Freitag, 29. Juli 2011

Werbespiel: Dunkle Schatten 3

Dunkle Schatten 3: Tod in der Südkurve

Dem Art Department haben wir die gegen Rechtsradikalismus gerichteten Adventures "Dunkle Schatten 1+2" zu verdanken. Der dritte Teil jedoch lässt nicht nur die hübsche Comicgrafik von damals vermissen, sondern wird zudem aus der Egoperspektive gesteuert, weshalb er in diesem Blog thematisiert werden kann.

Wir schlüpfen in die Rolle eines angehenden Fotografen, der seine Ausbildung in der Media-Agentur unter der Leitung von Karsten Wegener absolviert. Letzterer ist uns als Hauptcharakter der beiden Vorgänger bekannt, dient nun allerdings nur noch als Nebenakteur. Da in einem Fußballstadion ein Musiker ermordert wurde und wir direkt vor Ort waren, widmen wir uns voller Entschlossenheit den Ermittlungen und bekommen es schon bald mit gefährlichen Neonazis zu tun, denen unsere Aktionen nicht sonderlich gefallen. Der Spieler kann zu Beginn auswählen, ob er deutscher oder türkischer Herkunft ist, was aber kaum Auswirkungen auf das Geschehen haben wird. Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Macher wenig Liebe in die Grafik gesteckt haben. Die unschön verschwommenen Fotografien und teilweise scrollenden Panoramabilder konnten mich nicht überzeugen. Die Darsteller wurden als Schauspieler bzw. statische Fotomodelle in den Hintergrund gesetzt und verändern nach jedem gesprochenen Satz unauthentisch ihre Körperhaltung. Die Synchronisation der Charaktere ist noch miserabler ausgefallen und der Inhalt der Dialoge wird durch übertriebene Coolness und Jugendjargon unerträglich.

Spielerisch ist DS 3 ebenfalls mau. Inventarrätsel wurden praktisch vergessen - die schwierigste Aufgabe ist es wohl eine Zigarettenschachtel auf einem jüdischen Friedhof zu finden. Schlechte Gespräche führen kann man dagegen an jeder Straßenecke, wobei diese linear ablaufen und nicht einmal die Möglichkeit des Multiple Choice geboten wird. Gelegentlich muss man sich dämlichen Automatenspielchen oder einer Fußballwand unterziehen, bevor irgendwelche Leute bereit sind uns Informationen zu übermitteln. Einfallsloser geht es eigentlich nicht mehr. Na gut, die riesige Karte der Bundeshauptstadt, die man nicht mal auf einen Bildschirm packen wollte, wird durch die unzähligen Orte zu einer enormen Herausforderung. Die Unübersichtlichkeit hätte man deutlich reduzieren können, wenn man auf viele Plätze, die keine größere Relevanz erfüllen und lediglich ein einziges Mal besucht werden müssen, verzichtet hätte. Doch die Intention hinter der detaillierten Darstellung der Stadt wird keinem Spieler entgehen: Hier wird in einem Adventure, das sich in erster Linie der Fremdenhass-Thematik widmen sollte, in hohem Maße Werbung für Berlin betrieben, indem man bekannte Wahrzeichen betrachten oder den Bundestag durchqueren kann. Wie in einem virtuellen Museumsrundgang kann man in manchen Screens auf einen Informationsbutton klicken und wird so mit diversem Zusatzwissen überschüttet. Meiner Meinung nach ist das hier fehl am Platze.

Wer richtig gute Werbeadventures gegen Rechtsradikalismus sehen möchte, der sollte DS 3 ausklammern und seine Aufmerksamkeit den außerordentlich gelungenen Vorgängern schenken. Man hätte bei der aus der Art Department-Ära gewohnten dritten Perspektive bleiben sollen, da nicht immer 1st person angebracht ist.

Anmerkung: "Dunkle Schatten 3" wurde vom Bundesinnenministerium auf einer kostenlosen CD-ROM mit eigenem Cover angeboten und nicht nur als Download vertrieben.

Produzent: Phenomedia AG
Jahr: 2000

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