Mittwoch, 16. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 3 – Der vergessene Tote

Carol Reed 3 – Der vergessene Tote

Beim dritten Review zur Carol Reed-Serie muss ich mich bemühen nicht alles zu wiederholen. Deshalb werde ich nicht noch einmal den Grafikstil erwähnen, denn dieser hat sich seit der Debütfolge nicht verändert. Der Plot sprüht jedoch vor neuen kreativen Ideen und Bereichen, auf die ich intensiver eingehen werde.

Im Haus von Solvig Lindberg geschehen sonderbare Dinge. Die Besitzerin nimmt unheimliche Geräusche wahr und entdeckt weitere Spuren, die auf einen ungebetenen Gast hindeuten. Spukt es in dem alten Gebäude oder macht sich einfach ein Einbrecher an ihrem Anwesen zu schaffen? Solvig ist ratlos und erzählt in der Presse, dass sie niemanden kennt, der sich dieser Geschichte annehmen könnte. Tja, wenn Solvig nicht zur Privatdetektivin kommt, muss die Privatdetektivin eben zu Solvig kommen. Da Reed inzwischen ihrer Freundin Lovisa die Wohnung abgekauft hat, kann sie sich in Ruhe diesem mysteriösen Fall hingeben, der übrigens voller Überraschungen steckt. Die Fährte führt sie schließlich zurück in die frühen 1940er Jahre. Durch aufgefundene Fotos, Briefe und andere Materialien gelangt sie beispielsweise zum ehemaligen „Institut für Rassenbiologie“. Die Ermittlung erweist sich als recht umfangreich.

Viele neue Charaktere pflastern unser Abenteuer, doch auch vertraute Gesichter tauchen vermehrt auf: Katarina, die Kiosk-Dame, der schräge, aber sympathische Hausmeister, sowie der Friedhofsgärtner, der wohl ganz bewusst in keiner Episode bisher gefehlt hat. Hier treffen wir ihn im Kräutergarten, wo er lediglich einer Freizeitbeschäftigung nachgeht. Die Begegnung ist scheinbar eher schicksalhaft, als zufällig, wie man an den Dialogen zwischen Reed und dem Gärtner und einer Einladung zum Teetrinken zu schließen vermag. Die subtile Liebesgeschichte wirkt sich allerdings weder störend auf die Story aus, noch macht sie einen künstlich erzwungenen Eindruck, was bei solchen Sachverhalten in Adventurespielen häufig der Fall ist. „Der vergessene Tote“ ist nicht nur spannend, sondern hat zudem einen erstaunlich hohen Informationsgehalt, der sich auf die unterschiedlichsten Bereiche ausdehnt: Geschichte, Architektur, Biologie, Kultur. So besuchen wir das Museum für Design oder müssen einige nicht auf die Haupthandlung bezogene Nebenquests für den Gärtner erledigen, wie z.B. das Zuordnen von Schildern zu den richtigen Pflanzen (dieses und andere Rätsel lassen sich aber bei Bedarf überspringen!). Die farbenfrohen Landschaften dominieren nach wie vor, doch in Lindbergs Wohnhaus geht es stellenweise düster zu und es wurde eine leicht gruselige Atmosphäre geschaffen, die mit der passenden Musik unterlegt wurde. Der Schwierigkeitsgrad wurde ebenfalls stark angezogen und man wird deutlich mehr gefordert. Als etwas armselig entpuppt sich die Übersetzung, wobei das bei allen Teilen bisher ein Problem war. Und damit meine ich nicht nur, dass der englische Titel „Time Stands Still“ weit aussagekräftiger ist, sondern auch, dass die Zeilen, welche die im Original verbliebene Synchronisation betexten, teilweise ein geradezu peinliches Deutsch repräsentieren. Übrigens erhielt Jonathan Boakes, der Mann hinter „Dark Fall“ und „The Lost Crown, eine Sprechrolle, wodurch das schwedische Independent-Spiel große Prominenz genießt.

Die Handlung von „Der vergessene Tote“ ist im Vergleich mit seinen Vorgängern noch herausragender. Die Ideenvielfalt und die typische Carol Reed-Atmosphäre machen es zu einem lohnenswerten Krimi-Adventure.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2006/ 2009 (Übersetzung)

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