Freitag, 11. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 1 - Mord in Schweden

Carol Reed 1 - Mord in Schweden

Schweden ist mittlerweile als Heimat renommierter Krimiautoren wie Henning Mankell und Håkan Nesser bekannt. Das mit Adventure Maker erstellte "Carol Reed", das sich inzwischen zahlreicher Nachfolger erfreuen durfte, hat ebenfalls schwedische Wurzeln. Doch welches Potential hat das nordische Independent-Adventure?

Während ihres Urlaubs in Schweden erfährt die Engländerin Carol Reed, dass ein neuer Freund von ihr, der Privatdetektiv Conrad Vogel, verstorben ist. Bekannte von ihm teilen Carol mit, dass sie hinter der Sache einen Mord vermuten und so beginnt unsere Heldin auf eigene Initiative zu ermitteln. Bald schon führen sie die Spuren zu dem Forschungsunternehmen Vivatech, deren Chefin Madeleine Grip offenbar länger nicht mehr gesehen wurde. Diese Detektiv-Story weiß zu gefallen, obwohl sie nicht besonders komplex ist, weil sie allerdings ohne große Action oder aufregende Höhepunkte stets ihre Spannung bewahren kann. Die Rätsel fordern nur stellenweise, denn in den meisten Fällen ist es naheliegend, was an den zu erkundenden Plätzen zu tun ist. Außerdem bleibt das Inventar übersichtlich. Ein Faible scheinen die Autoren für Schlüssel zu haben, von denen wir im Spielverlauf einige einsammeln müssen.

Die Hintergründe bestehen aus Fotografien der schwedischen Stadt Norköpping, das dem Spiel selbstverständlich auch als Setting dient. Einen surrealen Touch bekommen diese Momentaufnahmen durch die Nutzung von Grafikfiltern, die jene eigentlich realistischen Bilder in Aquarelle verwandeln. Düster wirkt "Mord in Schweden" deswegen selten, da die bunten Farben hier dominieren. All das verleiht dem Adventure jedoch einen ganz speziellen Charme. Selbst die Stagnation dank fehlender Animationen hat eher einen kunstvollen Charakter. Die Dialogpartner sind zwar gewissermaßen Schauspieler, wurden aber ebenso unbeweglich in die Szenenbilder integriert und wechseln gelegentlich die Pose. Wenn man sich an einem Ort umsieht, darf man sich praktisch durch eine Flut von Backgrounds klicken, die aus einer unglaublichen Menge an verschiedenen Perspektiven resultiert. Sehr schön fand ich es durch die Innenstadt von Norköpping zu spazieren und dort die lokalen Sehenswürdigkeiten zu begutachten. Insgesamt wird eine wunderbare Atmosphäre geboten. Die ruhige und emotionale Musik hat mir zugesagt, vor allem die Titelmelodie, die stets in neuen Variationen auftritt, beschert uns ein großes Hörerlebnis. Zudem wurde bewusst auf Filmsequenzen oder spektakuläre Einleitungen verzichtet. Eingeführt wird man in die Geschichte, indem man eine Postkarte von Carols Freundin liest.

Fotografische Hintergründe machen mich teilweise sentimental. Sie gehören irgendwie in eine andere Zeit und gerade deshalb hat es einen besonderen Wert, wenn ich das in einem aktuellen Adventure noch einmal zu sehen bekomme. Auch in weiteren Bereichen konnte der Krimi überzeugen, atmosphärisch und musikalisch. "Mord in Schweden" ist ein gelungener Auftakt zu einer interessanten Reihe mit hohem Potential.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2005/ 2009 (Übersetzung)

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