Donnerstag, 24. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 5 - Ein Mittsommernachtsmord

Carol Reed 5 - Ein Mittsommernachtsmord

Dass der Titel stark an den eines Romans von Henning Mankell erinnert, ist rein zufällig bzw. ein durch die Übersetzung entstandener „Fehler“. Im Original ist der fünfte Teil der Reihe als „The Colour of Murder“ bekannt. In Schweden ist das Mittsommerfest jedoch ein Stück Kultur, das nicht umsonst auch bei „Carol Reed“ zum Thema gemacht wird.

Und da bald Mittsommer ist, muss Carol Reed ihren aktuellen Fall in drei Tagen aufklären. Ihr Auftraggeber ist Willy, der Inhaber ihres Nachbargartens, der seinen erwachsenen Sohn Adrian seit geraumer Zeit vermisst. Außerdem gab es da noch einen Mord, der irgendwie mit der Sache in Verbindung stehen könnte. Um die Ermittlungen zu beginnen, erhält sie zunächst Adrians Wohnungsschlüssel. Im Laufe der Handlung erkunden wir zudem die Theaterwerkstatt, den Industriepark, den Kalksteinbruch und weitere hübsche, sowie schmutzige Plätze in Norköpping. Carols Freundin Stina steht derweil in ihrem Laden, der sich mittlerweile zu etwas Größerem gewandelt hat, für Fragen und Auskünfte bereit. Katarina ist übrigens in den letzten Episoden nicht dabei gewesen – warum dem so ist, kann ich nicht sagen, aber vermutlich ist das Fotomodell aus der Reihe „ausgestiegen“. Der hohe Lernfaktor über die Geschichte und Kultur von Norköpping ist wie üblich inklusive und gut in den Fall integriert.

Die Inszenierung verbessert sich mit jeder Folge. So haben wir inzwischen ein umfangreiches Intro und Outro, das uns den Tatort in 3D-Grafik vorführt, untermalt mit Regeneffekten. Diese werden dann schnell wieder durch die Fotohintergründe ausgewechselt, die in unzählige Perspektiven aufgefächert sind. Neben einer beträchtlichen Spiellänge ist der Schwierigkeitsgrad ziemlich hoch. Hier wird allerdings auf die herkömmlichen Inventar- und Maschinenrätsel gesetzt und gelegentlich kann man durch den ständigen Zuwachs an neuen Locations, mit denen die Stadtkarte regelrecht zugekleistert wird, den Überblick verlieren. Schließlich muss man alte Orte stets erneut aufsuchen. Zusätzlich sind Nebenquests zu bewältigen, z.B. müssen wir dem durchgeknallten Hausmeister eine Auswahl an Blumen bringen, die er sich unters Kopfkissen legen möchte um von der Frau zu träumen, die er mal heiraten wird. Und Stinas Ohrring ist ihr im Industriepark abhanden gekommen – doch für eine begabte Detektivin ist eine solche Aufgabe natürlich ein Klacks. Wie schon bei „Mord an einem Unbekannten“ kann man auch hier sterben, wenn man auf den Täter trifft.

Ein weiteres Mal bietet uns Mikael Nyqvist einen gelungenen Krimi, der dem bewährten Stil treu bleibt und dennoch neue Zeichen setzt, was Technik und Detail angeht. Eigentlich wäre es mal interessant einen Ausflug in andere Bereiche Schwedens zu unternehmen, also Missionen fernab von Norköpping, möglicherweise ein Urlaub, in dem Carol zufälligerweise einen Auftrag erhält, dem sie sich nicht verwehren kann. Aber sehen wir mal, was noch so auf uns zukommt, denn für die Adventureserie scheint ja kein Ende erkennbar zu sein.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2008/ 2009 (Übersetzung)

Website

Samstag, 19. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 4 - Mord an einem Unbekannten

Carol Reed 4 - Mord an einem Unbekannten

Der Beitrag kommt vermutlich für niemanden unerwartet. ;) An dieser Stelle mache ich nämlich geradewegs weiter mit meiner Review-Serie zur Independent-Massenproduktion "Carol Reed".

Bei Carol hat sich seit dem letzten Abenteuer einiges getan. Sie liegt in ihrem neuen Schrebergarten in der Hängematte und beobachtet die Wolken. So beginnt "Mord an einem Unbekannten" praktisch mit dem Blick in den Himmel, ein eindrucksvoller Anfang, der entsprechend mit Carols Eingangsmonolog untermalt wird. Die Privatdetektivin hat also Urlaub, genau wie ihr Lebenspartner Jonas, der uns einst als der nette Friedhofsgärtner bekannt war. Dieser hält sich allerdings gerade in Paris auf, zusammen mit seinem Freund Anders. Aus einem Brief von Jonas erfährt die eifrige Detektivin, dass in Anders' Wohnung zwischenzeitlich ein Obdachloser ermordet wurde. Und damit endet auch schon ihr Urlaub und es geht zum Start der Ermittlungen direkt an den Tatort. Bei "Carol Reed 4" sind MDNA Games vom Adventure Maker auf die Wintermute-Engine umgestiegen. Das Interface hat sich jedoch kaum verändert, abgesehen davon, dass sich das Menü nun mit der rechten Maustaste aufrufen lässt und die Lade- und Speichervorgänge länger andauern. Insgesamt bleibt der Look der vorherigen Episoden erhalten. Die kunstvollen Fotografiken werden zudem durch eine nette Beigabe ergänzt: Sobald man auf der Stadtkarte von Norköpping eine neue Ortschaft anwählt, wird diese jeweils in einer entfernten Großansicht in einem sepiafarbenen Bildschirm angezeigt, bevor es zur spielbaren Szene übergeht. Zu den kulturellen Höhepunkten gehören dieses Mal der Bogen der Hoffnung, der Skaterpark, das Belvedere, die Gusum-Fabrik, der Ölberg oder der ehemalige Bahnhof und erneut werden wir zum regelmäßigen Besucher der Stadtbibliothek von Norköpping.

Neben Jonas kann man alte Charaktere wie Stina vom Kiosk oder den Hausmeister antreffen, der stets irgendwelche verrückten Ideen auf Lager hat. Unter den neuen Darstellern befindet sich sogar Mikael Nyqvist, der Schöpfer von "Carol Reed", in der Rolle des Leonard Kohler, einem nicht sonderlich sympathischen Zeitgenossen. In Verbindung mit Kohler sind übrigens vereinzelte Gags versteckt, die darauf hinweisen, dass es sich bei dem Fotomodell um den Autor handelt. Dass die Reihe somit eine hohe Stufe der Selbstironie erreicht, finde ich ausgesprochen lobenswert. Komplexität und Spiellänge haben enorm zugenommen. Auf der Übersichtskarte entstehen im Laufe der Handlung dermaßen viele Schauplätze, dass so mancher Spieler damit bereits überfordert sein könnte. Doch der Schwierigkeitsgrad zeigt sich nicht nur darin, sondern auch in anspruchsvollen Rätseln. Außerdem kann man erstmals in der Geschichte von "Carol Reed" sterben, zumindest an einer einzigen Stelle. Aber keine Sorge, hier kann auf eine Try Again-Funktion zurückgegriffen werden.

Viel gibt es zum Abschluss nicht zu sagen. Gut, es ist definitiv eine der besten Carol Reed-Episoden, die ich bisher gespielt habe. So punktet sie neben dem geglückten Stargastauftritt von Mikael Nyqvist durch ein recht ausführliches und gelungenes Outro, das beweist, welche wunderbare Entwicklung die Krimi-Serie durchgemacht hat.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2007/ 2009 (Übersetzung)

Website

Mittwoch, 16. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 3 – Der vergessene Tote

Carol Reed 3 – Der vergessene Tote

Beim dritten Review zur Carol Reed-Serie muss ich mich bemühen nicht alles zu wiederholen. Deshalb werde ich nicht noch einmal den Grafikstil erwähnen, denn dieser hat sich seit der Debütfolge nicht verändert. Der Plot sprüht jedoch vor neuen kreativen Ideen und Bereichen, auf die ich intensiver eingehen werde.

Im Haus von Solvig Lindberg geschehen sonderbare Dinge. Die Besitzerin nimmt unheimliche Geräusche wahr und entdeckt weitere Spuren, die auf einen ungebetenen Gast hindeuten. Spukt es in dem alten Gebäude oder macht sich einfach ein Einbrecher an ihrem Anwesen zu schaffen? Solvig ist ratlos und erzählt in der Presse, dass sie niemanden kennt, der sich dieser Geschichte annehmen könnte. Tja, wenn Solvig nicht zur Privatdetektivin kommt, muss die Privatdetektivin eben zu Solvig kommen. Da Reed inzwischen ihrer Freundin Lovisa die Wohnung abgekauft hat, kann sie sich in Ruhe diesem mysteriösen Fall hingeben, der übrigens voller Überraschungen steckt. Die Fährte führt sie schließlich zurück in die frühen 1940er Jahre. Durch aufgefundene Fotos, Briefe und andere Materialien gelangt sie beispielsweise zum ehemaligen „Institut für Rassenbiologie“. Die Ermittlung erweist sich als recht umfangreich.

Viele neue Charaktere pflastern unser Abenteuer, doch auch vertraute Gesichter tauchen vermehrt auf: Katarina, die Kiosk-Dame, der schräge, aber sympathische Hausmeister, sowie der Friedhofsgärtner, der wohl ganz bewusst in keiner Episode bisher gefehlt hat. Hier treffen wir ihn im Kräutergarten, wo er lediglich einer Freizeitbeschäftigung nachgeht. Die Begegnung ist scheinbar eher schicksalhaft, als zufällig, wie man an den Dialogen zwischen Reed und dem Gärtner und einer Einladung zum Teetrinken zu schließen vermag. Die subtile Liebesgeschichte wirkt sich allerdings weder störend auf die Story aus, noch macht sie einen künstlich erzwungenen Eindruck, was bei solchen Sachverhalten in Adventurespielen häufig der Fall ist. „Der vergessene Tote“ ist nicht nur spannend, sondern hat zudem einen erstaunlich hohen Informationsgehalt, der sich auf die unterschiedlichsten Bereiche ausdehnt: Geschichte, Architektur, Biologie, Kultur. So besuchen wir das Museum für Design oder müssen einige nicht auf die Haupthandlung bezogene Nebenquests für den Gärtner erledigen, wie z.B. das Zuordnen von Schildern zu den richtigen Pflanzen (dieses und andere Rätsel lassen sich aber bei Bedarf überspringen!). Die farbenfrohen Landschaften dominieren nach wie vor, doch in Lindbergs Wohnhaus geht es stellenweise düster zu und es wurde eine leicht gruselige Atmosphäre geschaffen, die mit der passenden Musik unterlegt wurde. Der Schwierigkeitsgrad wurde ebenfalls stark angezogen und man wird deutlich mehr gefordert. Als etwas armselig entpuppt sich die Übersetzung, wobei das bei allen Teilen bisher ein Problem war. Und damit meine ich nicht nur, dass der englische Titel „Time Stands Still“ weit aussagekräftiger ist, sondern auch, dass die Zeilen, welche die im Original verbliebene Synchronisation betexten, teilweise ein geradezu peinliches Deutsch repräsentieren. Übrigens erhielt Jonathan Boakes, der Mann hinter „Dark Fall“ und „The Lost Crown, eine Sprechrolle, wodurch das schwedische Independent-Spiel große Prominenz genießt.

Die Handlung von „Der vergessene Tote“ ist im Vergleich mit seinen Vorgängern noch herausragender. Die Ideenvielfalt und die typische Carol Reed-Atmosphäre machen es zu einem lohnenswerten Krimi-Adventure.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2006/ 2009 (Übersetzung)

Website

Montag, 14. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 2 - Sommermord

Carol Reed 2 - Sommermord

"Carol Reed" geht in die nächste Runde. Der erste eigene Auftrag der Engländerin in Schweden verläuft nach den Grundprinzipien aus Folge 1 und erweitert das ausführlich dargestellte Gebiet von Norköpping.

Inzwischen hat Carol Reed die Tätigkeit des verstorbenen Privatdetektivs Conrad übernommen. Sie ist noch immer in der Wohnung ihrer Freundin Lovisa untergebracht, die wir nach wie vor nicht zu Gesicht bekommen, da diese weiterhin ihren Urlaub genießt. Die Fälle wachsen leider nicht auf Bäumen. Glücklicherweise gibt es rechtzeitig zum zweiten Teil der Independent-Reihe doch wieder etwas zu tun. So berichtet uns die Schwester von Reeds Vorgänger vom plötzlichen Verschwinden ihrer Arbeitskollegin Anna. Der Spur wird natürlich sofort nachgegangen und sie führt uns zum Zuhause der Vermissten, wo wir erste Informationen zu deren Geliebten erhalten, der in dieser Mission eine wichtige Rolle einnehmen wird.

Viel hat sich nicht geändert seit dem Debüt der Detektivin. Unsere Umgebung besteht nach wie vor aus aquarellierten Fotografien, die mir persönlich sehr gut gefallen (mir ist bewusst, dass etliche Adventurespieler diese Leidenschaft nicht teilen!). Allerdings gibt es sämtliche bislang unbekannte Plätze, die auf der Stadtkarte von Norköpping angewählt werden können. Außer Besuchen auf dem Schrottplatz oder dem Tierfriedhof bietet uns das Schloss von Lofstad eine kulturelle Atmosphäre. Dort werden wir ordentlich mit historischen Fakten abgedeckt und müssen diese bei einem Gewinnspiel am Touchscreen im Schlosshof anwenden um in den Besitz von Eintrittskarten zu gelangen. Neben Katarina, Conrads Schwester, dient auch die Frau im Kiosk als ständiger Ansprechpartner und Hinweisgeberin. Besagte Charaktere wurden als Fotomodelle integriert und zeigen meist eine Handvoll Posen in einer statischen Bildabfolge. Musikalisch wird nichts besonders Neues gewagt, schließlich haben sich die alten Klänge bewährt. Der Schwierigkeitsgrad im Rätseldesign hat zumindest zugenommen und es kommen vermehrt technische Knobeleien hinzu, wie z.B. ein Schiebe- oder diverse Tastenrätsel. Damit diese nicht den Spielfluss hemmen, wurde hierbei die Möglichkeit des Überspringens eingebaut. Wer jedoch grundsätzlich auf diese Mogelfunktion verzichtet, wird am Ende gelobt und mit 5 Sternen ausgezeichnet. Das Interface wurde leicht erneuert, so steht neben dem Inventar nun eine Lupe bereit, mit der wir jedes einzelne Item heranzoomen und in einem separaten Bildschirm begutachten können. Man sieht also, dass die Autoren bestrebt waren Verbesserungen umzusetzen.

Die Story bleibt auch hier eher ruhig und bodenständig. Etwas mehr Komplexität wäre bei einem Krimi durchaus wünschenswert, dennoch hat es Spaß gemacht und man fühlt sich stets heimischer in dem schwedischen Örtchen Norköpping. Man kann gespannt sein, was in den folgenden Episoden geschehen wird.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2005/ 2009 (Übersetzung)

Website

Freitag, 11. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 1 - Mord in Schweden

Carol Reed 1 - Mord in Schweden

Schweden ist mittlerweile als Heimat renommierter Krimiautoren wie Henning Mankell und Håkan Nesser bekannt. Das mit Adventure Maker erstellte "Carol Reed", das sich inzwischen zahlreicher Nachfolger erfreuen durfte, hat ebenfalls schwedische Wurzeln. Doch welches Potential hat das nordische Independent-Adventure?

Während ihres Urlaubs in Schweden erfährt die Engländerin Carol Reed, dass ein neuer Freund von ihr, der Privatdetektiv Conrad Vogel, verstorben ist. Bekannte von ihm teilen Carol mit, dass sie hinter der Sache einen Mord vermuten und so beginnt unsere Heldin auf eigene Initiative zu ermitteln. Bald schon führen sie die Spuren zu dem Forschungsunternehmen Vivatech, deren Chefin Madeleine Grip offenbar länger nicht mehr gesehen wurde. Diese Detektiv-Story weiß zu gefallen, obwohl sie nicht besonders komplex ist, weil sie allerdings ohne große Action oder aufregende Höhepunkte stets ihre Spannung bewahren kann. Die Rätsel fordern nur stellenweise, denn in den meisten Fällen ist es naheliegend, was an den zu erkundenden Plätzen zu tun ist. Außerdem bleibt das Inventar übersichtlich. Ein Faible scheinen die Autoren für Schlüssel zu haben, von denen wir im Spielverlauf einige einsammeln müssen.

Die Hintergründe bestehen aus Fotografien der schwedischen Stadt Norköpping, das dem Spiel selbstverständlich auch als Setting dient. Einen surrealen Touch bekommen diese Momentaufnahmen durch die Nutzung von Grafikfiltern, die jene eigentlich realistischen Bilder in Aquarelle verwandeln. Düster wirkt "Mord in Schweden" deswegen selten, da die bunten Farben hier dominieren. All das verleiht dem Adventure jedoch einen ganz speziellen Charme. Selbst die Stagnation dank fehlender Animationen hat eher einen kunstvollen Charakter. Die Dialogpartner sind zwar gewissermaßen Schauspieler, wurden aber ebenso unbeweglich in die Szenenbilder integriert und wechseln gelegentlich die Pose. Wenn man sich an einem Ort umsieht, darf man sich praktisch durch eine Flut von Backgrounds klicken, die aus einer unglaublichen Menge an verschiedenen Perspektiven resultiert. Sehr schön fand ich es durch die Innenstadt von Norköpping zu spazieren und dort die lokalen Sehenswürdigkeiten zu begutachten. Insgesamt wird eine wunderbare Atmosphäre geboten. Die ruhige und emotionale Musik hat mir zugesagt, vor allem die Titelmelodie, die stets in neuen Variationen auftritt, beschert uns ein großes Hörerlebnis. Zudem wurde bewusst auf Filmsequenzen oder spektakuläre Einleitungen verzichtet. Eingeführt wird man in die Geschichte, indem man eine Postkarte von Carols Freundin liest.

Fotografische Hintergründe machen mich teilweise sentimental. Sie gehören irgendwie in eine andere Zeit und gerade deshalb hat es einen besonderen Wert, wenn ich das in einem aktuellen Adventure noch einmal zu sehen bekomme. Auch in weiteren Bereichen konnte der Krimi überzeugen, atmosphärisch und musikalisch. "Mord in Schweden" ist ein gelungener Auftakt zu einer interessanten Reihe mit hohem Potential.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2005/ 2009 (Übersetzung)

Website

Mittwoch, 9. Februar 2011

Kommerziell: Dracula Resurrection

Dracula Resurrection

Die Adventureschmiede Microids, die ich vor etwa einem Jahr bereits im Bezug auf Amerzone unter die Lupe genommen habe, setzt sich in diesem Machwerk mit dem Bram Stoker-Original auseinander.
Ein durchaus beeindruckendes Intro weiht uns in die Vorgeschichte ein. Es handelt von Jonathan Harker, dem vor vielen Jahren der Mord an Dracula gelungen war. Mit der Zeit stellt er jedoch fest, dass seine Ehefrau Mina noch an den Einflüssen des Vampirfürsten krankt und eines Tages begibt sie sich unerwartet nach Transsylvanien. Natürlich liegt es nun an uns ihr zu folgen und sie letztendlich aus den Klauen der wiederauferstandenen Bestie zu befreien. Wie Amerzone zeichnet sich das Spiel durch volle Beweglichkeit in einer 360°-Umgebung aus. Eine ansehnliche 3D-Grafik und gelegentliche Filmsequenzen, die sich durch spannende Inszenierung gut ins Gesamtbild integrieren, sorgen neben der lebhaften Geräuschkulisse und der düsteren Atmosphäre für ein schauriges Gameplay. Richtige Schockmomente bleiben selten, doch die Handlung und die Spielwelt bereiten uns ein stets fesselndes, wenn auch teilweise eher subtiles Gruselvergnügen. Ansprechende Dialoge gehören ebenfalls dazu, ob mit gewöhnlichen Menschen oder mit sonstigen Kreaturen. Wir erforschen das Umfeld eines Wirtshauses, ein Bergwerk, sowie das Schloss des Fürsten der Dunkelheit. In „Dracula Resurrection“ gilt es zwar Mina zu retten, das eigentliche Zusammentreffen mit Dracula jedoch bleibt aus. Stattdessen wird im Outro auf die einige Jahre später erschienene Fortsetzung hingewiesen, ein deutlicher Cliffhanger also. Die Monster sind überzeugend gestaltet und synchronisiert – es macht Spaß ihnen zu begegnen. Hierbei kann man sich übrigens immer Zeit lassen, denn unser Hauptdarsteller kann in diesem Adventure nicht sterben.

Das Rätseldesign macht es uns nicht gerade schwer, ich fand „Dracula Resurrection“ ausgesprochen einfach. Anfangs besteht die größte Schwierigkeit noch darin sich in der Nähe des Wirtshauses zu orientieren. Es ist notwendig Dinge einzusammeln und die schon bekannten Nebencharaktere über besonders interessante Funde zu informieren bzw. sie darüber zu befragen. Ansonsten ist meist klar, was mit den Items zu tun ist. Die Hotspots, mit denen man interagieren muss, werden durch den intelligenten Mauscursor entsprechend mit Zahnrädern gekennzeichnet und die verfügbaren Gegenstände halten sich fast durchgängig in Grenzen. Es würde nicht einmal lange dauern alles auszuprobieren. Etwas anspruchsvoller wird es im Schloss, wobei man auch hier schnell auf die Lösungen kommen wird. Da man im Spiel häufig auf Personen trifft und somit Gespräche eine entscheidende Rolle einnehmen, liegt der Fokus allerdings nicht allzu sehr auf den Rätseln. Anfängertauglichkeit ist auf jeden Fall vorhanden.

Es mag zu leicht sein, aber die Geschichte wird bis zum Ende wunderbar präsentiert und die Atmosphäre rundet das Werk ab. Ich hatte leider bisher nicht die Gelegenheit den Nachfolger zu konsumieren (ich werde es natürlich nachholen!), doch Teil 1 kann ich Fans von gruseligen 1st person-Adventures ans Herz legen.

Produzent: Microids
Jahr: 1999

Samstag, 5. Februar 2011

Werbespiel: Das Milchland in Gefahr

Das Milchland in Gefahr

Ein Werbespiel in sieben Episoden liefert uns die Schweizer Stiftung Pausenmilch. Diese einst monatlich erschienene Reihe ist mittlerweile abgeschlossen und so kann man sich praktisch mehrere Mini-Dateien für Windows nachfolgend herunterladen und wird möglicherweise erkennen, dass die Downloadzeit von der eigentlichen Spiellänge oft nicht allzu sehr abweicht.

Als Michi in der Nacht aufwacht, bemerkt er bald, dass seine Schwester Anna verschwunden ist. Doch als wäre das nicht genug, taucht schließlich noch der Milchgeist auf, der uns berichtet, dass die böse Hexe Zuckersüß alle gesunden Bestandteile gestohlen hat, die in der Milch vorhanden sind. Kurz gesagt: Das Milchland ist in Gefahr und wir müssen uns in der Rolle von Michi der Hilfe des Milchgeists ermächtigen um zunächst die Milchstraße zu passieren. Wer festgestellt hat, dass in dem vorangegangenen Satz häufig das Wort "Milch" vorkam, der hat begriffen, worum es in dem Adventure geht. ;-) Die Story ist auf eine junge Spielerschaft zugeschnitten und erfüllt diesen Zweck zufriedenstellend. Allerdings bleiben die Rätsel von diesem Konzept nicht unberührt. Diese sind im ersten Kapitel noch vergleichsweise anspruchsvoll, wobei wir hier im Prinzip nur nach bestimmten Items suchen müssen, die wir für die Reise benötigen. Später muss man eine Milchmaschine in Gang setzen oder einen Hund dazu motivieren mit uns in die Stadt zu laufen. Kinder lassen sich damit evtl. gut beschäftigen, Erwachsene werden eher unterfordert sein. Ein großes Problem ist die Sprachausgabe, welche in echtem Switzerdeutsch aufgenommen wurde und für normalsterbliche Nichtschweizer nicht zuletzt dank fehlender Untertitel nur schwer zu verstehen ist. Das ist einerseits ganz amüsant und hat durchaus seinen Charme, aber andererseits behindert es das Gameplay. Mit der Zeit konnte ich den Dialogen besser folgen, doch es blieb mühsam. Die Hintergrundgrafik ist hübsch und kindgerecht, teils gerendert und teils gezeichnet. Besonders gelungen fand ich die Filmsequenzen. Negativ aufgefallen ist mir die Tatsache, dass die Episoden nicht nur kürzer wurden, sondern mich auch immer etwas mehr enttäuschten. Die zweite Hälfte wirkte so, als hätten die Hersteller beabsichtigt die Serie so schnell wie möglich zu beenden. Außerdem wurde das Interface ab Kapitel 4 leicht abgeändert. Ob das unbedingt notwendig war, wage ich zu bezweifeln.

"Das Milchland in Gefahr" ist für zwei Zielgruppen zu empfehlen: Für Erwachsene, die ein Faible für Werbeadventures haben, sowie für Kinder, die spielerisch über den Wert von Milch informiert werden möchten. Man hätte mehr daraus machen können, aber immerhin ist es ein nettes kleines Vergnügen für zwischendurch.

Produzent: Mayer Films
Jahr: Unbekannt

Website

Donnerstag, 3. Februar 2011

Kommerziell: Deja Vu 1+2

Deja Vu 1+2

Mit „Deja Vu“ kommen wir nun zu einem weiteren MacVenture-Klassiker, der sich nicht mit Horror, sondern mit Kriminalität beschäftigt – ein Detektivspiel. Ursprünglich wurden die Teile unabhängig voneinander in den Handel gebracht. Spätere Versionen aber, wie das Game Boy Color- oder Windows-Remake, umfassen beide Adventures in einem Paket. Bei diesem Review lag mir die Windows-Variante vor.

Deja Vu 1: A Nightmare Comes True
Wir sind im Chicago des Jahres 1941. Ace Harding, ist der Name des Privatdetektivs, den wir verkörpern, doch das gilt es erst zu ergründen. Anfangs finden wir uns auf der Toilette einer Bar wieder und unser Gedächtnis scheint nicht mehr zu funktionieren. Nach und nach erhalten wir Anzeichen darauf, wer wir sind und was geschehen ist. Es hat offenbar mit der Entführung einer Dame zu tun. Vor allem sollten wir schleunigst ein Gegenmittel für die Amnesie in die Finger bekommen, denn wenn wir zu langsam vorgehen, haben wir irgendwann den Intelligenzquotienten eines Gemüses und müssen notgedrungen ein neues Spiel starten oder einen Spielstand laden. Damit wären wir schon bei einem üblen Frustfaktor, da ein Adventure, in dem man stets unter Zeitdruck zu agieren hat, nur begrenzt Spaß bereitet. Unterwegs werden uns einige Hürden gestellt, die uns das Leben kosten können, z.B. brutale Verbrecher oder Krokodile in der Kanalisation. „Deja Vu“ hantiert mit diversen amerikanischen Gangster-Klischees. Eine überragende Geschichte ist hier nicht zu erwarten, sondern eher typischer Mainstream. Sobald wir das Medikament geschluckt haben, werden wir schrittweise mit textlichen Erinnerungsbildern von Ace konfrontiert, die recht interessant und amüsant sind, die sich allerdings durchaus hätten vertiefen lassen können.

Das Inventar wird bei „Deja Vu“ unübersichtlich, nachdem sich im Laufe der Ermittlungen etliche Items angesammelt haben. Das ist nicht zuletzt dadurch bedingt, dass es große und kleine Gegenstände gibt. So belegt zum Beispiel der Mantel viel Platz und verdeckt den sonstigen Kram im Inventarfenster, auf den man gerne nochmal zugreifen würde. Darüber hinaus folgt alles dem Prinzip „Öffnen und Herausnehmen“. Demnach kann man das Kleidungsstück "öffnen" und ein zusätzliches Fenster springt auf, in dem eine Brieftasche liegt, deren Inhalt man ebenfalls in einem untergeordneten Fenster inspizieren kann. Es stehen eine Handvoll Befehle zur Verwendung bereit, darunter „Speak“, worüber man per Tastatureingabe dem Taxifahrer den Zielort zuflüstern kann oder „Hit“ um so manchem Ganoven, der sich uns in den Weg stellt, einen ordentlichen Fausthieb zu verpassen. Der hässlichen CGA-Grafik ist es zu verdanken, dass man der Dos-Version wohl jede andere Fassung vorziehen würde. Besonders auf dem NES, Game Boy oder Amiga zeichnet sich „Deja Vu“ durch altmodische, gut entworfene Szenenbilder aus und die Optik des Windows-Remakes ist auch nicht zu verachten.

Deja Vu 2: Lost in Las Vegas
Die Fortsetzung unterscheidet sich im Aufbau kaum von ihrem Vorgänger. Der Witz, die Gefahrensituationen und die Storyqualität halten dem Original die Treue. Ebenso bleibt die technische und grafische Ausführung praktisch identisch. In diesem Part wurden wir vom Oberschurken Tony Malone in die Zockermetropole Las Vegas verschleppt. Lustigerweise kommen wir dort ausgerechnet wieder in einem Badezimmer zu Bewusstsein und müssen erneut herausfinden, was in dieser verruchten Umgebung vor sich geht. Verraten sei an dieser Stelle zumindest, dass es mit einer gewissen Summe Geld zu tun hat. Um Licht ins Dunkel zu bringen pokern wir im Casino und pendeln mit dem Zug zwischen Las Vegas und Chicago. Für Strecken innerhalb Chicagos wird das Taxi genutzt. Wir brechen in die Räumlichkeiten von Kriminellen ein und wer Lust hat, kann sich einen Abstecher in die Wüste genehmigen. Fans der Debüt-Episode werden vermutlich auch an "Lost in Las Vegas" ihre Freude haben.

"Deja Vu“ ist ein geschätzter Klassiker, doch ich persönlich konnte der Handlung und Atmosphäre der beiden Episoden wenig abgewinnen, obwohl ich Shadowgate und Uninvited sehr mochte. Wer traditionelle Gangster- und Detektiv-Stories liebt, sollte hingegen voll auf seine Kosten kommen.

Anmerkung: Der Game Boy Color-Release erschien unter dem Titel "Deja Vu I+II: The Casebooks of Ace Harding".

System/ Konsole: Mac, Amiga, Atari, DOS, C64, Apple IIGS, NES (Quelle: Wikipedia), außerdem Game Boy Color-Version erschienen.
Produzent: ICOM Simulations
Jahr: 1985 (Deja Vu 1), 1988 (Deja Vu 2), hier besprochene Windows-Version: 1993