Mittwoch, 17. November 2010

Werbespiel: Auf der Suche nach Dr. Gara

Auf der Suche nach Dr. Gara

Manchmal muss man sich auch mit Trash auseinandersetzen. Und in diese Kategorie passt dieses Machwerk der ARAG-Versicherungsgruppe perfekt hinein.

Anfangs werden wir erst einmal mit merkwürdigen Klängen konfrontiert, die den Spieler durchaus traumatisieren können, falls er die Lautsprecher zu hoch eingestellt haben sollte. Es erklingen schrille gestaltlose Töne, hier wurden unzeitgemäße PC Speaker-Sounds verwendet. Als Musik kann ich das nicht bezeichnen. Und dann beginnt das Adventure, bei dem wir uns nach Dinotown begeben müssen um das Geheimnis dieser von Urzeitlebewesen bevölkerten Stadt zu lösen. Tja, das ist eigentlich schon die gesamte Handlung. Zunächst werden wir von einem gefährlichen Dinosaurier angesprochen, der uns dazu nötigt Namen und Adresse in ein Formular einzugeben, damit wir in den Besitz eines Ausweises gelangen. Daraufhin finden wir uns auf der Orientierungskarte wieder, die praktisch das meiste Gameplay ausmacht. So halten wir uns an jeder der unzähligen Ortschaften nur kurz auf und landen anschließend erneut auf der Karte - vorausgesetzt man wird nicht von einer Riesenechse gefressen, weil man eine falsche Antwort gegeben hat. Jetzt gilt es vollkommen ziellos durch diese Gegend zu ziehen. Es gibt eine Eisdiele, ein Autohaus, einen Golfplatz, ein Krankenhaus, einen Funkturm, ja, sogar eine Disco - und noch einiges mehr. Das ist ja eine schöne Sache, nur leider hat man einfach selten eine Ahnung, wo man eigentlich hin muss und was es dort zu tun gibt. Lediglich das ARAG-Versicherungsbüro, das den einzigen menschlichen Ansprechpartner beschäftigt, kann teilweise aushelfen - meistens bringt uns das jedoch nichts. Dazu kommt, dass sich im Inventar eine Menge toller Gegenstände ansammelt, die man nicht betrachten kann und bei denen man in 80 % aller Fälle nicht weiß, was sie überhaupt darstellen sollen. Es gibt keine richtigen Rätsel, die Schwierigkeit besteht darin herauszufinden, an welchem Platz in Dinotown derzeit etwas bewirkt werden kann. Konzipiert ist das Spiel in erster Linie für Kinder, die vermutlich auch nicht den größten Spaß damit haben werden. Zu erwähnen ist noch die Grafik, die zwar statisch, aber ansonsten zur optischen Gestaltung eines Werbespiels akzeptabel ist. Weitere positive Punkte haben sich nicht in mein Gedächtnis eingebrannt.

Überaus unverschämt erscheint mir die folgende Behauptung auf der Website des Herstellers, Promotion Software: "Ein erfolgreiches Werbespiel für die ARAG-Versicherungsgruppe, das durch eine kreative Storyline besticht." (Quelle) Dazu fällt mir gar nichts mehr ein.

Produzent: Promotion Software
Jahr: 1994

Donnerstag, 11. November 2010

Werbespiel: Dig Dogs 3: Factory X

Dig Dogs 3: Factory X

Wer unter dem Titel kein Adventure vermutet, der denkt vielleicht an die beiden Vorgänger, bei denen es sich um ein Geschicklichkeits- und ein Autorennenspiel handelt. Der letzte Teil dieser Reihe, die vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat vorgelegt wurde, passt allerdings perfekt in meinen Blog.

Bei „Factory X“ geht es um Sicherheit in Verbindung mit Drogen und Alkohol. Eine großartige Handlung gibt es nicht, so finden wir uns vor einem „Techno-Paradies“ wieder, in das wir uns begeben müssen um die drei Dig Dogs in ihrer Partylaune vor Fehlern zu bewahren. Das heißt vor allem, dass sie nicht unter Drogeneinfluss mit dem Auto fahren dürfen. Inszeniert wird diese Problematik bzw. die Lösung des Konflikts auf eine witzige Art und Weise. Die erste Möglichkeit ist durch das erfolgreiche Absolvieren eines Rätsels oder Minispiels zu verhindern, dass der jeweilige Hund Suchtmittel konsumiert. Sobald einer der Dig Dogs sich zu seinem Fahrzeug begibt, schlägt es Alarm und wir müssen in einer festgesetzten Zeit aktiv werden. Dann gibt es nur noch eine Methode: Der Wagen muss „unschädlich“ gemacht werden. Bei Misserfolg muss man den letzten Spielstand laden. Dazwischen müssen wir dem DJ helfen seine Platten zu ordnen, Getränke mixen oder andere Dinge, die man in einer Disco so tut. Und ganz wichtig für das Vorankommen ist die korrekte Beantwortung von Fragen, die sich mit dem Thema Sicherheit befassen. Die Dialoge wurden mit einer vollständigen Synchronisation versehen, die sich durch einen geradezu amüsanten "kiffigen" Sprachgebrauch auszeichnet. Insgesamt gelingt es den Produzenten in diesem eher kurzen Adventure zu unterhalten, zum Nachdenken anzuregen und zu belehren, wie man es von einem guten Werbespiel erwartet, aber leider nicht immer bekommt. Kindertauglichkeit erhält es zudem dadurch, dass man unabhängig vom Lösungsweg stets auf bestimmte Hotspots klicken kann, bei denen sich dann etwas tut. So fällt beispielsweise der Mond herunter und zerspringt, wenn man den Mauscursor darauf richtet. Die Musikuntermalung wurde der Disco-Umgebung angepasst und kann einem gelegentlich auf die Nerven gehen. Sehr negativ ist mir das abrupte Ende aufgefallen, denn mehr als ein „Gratulation“ zum Abschluss wäre schon nett gewesen.
„Dig Dogs 3“ ist ein typisches Werbeadventure mit einem gelungenen Gameplay und viel Witz. Trotz kleiner Schwächen würde ich es zu den besseren Vertretern dieser Kategorie zählen.

Produzent: BC Verlag- und Medien-GmbH
Jahr: 1997

Montag, 8. November 2010

Kommerziell: Crime Time

Crime Time

Momentan mangelt es hier an Nostalgie? Das lässt sich ändern. "Crime Time" von der Firma Byteriders erschien 1990 und ich habe es mal unter die Lupe genommen.

Wir waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort - und dazu noch ziemlich betrunken. Dadurch haben wir uns des Mordes verdächtig gemacht, der in dem Hotel geschehen ist, in dem wir mit unserem Freund Rainer für ein paar Tage untergekommen sind. Bevor die Polizei eintrifft, müssen wir also unsere Unschuld beweisen. All das klingt nicht sonderlich ernsthaft und tatsächlich schafft es das Spiel in keiner Sekunde einen Funken Seriosität zu versprühen, was einem Krimi selten zuträglich ist. Die Dialoge mit Nebencharakteren und sonstige Kommentare, z.B. beim Betreten eines jeden Raumes, zeugen also von einer Menge Humor, der immerhin eine Stärke von "Crime Time" darstellt. Gelegentlich wird es etwas anzüglich - so lässt der Hauptcharakter sich auch nicht davon abhalten, in den Duschraum zu gehen, wenn dieser von einer Dame besetzt ist. Spannung kam bei mir überhaupt nicht auf, was wohl nicht zuletzt durch die banale Handlung bedingt ist. Blöderweise gibt es nicht einmal ein richtiges Intro, das in die Geschichte einführt, wodurch der Spieler noch zusätzlich verwirrt werden dürfte.

Das Interface ist aus heutiger Sicht nicht mehr allzu komfortabel. Wir können den Mauscursor nicht innerhalb des Bildschirms bewegen, sondern nur im unteren Bereich, der aus verschiedenen Feldern besteht. Links können wir über einen Kompass eine bestimmte Richtung einschlagen und somit den Raum wechseln. Im mittleren Feld sind acht Befehle gelistet, die man auf Charaktere oder Gegenstände anwenden kann, welche wiederum im rechten Segment stehen. Dieses ist unterteilt in das Fenster des jeweiligen Raums, in dem alles zu sehen ist, was sich dort befindet, sowie in das Inventar. Nicht schlecht gibt sich das Rätseldesign, das von einem mittleren Schwierigkeitsgrad zeugt. Oftmals muss man mit einem Dietrich in Zimmer einbrechen und diese inspizieren, was bei einem Detektivspiel unverzichtbar ist. Zwischendurch gibt es dennoch einige durchaus logische Inventarrätsel, durch die unsere grauen Zellen angestrengt werden. Allerdings muss ebenso beim Knobeln der Humor bewahrt werden. Abspeichern ist stets sinnvoll, denn größere Fehler führen zum Tod oder ins Gefängnis. Die Grafik ist für damalige Verhältnisse mehr als in Ordnung.

Viel einfallsreicher als der Titel ist auch das Adventure dahinter nicht. Tja, ein Klassiker ist nicht gleich automatisch gut und dieser nicht zu Unrecht eher unbekannt. Er konnte mich in keiner Minute fesseln und ich war froh, dass ich nur wenige Stunden dafür einplanen musste. Wer es gerne einmal anspruchslos mag, der könnte aber seine Freude an dem Byteriders-Produkt finden.

Produzent: Byteriders, Vertrieb: Starbyte
Jahr: 1990