Freitag, 29. Oktober 2010

Freeware: The Dead City

The Dead City

Jetzt wird es aber mal höchste Zeit für ein kleines Halloween-Review. Entschieden habe ich mich hierbei für das schon etwas ältere Fanadventure "The Dead City" von NiHiLiS.

Der einsame Horrorschriftsteller, dessen Rolle wir übernehmen, wurde durch den Mord an seiner Freundin Tess komplett aus der Bahn geworfen und musste infolge dieses Unglücks einen längeren Aufenthalt in der Psychiatrie durchstehen. Wieder in der Außenwelt angekommen, macht sich der Drogenabhängige auf die Suche nach Tess' Mörder, der zu allem Übel noch den Tod weiterer junger Frauen zu verantworten hat. Diese explosive Mischung macht aus "The Dead City" eines der vielleicht depressivsten Adventures, die ich kenne. Die Richtung ist geradlinig, die Stimmung wird nicht optimistischer - dessen sollte man sich bewusst sein. Mit der Zeit geht es ins Übernatürliche und Surreale über, vor allem durch Träume, die als Folge des Drogenkonsums unseres Hauptcharakters hervorgerufen werden.

Die recht blassen und teils farblosen Szenenbilder sorgen für eine gelungene Atmosphäre, die durch Regen und andere Effekte noch verbessert wird. Weniger lebendig sind die Charaktere, mit denen man zwar umfangreiche Dialoge führen kann, die allerdings nie animiert sind und manchmal urplötzlich aus dem Raum verschwinden. Stattdessen werden z.B. Gewalttätigkeiten nicht sichtbar dargestellt, sondern mit Worten beschrieben. Die Textzeilen im Spiel sind ohnehin eine Bereicherung für jeden, der es gerne philosophisch hat. Im Intro, sowie im Outro gibt es zudem kurze Sequenzen, die wie Ausschnitte aus einem Comicheft gestaltet sind - vergleichbar mit dem, was einst schon in "Beneath a Steel Sky" zu sehen war. Etwas schwächer ist das Rätseldesign. Es ist logisch und lösbar, aber insgesamt werden dem Spieler nur wenige knifflige Aktionen abverlangt. Die größte Herausforderung ist es wohl alle Hotspots aufzufinden und wirklich alles zu betrachten, damit auf der Übersichtskarte möglicherweise ein neuer Ort freigeschaltet wird. Die Interaktion zwischen den Personen ist dagegen ein häufiges Unterfangen, das jedoch ohne anspruchsvolle Dialogrätsel keine Schwierigkeit darstellt.

"The Dead City" ist ein gruseliger und düsterer Thriller und meiner Ansicht nach einer der Fanadventureklassiker schlechthin. Wem dieses depressive Feeling eine Nummer zu heftig ist, der sollte die Finger davon lassen. Ansonsten ist es uneingeschränkt zu empfehlen.

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