Samstag, 19. Februar 2011

Kommerziell: Carol Reed 4 - Mord an einem Unbekannten

Carol Reed 4 - Mord an einem Unbekannten

Der Beitrag kommt vermutlich für niemanden unerwartet. ;) An dieser Stelle mache ich nämlich geradewegs weiter mit meiner Review-Serie zur Independent-Massenproduktion "Carol Reed".

Bei Carol hat sich seit dem letzten Abenteuer einiges getan. Sie liegt in ihrem neuen Schrebergarten in der Hängematte und beobachtet die Wolken. So beginnt "Mord an einem Unbekannten" praktisch mit dem Blick in den Himmel, ein eindrucksvoller Anfang, der entsprechend mit Carols Eingangsmonolog untermalt wird. Die Privatdetektivin hat also Urlaub, genau wie ihr Lebenspartner Jonas, der uns einst als der nette Friedhofsgärtner bekannt war. Dieser hält sich allerdings gerade in Paris auf, zusammen mit seinem Freund Anders. Aus einem Brief von Jonas erfährt die eifrige Detektivin, dass in Anders' Wohnung zwischenzeitlich ein Obdachloser ermordet wurde. Und damit endet auch schon ihr Urlaub und es geht zum Start der Ermittlungen direkt an den Tatort. Bei "Carol Reed 4" sind MDNA Games vom Adventure Maker auf die Wintermute-Engine umgestiegen. Das Interface hat sich jedoch kaum verändert, abgesehen davon, dass sich das Menü nun mit der rechten Maustaste aufrufen lässt und die Lade- und Speichervorgänge länger andauern. Insgesamt bleibt der Look der vorherigen Episoden erhalten. Die kunstvollen Fotografiken werden zudem durch eine nette Beigabe ergänzt: Sobald man auf der Stadtkarte von Norköpping eine neue Ortschaft anwählt, wird diese jeweils in einer entfernten Großansicht in einem sepiafarbenen Bildschirm angezeigt, bevor es zur spielbaren Szene übergeht. Zu den kulturellen Höhepunkten gehören dieses Mal der Bogen der Hoffnung, der Skaterpark, das Belvedere, die Gusum-Fabrik, der Ölberg oder der ehemalige Bahnhof und erneut werden wir zum regelmäßigen Besucher der Stadtbibliothek von Norköpping.

Neben Jonas kann man alte Charaktere wie Stina vom Kiosk oder den Hausmeister antreffen, der stets irgendwelche verrückten Ideen auf Lager hat. Unter den neuen Darstellern befindet sich sogar Mikael Nyqvist, der Schöpfer von "Carol Reed", in der Rolle des Leonard Kohler, einem nicht sonderlich sympathischen Zeitgenossen. In Verbindung mit Kohler sind übrigens vereinzelte Gags versteckt, die darauf hinweisen, dass es sich bei dem Fotomodell um den Autor handelt. Dass die Reihe somit eine hohe Stufe der Selbstironie erreicht, finde ich ausgesprochen lobenswert. Komplexität und Spiellänge haben enorm zugenommen. Auf der Übersichtskarte entstehen im Laufe der Handlung dermaßen viele Schauplätze, dass so mancher Spieler damit bereits überfordert sein könnte. Doch der Schwierigkeitsgrad zeigt sich nicht nur darin, sondern auch in anspruchsvollen Rätseln. Außerdem kann man erstmals in der Geschichte von "Carol Reed" sterben, zumindest an einer einzigen Stelle. Aber keine Sorge, hier kann auf eine Try Again-Funktion zurückgegriffen werden.

Viel gibt es zum Abschluss nicht zu sagen. Gut, es ist definitiv eine der besten Carol Reed-Episoden, die ich bisher gespielt habe. So punktet sie neben dem geglückten Stargastauftritt von Mikael Nyqvist durch ein recht ausführliches und gelungenes Outro, das beweist, welche wunderbare Entwicklung die Krimi-Serie durchgemacht hat.

Produzent: MDNA Games
Jahr: 2007/ 2009 (Übersetzung)

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