Samstag, 23. Oktober 2010

Freeware: Sofia's Debt

Sofia's Debt

Santiago de Matos Lima hat mit "Sofia's Debt" ein künstlerisch anspruchsvolles "Mini-Adventure" geschaffen. Es ist ein typischer Vertreter des Independent-Genres, der nicht jedem zusagen wird. Alle Ausnahmen dürfen hier weiterlesen. ;-)

Nach der Arbeit kommt Ana zuhause an. Sie erwartet ein Kind, hat keinen Mann mehr, der es zusammen mit ihr aufziehen würde und insgesamt ist ihr Leben bisher nicht gerade erfreulich verlaufen. Wir erfahren, dass ihre Mutter, sowie ihre Großmutter nach der Geburt ihres jeweils ersten Kindes Selbstmord begangen hatten. Dementsprechend wird sie selbst nun von großen Ängsten geplagt. Was wird geschehen, wenn sie ihr Baby zur Welt bringt? "Sofia's Debt" ist Horror von der besten Sorte. Dies kommt hier leider nur begrenzt herüber, da das Adventure extrem kurz ist. Allerdings kann man nicht leugnen, wie gekonnt der Autor hier in diesem kleinen, grafisch nett gestalteten Raum eine erstaunliche Gruselatmosphäre auf die Beine gestellt hat. Wir nehmen verstörende Geräusche von draußen wahr, sowie eine tolle Musikuntermalung, die dynamisch ist und in bestimmten Situationen stark variiert. Ganz ungewöhnlich jedoch ist das Spiel mit den Schriftarten. So durchstöbern wir das recht ausführliche Tagebuch der Großmutter und wundern uns, dass sich auf manchen Seiten deren Handschrift ändert und teilweise aussieht, als wäre sie an diesen Tagen vollkommen verrückt geworden. Über die Rätsel brauchen wir dagegen nicht großartig zu sprechen. Sie sind mehr als einfach, man sammelt einige Gegenstände und setzt sie irgendwo ein. Langes Herumprobieren ist in den wenigen Szenenbildern kaum möglich. Und dann ist das Spiel in 10 bis wohl spätestens 15 Minuten auch schon vorüber. Die Zeit bis zum Finale kann man gut durch das Anhören von CDs an der Stereoanlage verlängern, z.B. mit einem Ausschnitt aus dem Musical "Les Misérables", auf das in "Sofia's Debt" häufiger angespielt wird.

Eigentlich versucht "Sofia's Debt" nichts Anderes zu sein als ein Kunstwerk, praktisch eine Kurzgeschichte in Adventure-Form. Dieses Vorhaben ist gelungen. Es ist kein vollwertiges Adventure und kann vor allem rätseltechnisch nicht genug bieten. Dennoch beeindruckt es und gruselt für zumindest einige gut verbrachte Minuten.

Produzent: Santiago de Matos Lima
Jahr: 2003

Downloadmöglichkeit

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