Donnerstag, 1. September 2011

Freeware: The Artifact

The Artifact

Zur Abwechslung beschäftigen wir uns heute wieder einmal mit einem Fanadventure auf Basis der Adventure Maker-Engine. Der schwedische Autor Johan Grinde beweist hier vor allem fotografische Talente.


Die Geschichte beginnt sehr geheimnisvoll. Uns wurde ein Brief hinterlassen, in dem uns ein unbekannter Absender auf ein Artefakt hinweist, das vermutlich über einen unschätzbaren Wert verfügt. Scheinbar möchte diese Person mit uns eine kleine Schnitzeljagd betreiben. Sie gibt uns einen ungefähren Ort an, den wir aufsuchen müssen um dort ein weiteres Schriftstück zu erspähen und dieses Prinzip wird sich bis zum Finale wiederholen. Das mag jetzt keine atemberaubende Story sein, doch die Reise durch das schwedische Härjedalen kann diese erzählerischen Elemente ersetzen. Vorher sollte allerdings erwähnt werden, dass das Inventar nicht nur überschaubar bleiben wird, sondern das Gameplay grundsätzlich minimalistisch angelegt ist. Jedes Rätsel erweist sich als offensichtlich und kann durch Tipps auf den Zetteln oder aufgrund des Vorhandenseins weniger Hotspots schnell gelöst werden. Manchmal sucht man vielleicht etwas länger, aber allgemein sind die Gegenstände gut ausgewiesen. Man wird bald verstehen, dass es sich bei "The Artifact" um eine Art interaktive Entdeckungsreise handelt, die allein durch die optischen und atmosphärischen Begebenheiten Freude bereitet. Es ist eine sehr einsame Wanderung, die nicht von Nebencharakteren unterbrochen wird, wenn wir von der niedlichen Katze absehen, die anfangs im Badezimmer anzutreffen ist und mit der wir als Gag sogar den einzigen Dialog führen können.

Als Vorbild diente Grinde unverkennbar die Carol Reed-Saga, die nicht nur im gleichen Land entstanden ist, sondern auch mit denselben Methoden arbeitet. So wurde sich hier ebenfalls die Mühe gemacht unzählbare Fotografien einzubinden um möglichst alle Perspektiven zu repräsentieren und dem Spieler das Gefühl zu verleihen, als würde er sich tatsächlich durch schwedische Gefilde bewegen. Dabei werden wir mit den schönsten Landschaften und Ausblicken belohnt. Besonders das Besteigen der Berge lädt geradezu zum Entspannen ein. Unser Alter Ego fährt mit seinem Auto von einem Ort zum anderen, wobei wir über eine Orientierungskarte navigieren müssen, die am Ende immerhin 7 verschiedene Ziele verzeichnen wird. Ähnlich wie bei den späteren Reed-Episoden wird nach der Auswahl zunächst einmal eine Art Titelbild in Form eines alten Fotos zu dem jeweiligen Bereich eingeblendet. Der Startpunkt ist das eigene Heim, von dem aus wir in die Berge gelangen, zu einem verlassenen Haus, zu einer Kirche, sowie in eine Fabrik mit vielen dunklen Räumen, die wir mit einer Lampe durchqueren müssen. An dieser Stelle wird das Tageslicht vorübergehend sogar durch eine leichte Düsternis abgelöst. Über 50 % des Adventures werden wir jedoch durch die Natur geführt. Manche Screens ermöglichen zudem 360°-Drehungen, da dort unterschiediche Ausgänge anwählbar sind. Die mystische Musikuntermalung erinnert ebenso an die Abenteuer der schwedischen Detektivin und zeigt sich in einer vergleichbaren Qualität.

Wer sich weder mit Fotohintergründen anfreunden kann, noch bereit ist auf ein komplexes Rätseldesign zu verzichten, der wird mit "The Artifact" nicht glücklich werden. Hier geht es nämlich darum sich für geschätzte 45 Minuten schrittweise interaktiv mit einer Umgebung vertraut zu machen ohne sich von großem Kopfzerbrechen aufhalten zu lassen. Gameplay und Story werden kaum erfüllt, doch das Spiel konnte mich durch seine Fotografien und die dazugehörige Atmosphäre dennoch in seinen Bann ziehen.

Produzent: Johan Grinde
Jahr: 2011

Download auf der Adventure-Maker-Website
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