Mittwoch, 8. September 2010

Kommerziell: Dark Fall: Lost Souls

Dark Fall: Lost Souls

Das Horrorgenre lebt, wie Jonathan Boakes, der Mann hinter Dark Fall und The Lost Crown, beweist. Dark Fall: Lost Souls ist der inzwischen dritte Part einer spannenden Adventure-Reihe.

Dowertown. Lange Zeit nach dem Verschwinden der kleinen Amy ist die Stadt zu einem Ort des Okkultismus geworden. Der Inspektor, der den Fall niemals aufklären konnte, begibt sich auf eigene Faust zum alten Bahnhof um der Sache dort endgültig auf den Grund zu gehen. Dort widerfahren ihm die seltsamsten und unvorstellbarsten Dinge, die ihm das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ist Amy noch am Leben? Und was hat es mit dem Dark Fall auf sich? Im Laufe des Spiels erfahren wir mehr über am damaligen Geschehen beteiligte Personen wie Mr. Bones, sowie den Inspektor selbst. Außerdem werden wir im Bahnhofshotel mit den Erinnerungen längst verstorbener Personen konfrontiert.



Dark Fall: Lost Souls besticht nicht nur durch eine beklemmende Handlung, sondern ebenso durch eine Atmosphäre, wie man sie nur selten erlebt. Die Soundkulisse ist lebhaft, ständig hören wir gespenstische Laute oder unser eigenes Schlucken und Schreien. Dazu kommt häufig das Rauschen einer hereinkommenden SMS, die von einem unbekannten Absender an uns verschickt wird – ein Phänomen, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Spiel zieht. Grafisch kann ich nichts aussetzen, die Gegend wurde sehr detailliert dargestellt und entspricht einer Umgebung, wie man sie sich in einem Horroradventure nur wünschen kann. Gelegentlich kann man die eine oder andere Erscheinung wahrnehmen. Natürlich spielt sich alles bei Nacht ab, abgesehen von den Erinnerungssequenzen, die darin bestehen, dass man in eine andere Zeit versetzt wird und für eine Weile die Rolle eines Hotelgasts übernimmt, den ein bestimmtes Schicksal plagt. Auch die außergewöhnliche und einprägsame Musikuntermalung vollbringt ihre Wirkung. Die Präsentation wirkt jedenfalls tadellos. Nur die deutsche Synchronisation betrifft das nicht, denn diese ist überwiegend misslungen. Die Sprecher wirken künstlich und aufgesetzt, sodass man auf Sprachausgabe lieber gleich verzichtet hätte.


Gehen wir zum Rätseldesign über. Dieses ist insgesamt zufriedenstellend, zumal der Schwierigkeitsgrad irgendwo zwischen leicht und schwer liegt. Neben gewöhnlichen Inventarrätseln haben wir mechanische Rätsel und Geschicklichkeitseinlagen aller Art zu lösen. Besonders auffällig sind dabei stets wiederkehrende Puzzlespielchen, bei denen man ein zerrissenes Dokument korrekt zusammenfügen muss, ein eher anspruchsloses Unterfangen, das mir jedoch viel Spaß gemacht hat. Ein sich wiederholender Akt ist auch das Knacken von Schlössern, wobei ich jetzt nicht verraten möchte, wie das genau funktioniert. Mit den Geistern des Hotels, deren verlorene Seelen es zu retten gilt, kann man Dialoge führen, deren Ziel es ist immer die richtige Antwort zu treffen, basierend auf den Spuren aus der Vergangenheit.


Jonathan Boakes neuestes Werk ist ein meisterhafter Beitrag zum Horrorgenre. Es wartet mit einer intelligenten und komplexen Handlung auf, die nicht ganz so einfach nachzuvollziehen ist. Sehr schön gelingt es Boakes eine Verbindung vom Heute mit der Geschichte aufzubauen, indem wir uns in historische Zeiten versetzen lassen und gleichermaßen mit SMS-Nachrichten bombadiert werden. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit die beiden Vorgänger zu spielen und kann daher keine Vergleiche ziehen. Aber ich werde es unbedingt nachholen.

Produzent: Darkling Room
Jahr: 2010

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