Montag, 31. Januar 2011

Kommerziell: Death Gate

Death Gate

Nach einjährigem Blogbestehen liegt jetzt auch das 50. Review zu einem 1st person-Adventure vor. Ausgewählt habe ich zu diesem Anlass ein Spiel, das es definitiv verdient hat dieses kleine Jubiläum auszufüllen: "Death Gate" von Legend Entertainment.

Wir befinden uns in einer fernen Zukunft, in der sich die Menschheit in verschiedene Rassen gespalten hat. Besondere Macht wird den Patryn und den Sartan zugeschrieben, andere Völker gelten aufgrund mangelnder magischer Fähigkeiten als niedere Abstammungen. Das 3D-Intro zeigt nun in filmischer Inszenierung, wie der Rat der Sartan die Erde in fünf Welten zersplittert: Arianus, Pryan, Abarrach und Chelestra, die den vier Elementen entsprechen, sowie den Nexus mit dem Labyrinth, das die Sartan fortan als Exil für die Patryn nutzen. Xar, einem Lord der Patryn, gelingt nach 2000 Jahren die Flucht aus dem Labyrinth. Schließlich kommt Haplo ins Spiel, den Xar wie einige weitere Mitglieder seiner Rasse befreien konnte, und der ihm bei der Reformierung der Erde behilflich sein soll. Dazu muss dieser mit seinem fliegenden Drachenschiff die oben erwähnten Welten besuchen um dort die einzelnen Stücke des von den Sartan geteilten Weltensiegels auszumachen. Diese Geschichte, die auf der Romanvorlage von Margaret Weis und Tracy Hickman basiert, ist dermaßen komplex, dass eine vollständige Zusammenfassung mindestens eine Seite beanspruchen würde, denn gerade im Verlauf des Adventures dringen oftmals neue Informationen an unser Ohr, was die Entwicklung der Begebenheiten betrifft, oder die wahren Motive der Sartan, die uns Xar als schrecklichen Feind vorgestellt hat. Die Handlung ist schlichtweg phänomenal - es ist längst keine 0815-Fantasy, sondern ein intelligentes, gut durchdachtes Storyboard. Und trotz der ernsten Mission, die unser Patryn zu erfüllen hat, wird an diversen Stellen nicht an Humor gespart, wobei ich hier besonders auf die Dialoge mit dem Sartan Zifnab verweise.

Entsprechende Mengen an Text sind bei der Produktion in "Death Gate" eingeflossen - eigentlich könnte man sagen, dass es zu schätzungsweise 50 % aus Dialogen besteht, denn es gibt zahlreiche Nebencharaktere - und diese sind fast ausnahmslos sehr gesprächig. Bei so mancher Unterhaltung benötigt man eine ordentliche halbe Stunde um sich komplett durchzuklicken und alles aufmerksam mitzulesen (oder ihr zu lauschen, allerdings liegt die Synchronisation in englischer Sprache vor und die Übersetzung lediglich in Form von Untertiteln!). Außerdem entdeckt man stets neue Bücher, deren Inhalte genauso informativ wie umfassend sein können. Der Rest kommt aber nicht zu kurz, so bewährt sich "Death Gate" mit für die damaligen Verhältnisse angenehmen 3D-Filmsequenzen und vielmehr noch mit schön gezeichneten Hintergrundbildern und dem ebenso herrlichen Charakterdesign. Neben der Optik betont zudem die Musik die märchenhafte Atmosphäre, denn diese hat einen orchestralen und epischen Touch, sorgt für Spannung und hört sich einfach toll an.

Vorwiegend unterstützen wir unseren Helden beim Lösen von Inventarrätseln, sowie bei der Ausübung von Magie auf der Basis von Runen. Die Sprüche erlernt Haplo automatisch, sobald er andere Personen beim Zaubern beobachtet oder indem er sie schlauen Büchern entnimmt. Im Prinzip handelt es sich um Zusammenfügungen bestimmter Muster, die rückwärts gelesen auch mal eine gegenteilige Wirkung haben können. Eine hohe Kreativität wird erkennbar, wenn wir z.B. an einem Porträt den Schaffe-Realitätsfeld-Spruch ausprobieren, damit wir die Welt hinter dem Bild betreten können, oder bei der Nutzung des Besitz-Zaubers, durch den wir mit einer niederen Kreatur den Körper tauschen können. Somit haben wir gelegentlich die Chance mit den Sinnen eines Hundes zu agieren, der später unser treuer Begleiter sein wird. Und wer wollte nicht immer schon einmal alles aus der Perspektive eines Haustiers sehen, das nur Grautöne wahrnehmen kann? Da wir gerade von Begleitung sprechen: Mehrmals werden wir in "Death Gate" neue Freunde und Kollegen finden, die uns zumindest innerhalb eines Kapitels für eine Weile folgen (und daraufhin in Charakter-Fenstern neben dem Inventar erscheinen) und an gewünschten Orten um Gefallen gebeten werden können. Häufiges Speichern ist Voraussetzung, zumal man sich bei den etlichen Gefahren da draußen schon mal den Tod holen kann - teilweise sogar durch das Anwählen einer falschen Dialogoption.

Fantasy at its best: "Death Gate" ist in meinen Augen eines der großartigsten und faszinierendsten 1st person-Adventures aller Zeiten. Kreativ und packend, episch und intelligent. Es macht Freude die verschiedenen Welten zu erforschen, egal ob man mit Elfen in den Wäldern von Pryan oder mit wiederbelebten Leichen im von Feuermeeren umgebenen Abarrach kommuniziert. Ein deutlich höherer Rang auf der Bekanntheitsskala wäre deshalb angebracht gewesen.

Produzent: Legend Entertainment
Jahr: 1994

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