Montag, 18. Juli 2011

Kommerziell: Shivers 2 - Harvest of Souls

Shivers 2 - Harvest of Souls

Die Fortsetzung des Horrorklassikers Shivers unterscheidet sich trotz ähnlicher Prinzipien stark von seinem Vorgänger. Ich habe mich nach etlichen Jahren erneut diesem Sierra-Machwerk gewidmet.

Cyclone ist eine Geisterstadt. Der unfreundliche Portier des Motels, in dem wir Unterschlupf finden, ist die einzige Person, die dort noch anzutreffen ist. In der ersten Nacht auf unserem Zimmer führt uns ein Alptraum in die Geschichte ein – zumindest in der Form von verwirrenden Bildern, die wir letztendlich selbst entschlüsseln müssen. Die verschwundene Band Trip Cyclone hat während der Dreharbeiten zu einem Video bemerkt, dass hier etwas nicht stimmt. Doch offensichtlich kam diese Erkenntnis zu spät. So sind sie längst auf Dark Cloud, den Mann mit der Kachina-Maske, hereingefallen, der ihnen Unterstützung bei der Songproduktion versprochen hatte. Bald erfahren wir, dass dieser die Musikvideos genutzt hat um die Menschen in der Stadt zu hypnotisieren und in den Canyon zu locken. Schließlich hat er es geschafft alle Einwohner des Ortes in Petroglyphen zu verwandeln. Als ein Freund der Bandmitglieder liegt es nun an uns die Geheimnisse von Cyclone zu lösen und unseren Feind, der sich Dark Cloud nennt, zu kennen und zu besiegen.


„Shivers 2“ gelingt es mit düsteren Bildern, unheimlichen Soundeffekten und indianischen Klängen ein atmosphärisches Mystery-Setting mit Wild West-Flair zu präsentieren. Die Melodien im Hintergrund entführen mit einem speziellen Charme in diese etwas fernere Welt, allerdings nimmt die Musik in diesem Adventure eine durchaus tragendere Rolle ein. So können wir an sämtlichen Fernsehgeräten in der Stadt mehrere minutenlange Videoclips von Trip Cyclone, die sich mit gut inszenierten Filmen und tollen Songs als alternative Rockband darstellen, genießen und darin nach versteckten Hinweisen suchen, die uns im Spiel weiterhelfen. Und auch die Rätsel haben einen hohen Anspruch. Nach und nach gilt es die einzelnen Bahos zu finden, jene Stäbe, die wir in den Canyon bringen und an ihrer Position im Altar einfügen müssen, welche jeweils durch ein Symbol gekennzeichnet ist. Sobald wir einen Bahos in den Händen halten, stehen wir leicht unter Zeitdruck, denn die Energieleiste verringert sich dann kontinuierlich. Zudem werden wir in den Höhlen von den Wandfiguren attackiert, können dort allerdings auch schneckenförmige Zeichen anklicken, die uns zusätzliche Lebensenergie bescheren. Generell empfiehlt es sich zu speichern, wobei jeder Canyon-Besuch machbar ist. Sterben wird man eher zu Beginn, wenn man noch ungeübt ist. Die wahre Schwierigkeit sind die Aufgaben, die uns Dark Cloud in seinen Bahos-Rätseln stellt. Diese sind in der Regel besonders knifflig, doch dazwischen herrscht ebenfalls eine beträchtliche Knobelvielfalt. Mit harten Nüssen wird man praktisch an jeder Ecke konfrontiert, wie es schon im Vorgänger der Fall war.

In „Harvest of Souls“ bewegen wir uns mit 360°-Drehungen durch gerenderte Szenenbilder und alle Charaktere werden von Schauspielern verkörpert, mit Ausnahme des Geistes der verunglückten Norah, der uns mehrmals erscheint und uns hilfreiche Tipps in Bezug auf Dark Cloud gibt. Die Zwischensequenzen wurden in Full Motion Video (FMV) aufgenommen und vor allem die Musikvideos kommen dadurch sehr realistisch herüber. Alle Filme und Dokumente im Spiel lassen sich im Flashback-Modus jederzeit erneut ansehen, denn sie beinhalten meist Hinweise. In Cyclone verschaffen wir uns Zutritt zu dem Motel, dem Supermarkt, der Safari-Bank, der Tankstelle, dem Friedhof, der Kirche, dem Museum mit zugehöriger Bibliothek, dem Friseurladen, Burts Wohnwagen und weiteren Gebäuden, die recht ungewöhnlich eingerichtet sind. Die Möbelstücke und Dekoration der Räume prägen sich jedoch gut in die Wild West-Atmosphäre ein. Interessant ist es jeden Anrufbeantworter abzuhören und den Problemen und Streitigkeiten der verschollenen Bürger zu lauschen. Außerdem klingelt manchmal irgendwo das Telefon und an der Leitung spricht uns Dark Cloud persönlich seine Drohungen aus. Das Finale bietet uns sogar multiple Endsequenzen.

„Harvest of Souls“ ist ein Unikat. Es beschäftigt sich auf mystische Weise mit indianischen Kulturen, lässt sich nicht von der Masse beinflussen und kann somit als innovatives Adventure kategorisiert werden. Aber nicht vergessen: Trip Cyclone ist wirklich nur eine fiktive Band. Schade eigentlich. Auch schade ist, dass Sierra nie ein „Shivers 3“ produziert hat.

Produzent: Sierra
Jahr: 1997

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