Samstag, 27. August 2011

Kommerziell: The Manhole

The Manhole - Masterpiece Edition

Cyan Worlds (ursprünglich Cyan) haben, wie wir wissen, mit einer bekannten Adventurereihe Geschichte geschrieben. Bevor sie sich an die Arbeit zu Myst machten, erschien allerdings ihr Erstlingswerk "The Manhole". Nach der Originalausgabe von 1988 folgten weitere Versionen und 1995 schließlich die "Masterpiece Edition", die den Klassiker in wunderschöner Grafik neu aufblühen ließ.

Vorab sollte geklärt werden, dass "The Manhole" ein Spiel ist, das für Kinder gemacht ist. Und dementsprechend ist der Schwierigkeitsgrad auch ziemlich niedrig. Oder sagen wir es konkreter: Er ist gar nicht vorhanden. Denn man kann es zwar mit gutem Willen als Adventure bezeichnen, aber es existieren weder Rätsel, noch ein Ziel, das es zu erreichen gilt. Im Prinzip steht das Erkunden einer märchenhaften kleinen Welt im Vordergrund. Dabei klettern wir eine Bohnenranke hinauf oder herunter, gelangt zu dem Häuschen eines Hasen, dessen Vorbild vermutlich aus "Alice im Wunderland" entstammt, oder wir statten einem Drachen einen Besuch ab. Ein Wachschwein lässt uns nur die Treppe passieren, wenn wir seine poetischen Ergüsse, die ich persönlich sehr reizend fand, loben und bejubeln. Und dann ist da noch der esoterisch angehauchte Elefant, der mit uns in seinem gemütlichen Boot den Kanal entlangschippert, sowie das Walross, das den Aufzug bedient, wenn es nicht gerade Mittagsschlaf hält. Das Abenteuer verschlägt uns in die fantasievollsten Gegenden, wobei wir stets neue Pfade ausmachen, über die wir in altbekannte Bereiche zurückkehren können.

Der "Masterpiece Edition" mangelt es keineswegs an Anekdoten auf das große Paradebeispiel: So läuft im Fernseher des Hasen der Film "The Making of Myst" und in seinem Regal steht ein Buch, das uns an einen anderen Ort teleportiert. Woher kennen wir das noch gleich? Auch wenn etwas Handlung und ein richtiges Gameplay diesem "Exploration Game" meiner Meinung nach nicht geschadet hätte, war ich von den lustigen Tieren und den durchaus humorvollen Sprechblasentexten angetan. Besonders aber gefällt mir der surreale Touch, der über "The Manhole" liegt. Und man weiß nie, was einen erwartet. Wir klicken den Hydranten an, woraufhin wir schrumpfen und uns vor der Hütte des Langohren wiederfinden. Außerdem stranden wir in dessen Teetasse, wenn wir ein paar Etappen mit dem Elefantenboot hinter uns haben. Die Szenenbilder und das Navigieren durch diese kindliche Welt verleihen dem Spieler ein gewisses Myst-Feeling. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und abwechslungsreich. Für die Kleinen ist "The Manhole" optimal. Man kann viel entdecken und anklicken oder sich vom Hasen zu Milch oder Tee einladen lassen. Die Inhalte der Bücher, die man durchblättern kann, sind ebenso wie die "Dialoge" synchronisiert und setzen somit keine Lesekenntnisse voraus. Die Schildkröte stellt sich auf französischer Sprache vor und der Fisch springt hinterher und liefert uns die Übersetzung.

Inwiefern "The Manhole" jetzt ein waschechtes Adventure ist, lässt sich ausdiskutieren. Für Erwachsene ist das Spielprinzip sicher interessant und man darf sich an einigen Stellen amüsieren. Und für Kinder, besonders auch für Vorschulkinder, ist es auf alle Fälle zu empfehlen, vermutlich mehr als viele andere nichtssagende Produkte, die heutzutage für diese Altersgruppe bereitgestellt werden. Vor allem kommt es mit guten Ideen und ohne jeglichen Kitsch aus.

Produzent: Cyan Worlds
Jahr: 1988/ 1995

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