Montag, 9. August 2010

Freeware: The Museum of Broken Memories

The Museum of Broken Memories

Wer keine Ahnung hat, was er unter einem Experimental-Adventure verstehen soll, dem empfehle ich einen Blick auf "The Museum of Broken Memories" zu werfen. Inzwischen ist das Freeware-Produkt des mittlerweile bekannten Jonas Kyratzes ein Klassiker, wie es ihn in dieser Form erst einmal gegeben hat.


Wir befinden uns in einem Museum. In simplen 3D-Hintergründen können wir die verschiedenen Zeugnisse der Vergangenheit betrachten, wobei wir in jedem Raum auf ein Gemälde stoßen, in dessen Inneres wir abtauchen können. Unsere Aufgabe ist es also mehrere Fragmente zu erforschen und dabei Antworten zu finden. Was ist dieses Museum der zerbrochenen Erinnerungen und was tun wir hier? Innerhalb der Fragmente, die alle ihre eigene Geschichte erzählen, erwarten uns die unterschiedlichsten Innovationen und Grafikstile, obgleich es sich um stets dieselbe Stadt oder dasselbe Haus handelt, das wir erkunden. Wir landen in einer mit Sepia-Fotografien rekonstruierten Stadt, in der es gilt Erinnerungen zu sammeln und auf die Geister der Bewohner zu treffen. Ein anderes Fragment besteht aus mit Bleistift gezeichneten Spielskizzen, die vom Autor angefertigt wurden (ob es die richtigen Skizzen sind oder für TMoBM entsprechend inszeniert wurden ist natürlich eine andere Frage). Ein weiteres Fragment lässt uns komplett im Dunkeln tappen, wir müssen uns den Weg durch ein Haus bahnen, können aber auf dem Bildschirm nichts erkennen, abgesehen von den Ausgangspfeilen und Hotspotmarkierungen, sowie den Kommentaren der Spielfigur. Und dann ist da noch das außergewöhnlich surreale Fragment, bei dem wir unter Aneignung zahlreicher Schlüssel aus einem Gebäude zu fliehen versuchen, das nach und nach mit Wasser überschwemmt wird. Um sich einen genaueren Einblick zu verschaffen werden meine Erläuterungen kaum ausreichen und die wenigen Screenshots in diesem Review können auch nur einen oberflächlichen Einblick bieten, weshalb ich empfehle sich durch den kostenlosen Download selbst zu überzeugen.


Rätseltechnisch bewegt sich TMoBM im Mittelmaß. Schwierig ist es vor allem erst einmal herauszufinden, wie das Gameplay "funktioniert". Dieses unterscheidet sich nämlich meist in den einzelnen Fragmenten, auch wenn man überwiegend mit Klicken beschäftigt ist. Ein Inventar gibt es nicht, nur sammelt man gelegentlich beispielsweise Schlüssel ein, die dann automatisch mit der passenden Tür benutzt werden. Die Rätsel bestehen in der Regel darin Hinweise zu sammeln und mit Geistern oder Gemälden zu kommunizieren. Allzu lange wird man sich nicht damit aufhalten, jedoch ist es deswegen noch lange nicht einfach. Gespeichert werden kann nur außerhalb der Fragmente, d.h. man muss jedes davon am Stück absolvieren. Die überzeugende Atmosphäre entsteht durch die kunstvolle Aufarbeitung fast von selbst und wird zudem durch die schöne und melancholische Hintergrundmusik unterstützt.


An den Texten, die hier leider nur komplett in englischer Sprache vorliegen, erkennen wir ein künstlerisches und schriftstellerisches Talent. Man hat das Gefühl, dass man gerade in einem Buch liest oder sich eine Kunstausstellung ansieht, aber dennoch ist man mittendrin und wird in eine wundervolle wie deprimierende Geschichte über die Menschen, Krieg, Angst und Liebe hineingezogen. TMoBM kommt mit einer sehr traurigen Grundstimmung daher, es ist ein Adventure für Menschen, die einen Sinn für Surreales und für Philosophie, kurz für tiefsinnige und andersartige Spiele haben.

Website (Download hier!)

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