an Charakteren, wobei die Nachbildung der bekannten Serienstars gelungen ist, sie wirken nur manchmal etwas "plattgedrückt". ;-) Damit wir Sisko, Jadzia, Kira, Quark und Odo aus der Ego-Perspektive heraus bewundern können (O`Brien und Bashier bekamen bedauerlicherweise keinen noch so kleinen Auftritt), schlüpfen wir selbst in die Rolle des neuen Helden, nämlich des erwähnten Banniks.


Diesem wird eine Menge abverlangt, neben seinen diplomatischen Aufgaben muss er sich als Detektiv, sowie als taktischer Offizier beweisen. Das heißt, es gibt eine Menge Actionsequenzen in "Harbinger", die sich für Adenturespieler bequem steuern lassen. Taucht irgendwo eine Drohne im Bildschirm auf, verwandelt sich unser Mauscursor automatisch in eine Art Zielfeld und wir wissen bereits, dass wir jetzt schnell handeln müssen um unseren Tod zu verhindern. Wir bewegen also einfach den Mauscursor durch die Szenerie und schießen mit der linken Maustaste, wenn wir den Übeltäter hinter dem Cursor haben. Klingt einfach, ist es jedoch nicht immer, denn gerade die Drohnen schießen oftmals schneller als uns lieb ist. Dazu kommen noch diverse Weltraumgefechte, bzw. Flüge, bei denen wir uns lediglich darum kümmern müssen die feindlichen Objekte vom Himmel zu fegen, was genauso funktioniert wie die Nutzung des Phasers in der herkömmlichen Spielumgebung. Schaffbar ist meiner Meinung nach alles, was an Arcarde-Sequenzen anfällt, zumal man deren Schwierigkeitsgrad im Hauptmenü einstellen kann. Im Großen und Ganzen sind diese Kampfeinlagen nett inszeniert, nur leider auch besser als alles andere - und damit kommen wir zum typischen Adventure-Gameplay. Ähm... sagen wir mal, das gibt es eigentlich nicht. "Harbinger" besteht zu etwa 40 % aus Actionsequenzen und zu 50 % aus Multiple Choice-Dialogen. Und den Rest kann man wohl einigen technischen bzw. Code-Rätseln zuschreiben. Bannik hat kein Inventar, weshalb Inventarrätsel logischerweise herausfallen.


Was bleibt ist ein schwaches Gameplay. So spannend die Handlung auch sein mag, mit den Dialogen haben es die Produzenten etwas zu gut gemeint. Gerade auf der Station müssen wir fast nichts Anderes machen als andauernd zu irgendwelchen Personen zu rennen und uns mit ihnen zu unterhalten. Der Gesprächsstoff ist teilweise wirklich interessant und amüsant (vor allem die wortkargen Scythianer bzw. ihre Sprecher haben meine Lachmuskeln angeregt), doch die Konversationen ziehen sich oftmals dermaßen in die Länge, dass es schwer fällt bis zum Ende zuzuhören. Im zweiten Teil (CD 2) befinden wir uns in der Zitadelle, einer Art Fabrik, die von ihrer Umgebung etwas an "Rama" erinnert. Hier müssen wir uns mit einem furchtbaren mehrstöckigen Labyrinth herumschlagen, in dem wir andauernd von Drohnen angegriffen werden (als ob es nicht schwierig genug wäre sich auf diesen Irrgarten zu konzentrieren!). Immerhin können wir diese in einem bestimmten Kontroll-Raum abstellen, damit sie uns endlich in Ruhe lassen. Allerdings gelangen wir am Schluss in einen anderen Bereich, in dem wir dauernd über eine Brücke gehen müssen, die selbstverständlich von Drohnen bewacht wird - ein mühseliges Unterfangen, da hilft nur häufiges Abspeichern.

"Deep Space Nine: Harbinger" ist eine storytechnisch interessante Adventure-Episode, die einige der bekannten Themen aus der TV-Serie behandelt und neue Ideen gekonnt einbringt. Die Umsetzung scheitert leider an einem fast durchgehend misslungenen Gameplay, bei dem die Actionsequenzen mir noch am meisten Spaß gemacht haben. Richtigen Trekkies empfehle ich es durchaus weiter, alle anderen können getrost die Finger davon lassen.

Zusatzkommentar: Man sollte sich gut überlegen, ob man sich die deutsche Version anschafft, denn diese hat im Dialog mit einen Hologramm gegen Ende des Spiels einen Programmierfehler, der es unmöglich macht bis zum Ende zu gelangen. Das hat mich praktisch dazu gezwungen mir die Originalfassung zu kaufen. Und hier noch ein kleiner Tipp für alle, die beide Sprachversionen besitzen, aber über keine perfekten Englischkenntnisse verfügen: Man installiert die englische CD und legt danach zum Spielen die deutsche CD ins Laufwerk. Nun erscheint zwar die Multiple Choice-Textauswahl noch in der Originalsprache, die Sprachausgabe ertönt jedoch in der unsrigen. Und der deutsche Programmierfehler ist weg.


Produzent: Stormfront Studios, Vertrieb: Viacom New Media
Jahr: 1996

Kommentare:

  1. Ich habe das Spiel irgendwann mal gekauft, aber noch nicht gespielt. Ich denke auch, daß ich die deutsche Version habe - bin aber nicht sicher.
    Danke auf jeden Fall für die Info.

    Wenn aber sogar schon du als Liebhaber von guten Geschichten meinst, daß die Dialoge sehr ausufernd sind, muß das schon was heißen. ;-)

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  2. Gute Geschichten haben nicht unbedingt was mit ausufernden Dialogen zu tun. Wenn Dialoge so extrem ausführlich sind und nicht die notwendige "Abwechslung" bieten, dann wird es irgendwann einfach langweilig. Und in herkömmlichen Star Trek-Folgen sind die Dialoge ja auch nicht derart ausführlich. Auch in Adventures mit guter Handlung kann man die Dialoge entsprechend kurzfassen oder einfach besser gestalten.

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  3. Habs damals unbedingt haben muessen, schliesslich ist DS9 mein Lieblings-Star Trek-Ableger, war aber dann doch weitesgehend enttaeuscht.

    Atmosphaere halbwegs gelungen, aber das Spiel an sich - Nun ja. "The Fallen" hat es spaeter zumindest etwas besser gemacht.

    http://retrobennemann.blogspot.de/

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