Samstag, 16. Oktober 2010

Kommerziell: Zork - Der Großinquisitor

Zork - Der Großinquisitor

Zork gibt es schon seit 1980. Aus den damaligen Textadventures haben sich in den späten 90ern grafisch aufwendige 1st person-Adventures entwickelt. Den letzten Teil dieser Serie möchte ich hiermit vorstellen.

In Quendor wurde die Magie verboten. Alles wird nun durch Technik geregelt und das Volk untersteht der Herrschaft des Großinquisitors. Dessen überaus geistreiches Motto ist nämlich: "Wer ist der Boss von euch? - Ich bin der Boss von euch!" Und wer sich diesen Gesetzen widersetzt und sich somit gegen den Großinquisitor stellt, wird gnadenlos "totemisiert". Als Abenteurer fassen wir den Entschluss das Königreich Quendor auf Zork von diesen Zuständen zu befreien. Anfangs begegnen wir dem Dungeonmaster, dessen Geist in eine Lampe gebannt wurde. Diese "Lampe" weiht uns in unsere Mission ein und steht uns als Begleiter, sowie als Kommentator des Geschehens zur Seite. Doch allein dabei wird es nicht bleiben: Wir finden weitere Freunde, die in sogenannte Totems gepackt wurden und deren Seelen dort gefangen sind, ein Drache und... na ja, ich sollte vielleicht nicht alles vorwegnehmen. Jedenfalls hängt das Schicksal von Quendor von drei magischen Gegenständen ab, die es im Laufe des Spiels aufzuspüren gilt.

Diese abgedrehte Geschichte ist das, was man erwarten muss, wenn man sich ein Zork-Adventure zulegt, besonders extrem wurde hier auf verrückte Ideen, durchgeknallte Charaktere und endlose Satire gesetzt. Dass die Grafik nicht mehr zeitgemäß ist, versteht sich von selbst. Dennoch finde ich das Spiel heute noch optisch ansprechend. Wir durchqueren schöne, fantasievoll gestaltete Szenarien und die Filmsequenzen sind in FMV (Full Motion Video) bereitgestellt, was damals ja noch modern war. Die beste Qualität erreichen diese Sequenzen nicht gerade, dafür kommt man in den Genuss von Schauspielern, die ihre skurrilen Rollen echt überzeugend verkörpern. Amüsant wird es dann aber auch, wenn diese Schauspieler auf Fabelwesen wie Drachen treffen. Die witzige Sprachausgabe kann ich ebenfalls nur lobend erwähnen. Lediglich die alles überschallenden Rufe des Großinquisitors im ersten Abschnitt können auf Dauer recht nervig werden. In den meisten Fällen ist es allerdings nett zu hören, wie sich im Hintergrund irgendwelche Leute unterhalten und zusätzlich zur Geräuschkulisse eine hervorragende Atmosphäre schaffen.

Das Gameplay besteht neben herkömmlichen Inventarrätseln vor allem in der verbotenen Zauberei. Wir erlernen stets neue Zaubersprüche, deren Funktion im Zauberbuch erläutert wird. Wählt man sie aus, wird der Name der entsprechenden Formel von einer schrillen Opernstimme gesungen und lässt sich von uns an einer Stelle im Bildschirm anwenden, wo sie evtl. etwas bewirken könnte. Die Rätsel bewegen sich relativ im Mittelmaß und werden besonders durch die vielen Möglichkeiten (Nutzung von Items, sowie von Zaubersprüchen) erschwert. Eine etwas lästige Ausnahme ist die Szene, in der man am Hades-Telefon die weibliche Stimme überzeugen muss, dass sie uns den Fährmann schickt. Aber so frustrierend diese Einlage auch sein mag, habe ich mich doch zur Genüge amüsiert. Sogar die häufig vorkommenden Tode sind zum Schreien komisch. Man sollte sie unbedingt alle auskosten, damit man keine der extra auf die jeweilige Sterbensart zugeschnittene Nachrichten verpasst. Allerdings gibt es hier kein "Try Again", weshalb ich großzügiges Abspeichern empfehle. Interessante Features sind zudem die Zeitreisen, wobei man einen Geist aus den Totems durch das Zeitportal befördern muss, da man selbst dabei vermutlich nicht mehr heil zurückkehren würde. Somit kann man in kurzen Szenen in die Rollen seiner drei totemisierten Freunde schlüpfen, zum Beispiel am "weißen Haus" (nein, nicht das Weiße Haus!), das in der Zork-Saga mittlerweile legendär ist. Außerdem werden lange Laufwege vermieden, indem an bestimmten Plätzen Teleportmaschinen aufgestellt sind, die uns den schnellen Wechsel in bereits besuchte Gegenden gewähren.

Als Fazit bleibt nur zu sagen, dass dieser Klassiker eine wahre Bereicherung für das 1st person-Adventure-Genre ist. Die ganze Story, die Zwischensequenzen und die Synchronisation - alles ist unglaublich lustig und spielerisch erfüllt "Zork - Der Großinquisitor" ebenso jegliche Wünsche.

Produzent: Activision
Jahr: 1997

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