Montag, 1. März 2010

Kommerziell: Sherlock Holmes jagt Jack The Ripper

Sherlock Holmes 5: Sherlock Holmes jagt Jack The Ripper

„Sherlock Holmes jagt Jack The Ripper“ gehört zu den wenigen Adventures, bei denen sowohl die 1st person- wie auch die 3rd person-Perspektive genutzt werden kann. Bezogen auf das Thema des Blogs wird hier aber nur das Spiel aus der Egoperspektive beurteilt.
In Whitechapel, einem armseligen Teil Londons, wurde eine Prostituierte auf grausame Art und Weise ermordet. Sherlock Holmes und Dr. Watson begeben sich an diesen finsteren Ort um Licht ins Dunkel zu bringen, doch der Fall erweist sich als äußerst schwierig. Nach und nach werden in den entsprechenden Vierteln von London immer mehr Frauen regelrecht verstümmelt – und die Gemeinsamkeiten der Opfer liegen auf der Hand: Sie sind mittellos und verkaufen ihren Körper. Auf der Suche nach dem Whitechapel-Mörder geraten unsere Detektive in ein Netz von Verwicklungen, die Spur führt bis zum Organhandel. Aber die Motive von „Jack The Ripper“ lassen sich kaum nachvollziehen. Die antisemitische Bürgerschaft verdächtigt zunächst einen Juden. Oder ist vielmehr ein Arzt der Täter, der genau weiß, wie er einer Frau bestimmte „Organe entnimmt“? Die Morde werden schlimmer und die Polizei ist ratlos. Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger „Sherlock Holmes jagt Arsene Lupin“ haben wir es hier mit einem besonders düsteren Adventure zu tun, das aus gutem Grund erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Die Geschichte ist tiefgründig und beinhaltet alles, was ein guter Krimi braucht.
Sehr sympathisch ist erneut das Verhältnis von Holmes und Watson, zwischen denen eben öfters mal gewisse Meinungsverschiedenheiten herrschen. Watson macht der Fall besonders schwer zu schaffen, doch auch Holmes lässt dieses Mal nicht alles kalt, wir dürfen ihn sogar mal verstört erleben. Was das Charakterdesign angeht, bekommt „Sherlock Holmes 5“ wieder einmal einen Pluspunkt und das bezieht sich ebenso auf die Nebenpersonen und die Verdächtigen. Die Dialoge können teilweise recht langatmig sein, was in erster Linie daran liegt, dass Holmes wieder alle Details beleuchtet um hinter die Identität des Whitechapel-Mörders zu kommen. Das Rätseldesign behält in etwa den Anspruch von „Sherlock Holmes jagt Arsene Lupin“, unterscheidet sich jedoch in vielen Dingen. Es gibt eine ausgewogene Menge an Inventarrätseln und technischen bzw. Coderätseln und auf der anderen Seite müssen wir die Morde auf allen erdenklichen Wegen rekonstruieren, an einer Stelle gilt es die Stichwaffe von Jack The Ripper zu ermitteln, indem wir in einem Schlachthof verschiedene Messertypen an Schweinsköpfen vom Metzger anwenden. Und um die Zeugenaussagen auf einen Punkt zu bringen, müssen wir zusammen mit Watson Puppen ankleiden. Neben solchen verrückten Ideen des Meisterdetektivs ist es notwendig nach jedem neuen Mordfall die Fakten über das Geschehen aufzustellen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, wobei wir jeweils kleine Kästchen haben, aus denen wir eine von drei Thesen auswählen können. Haben wir die richtigen Vermutungen aufgestellt, leuchtet die zusammenfassende Box mit der finalen These grün. Grafisch gibt das Adventure einiges her, da kann ich absolut nichts kritisieren. Ich empfehle allerdings mit einer möglichst hellen Bildschirmeinstellung zu spielen, da die Screens oftmals enorm dunkel sind, wir bekommen nämlich so gut wie nie Tageslicht zu sehen. Die Welt wirkt realistisch, zumal sie sehr belebt ist, so laufen einem zum Beispiel in Whitechapel überall Leute entgegen, manche liegen schlafend in den Straßenecken oder trinken Alkohol. Die Londoner Unterschicht des 17. Jahrhunderts wird glaubhaft dargestellt. Die Steuerung kann nach wie vor über Maus und Tastatur erfolgen und ist im Großen und Ganzen identisch mit der des Vorgängers.
Die jüngste Episode der Sherlock-Holmes-Reihe kann mit einer spannenden Handlung, die auf historischen Ereignissen beruht, vollauf überzeugen. Die Rätsel sind erneut ziemlich schwierig, wobei es sich hier vor allem um typische Ermittler-Aufgaben handelt. Das Outro präsentiert einen absolut großartigen Abschluss dieses empfehlenswerten 1st-and-3rd-person-Adventures.

Produzent: Frogwares, Vertrieb: Focus Home Interactive
Jahr: 2009

Website
Informationsportal zu Jack The Ripper (Fakten und Hintergründe)

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