Freitag, 26. August 2011

Kommerziell: Der Landsitz von Mortville

Der Landsitz von Mortville

Heute tauchen wir ab in die Vergangenheit. Die Firma Lankhor war damals bekannt für ihre Detektivadventures. "Der Landsitz von Mortville" war der erste Fall für den fiktiven Privatdetektiv Jérôme Lange. Getestet wurde hier die Amiga-Version.

Unser Alter Ego, Jérôme Lange, bekommt einen Brief von seiner langjährigen Freundin Julia, die ihn über Gefahren im Landhaus Mortville Manor in Kenntnis setzt. Trotz der Eiseskälte begeben wir uns zu vorweihnachtlicher Zeit zu dem prachtvollen Gebäude und erfahren zunächst einmal, dass Julia kürzlich verstorben ist, angeblich an einer Lungenembolie. Um herauszufinden, ob dies der Wahrheit enspricht, beschließen wir sofort die verbliebenen Familienmitglieder unter die Lupe zu nehmen. Mehr möchte ich diesbezüglich nicht verraten. Erwähnt sei nur, dass die Krimistory durch eine ausreichende Komplexität und interessante Wendungen besticht.

Das Interface ist veraltert und unzeitgemäß. So muss man jeweils aus einer ausführlichen Liste die richtige Aktion herauspicken, dazu zählen "nehmen", "durchsuchen", "warten", "schlafen", "anschauen", "öffnen", "drehen".... und das war lediglich eine Auswahl. Der Wechsel der Räume ist auch nicht allzu einfach zu bewerkstelligen, funktioniert nach einer Eingewöhnungphase aber ganz gut. Dazu muss man "Move" anklicken und einen der besuchbaren Orte aktivieren. Das Inventar hat ebenfalls seine eigene Liste, wobei dort nur eine begrenzte Anzahl von Items aufbewahrt werden kann. Wenn man von der Steuerung absieht, ist das Gameplay gar nicht so schlecht. Unterm Strich besteht die Hauptaufgabe darin Antworten auf eine Reihe von Fragen zu finden, die uns an einer bestimmten Stelle in der Form einer kleinen Hausaufgabenüberprüfung vorgesetzt werden. Und solange dieser Test nicht 100%ig korrekt bestanden ist, wird einem der Zutritt zum finalen Abschnitt des Adventures verwehrt. Der Witz an der Sache ist, dass man den "Landsitz von Mortville" innerhalb von 15-20 Minuten abschließen kann, falls man im Vorhinein bereits die Lösung für den Fragenbogen kennt. Es kommt also auf die Informationen an, die man evtl. auch ohne zu speichern in vergangenen Durchgängen gesammelt hat, wie schnell man durch das Spiel rast. Die Rätsel sind logisch und durchdacht, doch die Gesprächsführung war mir etwas zu systematisch. Hier liegt ein typisches Detektivspiel-Element vor, bei dem wir jeden Beteiligten zu den gleichen Punkten verhören können. Leider erhalten wir oftmals wiederholende Antworten. Anzumerken ist zudem, dass das Adventure frühzeitig beendet werden kann, etwa durch einen Erfrierungstod oder durch den Rausschmiss aus der Villa.

Sogar Maßstäbe hat "Der Landsitz von Mortville" gesetzt, nämlich als erstes Adventure mit durchgehender Sprachausgabe, welche hier noch künstlicher Natur war. Im Klartext heißt das, dass die Personen in der Weise reden, wie wir es im Internetzeitalter von den amüsanten Text-to-Speech-Anwendungen kennen, also Roboterstimmen ohne Atempausen oder besondere Betonung, allerdings mit einem französischen Akzent unterlegt. Letztendlich empfinde ich diese technische Errungenschaft aus heutiger Sicht eher nervig und unverständlich, was uns durch die fehlenden Untertitel zusätzlich erschwert wird. Wenigstens gibt es für jede gesprochene Passage einen Wiederholungsbutton für alle Spieler, die akustisch auf der Strecke geblieben sind. Etwas mehr konnte ich mich mit den schlichten, aber hübschen Szenenbildern anfreunden und es wurde eine für damalige Verhältnisse gelungene Atmosphäre erzeugt. Diverse Soundeffekte wie das Knarren der Türen und die Laute sich nähernder Schritte sind zahlreich vorhanden.

Insgesamt ist "Der Landsitz von Mortville" ein spannendes Vergnügen und weist ein ansprechendes, sowie nichtlineares Gameplay auf. Gerade Fans von Detektivspielen sollten diesen Klassiker in Angriff nehmen.

Produzent: Lankhor
Jahr: 1988

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