Sonntag, 24. Juli 2011

Kommerziell: Titanic - Adventure out of Time

Titanic - Adventure out of Time

Der Untergang der Titanic ist in der Geschichte vielfach aufgearbeitet worden. Nicht zuletzt durch einen sehr berühmten Kinofilm, mit dem das vorliegende Werk allerdings trotz ähnlichem Erscheinungszeitraum wenig zu tun hat.

Ihr könnt euch schon denken, wie die Handlung ablaufen wird? Das bezweifle ich. Klar, am Ende wird die RMS Titanic mit einem Eisberg kollidieren und auf dramatische Weise auf den Meeresboden hinabsinken, aber das ist eher die äußere Struktur von TAOUT. Vielmehr steht hier ein Zeitreise-Aspekt im Vordergrund. Nachdem im Jahr 1942 unsere Behausung von einer Fliegerbombe in Schutt und Asche gelegt wurde, finden wir uns auf der Titanic wieder - in der Rolle eines britischen Geheimdienst-Agenten, dessen Auftrag es ist vier Gegenstände vom Katastrophendampfer zu bergen: Die Rubayat-Handschrift, ein besonderer Notizblock, eine wertvolle Halskette, sowie ein Gemälde, von einem Künstler, der... aber ich möchte nicht zu viel verraten. Erst im Outro werden wir davon in Kenntnis gesetzt, von welcher Wichtigkeit besagte Items für die Menschheit sind, da ihre Rettung bestimmte Kapitel der Geschichte auslöschen wird und möglicherweise dazu beitragen könnte so manche Kriege ungeschehen zu machen. Diese geniale Idee steckt hinter dem Adventure und ist ebenso intelligent umgesetzt: So läuft TAOUT in Echtzeit ab und bietet dem Spieler verschiedene Lösungswege an. Zudem könnten sich die gesuchten Gegenstände nicht mehr an ihrem vorgesehenen Platz befinden, weil sie etwa von einer anderen Person fortgeschafft wurden, während wir zu sehr getrödelt haben. Doch das ist kein Grund zum Verzweifeln, da man zu einem späteren Anlass die Chance bekommen wird sich die Items nachträglich anzueignen. Daraus geht nicht nur hervor, dass TAOUT absolut nichtlinear ist, sondern auch, dass man schwierigere Rätsel, wie z.B. die Dechiffriermaschine, vermeiden kann. Auf jeden Fall empfiehlt es sich 20-30 Speicherstände zu führen um im Nachhinein alternative Pfade einzuschlagen. Im Finale stehen wir unter zunehmendem Zeitdruck. Mit eindrucksvollen Filmsequenzen und der angesichts der sich nähernden Gefahr variierenden Hintergrundmusik wird der Untergang der Titanic sehr atmosphärisch eingeleitet. Derweil müssen wir weitere Konflikte mit Charakteren bewältigen und letztendlich mit unserem Hab und Gut in einem Rettungsboot entkommen. Danach wird uns ein großartiges Outro präsentiert, durch das wir, abhängig von den Gegenständen, die wir erhalten haben, erfahren werden, ob und inwiefern sich die Vergangenheit, wie wir sie kennen, verändert hat. Das höchste Ziel ist eine harmonische Geschichtsschreibung, in der Kriege keinen Platz haben.

Nicht besonders schwierig sind die Rätsel an sich. Wie schon erwähnt lassen sich einige Puzzle-Einlagen durch einen anderen Lösungsweg umgehen. Zwischendurch darf man auch mal eine Schlägerei oder einen Fechtkampf absolvieren, wobei ein Sieg unsererseits aber meines Wissens nicht entscheidend ist. Als etwas nervtötend empfand ich dagegen das Labyrinth im Inneren des Schornsteins, das jedoch im Endeffekt eher unproblematisch war. Allerdings ist der begehbare Bereich des Schiffes riesig und die Anzahl relevanter Nebencharaktere entsprechend hoch. Man wird ständig unterwegs sein und Dialoge führen, die durch die Eigenheiten der Reisenden aus aller Welt oftmals amüsant sind. Gerade die reichen wie oberflächlichen Leute regen die Lachmuskeln an. Das Charakterdesign hat eigentlich die Bestnote verdient. Lange Laufwege werden weitgehend reduziert, da eine praktische Orientierungskarte vorhanden ist, die es ermöglicht zwischen den einzelnen Stockwerken (A-F) zu wechseln und zu den jeweiligen zentralen Punkten wie der Haupttreppe zu springen. Diese Karte wird lediglich im Finale deaktiviert, was aus gameplay-technischen Gründen allerdings sinnvoll ist. Alle wichtigen Räume, Gänge oder Quartiere werden mit Schildern an der oberen Bildschirmhälfte gekennzeichnet, was die Benutzerfreundlichkeit steigert. Interaktionen werden mit der Maus gesteuert, zum Vorwärtsbewegen und Umdrehen verwendet man die Tastatur. Hilfestellungen leistet uns vor allem der Stewart, sowie Penny Pringel, eine Kollegin von uns, welche uns regelmäßig Hinweise zu unseren Aufträgen geben wird. Die majestätischen und manchmal spannungsgeladenen Melodien auf der Titanic konnten mich absolut überzeugen, genau wie die schöne 3D-Nachstellung des Luxusliners und die Personen, die nicht nur durch ihre Sprüche, sondern vor allem durch ihr Erscheinungsbild und die in die Dialoge eingeflochtene Mimik und Gestik einerseits lebensecht und andererseits leicht skurril und überzogen wirken.

"Titanic: Adventure out of Time" ist ein Geheimtipp. Geschichte und Science Fiction in Kombination kann eine Menge Freude bereiten und ich gebe gerne zu, dass ich ein Fan von "Alternate History" bin, auf die dieses Spiel hinausläuft. Außerdem ist es für alle zu empfehlen, die lieber mit Menschen agieren, anstatt in verlassenen Myst-Welten komplexe Rätsel zu lösen. Und wer nicht immer nur lineare Handlungsstränge sehen will, ist hiermit ebenfalls gut beraten.

Produzent: Cyberflix
Jahr: 1997

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