Mittwoch, 10. August 2011

Werbespiel: Rail on

Rail on

Gurkenalarm!!! Wieder einmal beschäftigen wir uns mit einem Werbespiel, das vermutlich kein Mensch gebraucht hätte. Verbrochen wurde dieses Machwerk von der Deutschen Bahn.

Wir befinden uns in einem ICE. Dort können wir in die Rolle eines von drei Jugendlichen schlüpfen und stets zwischen den gewählten Charakteren wechseln. Tom, Marc und Sue nennen sie sich und jeder von ihnen hat spezielle Hobbys und Ziele. Alle möchten sie aber nach Berlin (Warum muss es eigentlich immer Berlin sein?). Bis sie die Bundeshauptstadt erreichen, haben sie innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit ein paar kleine, nicht beachtenswerte Aufgaben zu erledigen. Je nachdem, in wessen Haut man bei der Ankunft steckt, passt sich das Outro dem jeweiligen Charakter an. Vom Prinzip her klingt das vielversprechend, nicht zuletzt durch den Echtzeitfaktor. Allerdings hätte die Umsetzung wohl schlechter nicht ausfallen können. Das fängt bei den Rätseln an, die man als solche kaum bezeichnen kann. Es muss ein Kreuzworträtsel gelöst, bestimmte Griffe auf der Gitarre getätigt und ein nervtötendes Basketball-Videospiel absolviert werden. Ansonsten dürfen wir lediglich planlos durch die Abteile spazieren und mit fremden Reisenden kommunizieren. Sues Auftrag besteht zum Beispiel darin unter den Zuggästen neue Mitglieder für ihre Band aufzutreiben, während Marc sich auf sein Blinddate vorbereitet. Pluspunkte kann man höchstens den lebhaften Animationen entnehmen. Die Leute sind dauernd in Bewegung, genau wie die Landschaft, die an uns vorbeirast, eben wie bei einer richtigen Bahnreise. Doch die Grafik selbst wirkt lieblos und die Personen sind derart hässlich, dass sich gleich in der ersten Szene das Verlangen weckt auf "Quit" zu klicken. Noch schlimmer wird es dann aber, wenn man in den Genuss der Sprachausgabe kommt. Allein der italienische Kaffeeverkäufer kann mit Witz überzeugen, die meisten Synchronisationen sind eher peinlich. Schon zu Beginn wird deutlich, welche Zielgruppe die Bahn anzusprechen gedenkt, denn die Hauptcharaktere werden übertrieben cool dargestellt und bekommen einen Jugendslang in den Mund gelegt, für den sich die Produzenten wirklich schämen sollten.

Eine Zugfahrt kann lustig sein, doch diese hier ist eine einzige Katastrophe. "Rail On" ist ein typisches Beispiel dafür, wie Werbeadventures nicht aussehen sollten.

Produzent: BVM
Jahr: 1998

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