Montag, 26. September 2011

Freeware: Voodoo

Voodoo

"Voodoo" ist der Titel eines düsteren Freeware-Adventures, das vermutlich in den Weiten des Internets zu sehr verborgen liegt, als dass es große Bekanntheit erlangen konnte. Erstellt wurde das dreisprachige Spiel von Ralf Sesseler, der auch für die als Basis genutzte Engine ADePT verantwortlich zeichnet.

Wir befinden uns in Louisana. Das prächtige, strahlend weiße Loa-Haus, ehemals bewohnt vom Voodoo-Priester Jean Le Noir, musste lange ohne Besitzer auskommen. Nun ziehen aber die Lafayettes an diesen Ort. Dazu zählen David mit seiner schwangeren Frau Sarah, sowie deren inzwischen erblindeter Vater. Das Begrüßungskomitee besteht lediglich aus unserer Wenigkeit, denn wir sind Salem, der zukünftige Butler des Dreiergespanns. Doch anstatt den Lafayettes zu dienen, spionieren wir sie aus und unternehmen alles dagegen, dass sie uns und unseren Kollegen Ärger bereiten könnten. Salem ist nämlich ein gefährlicher Voodoo-Anhänger, der zusammen mit Lula Chevalier und seinem Chef Dr. Le Croix über den in der Nähe gelegenen Voodoo-Friedhof wacht und mit ihnen regelmäßige Totenrituale organisiert. Die Lafayettes bemerken jedoch schnell die nächtlichen Unruhen und sind in ihrem christlichen Tatendrang schon bald von der riskanten Idee besessen die Grabstätte zu vernichten. Und so entwickelt sich langsam eine "Tragödie in 7 Akten", wie der Autor sie nennt.

Außergewöhnlich an "Voodoo" ist, dass wir auf der Seite des Bösen agieren. Dabei sollte man darauf gefasst sein, dass die Aktionen, zu denen wir hier angestiftet werden, nicht gerade harmlos sind. Es bleibt uns zum Beispiel nicht erspart, dass wir einem unschuldigen Huhn den Kopf abhacken und sein Blut in eine Schüssel abfüllen müssen. Interessant war für mich vor allem die Frage, wer am Schluss als Sieger hervorgehen wird. Werden wir trotz aller Bemühungen bekämpft werden oder werden die schlimmen Voodoo-Jünger sogar triumphieren? Es wäre natürlich witzlos, wenn ich das in diesem Review verraten würde. Von Anfang bis Ende präsentiert uns der Autor jedenfalls eine anhaltende Spannung. Überhaupt liegt "Voodoo" eine tolle Geschichte zugrunde, die allerdings auf dem gleichnamigen Album ("Voodoo") der Band King Diamond basiert. Einige Anekdoten auf die Musikgruppe sind als Eastereggs in bestimmten Szenen versteckt.

Unser Weg wird gepflastert durch eine Menge gut durchdachter Rätsel, zu denen das Kochen von Voodoo-Rezepten, sowie das Ausführen der Beschwörungsrituale gehören. Neben Inventarrätseln müssen wir oftmals bei den Lafayettes Spionage-Interviews vornehmen, in deren Verlauf wir die drei ahnungslosen Bewohner des Loa-Anwesens abwechselnd über spezielle Punkte ausquetschen müssen um die Ergebnisse schließlich bei Le Croix abliefern zu können. Für jeden Dialog öffnet sich ein separater Bildschirm, in dem wir unsere Fragen auswählen und ein Porträt von Salem und seinem Gesprächspartner einsehen können. Auch innerhalb der Räume werden die Charaktere nie richtig in die Umgebung platziert dargestellt, sondern werden bei Anwesenheit am unteren Rand des Monitors eingeblendet, in Form der erwähnten Zeichnungen, die gelungen düster wirken. Das gilt genauso für die gerenderten Grafiken der Hintergründe. Alles erscheint liebevoll und sehenswert, für Fanadventure-Verhältnisse ein kleiner, optischer Hochgenuss. Ebenso prägt sich die Musik gut ins Geschehen ein. Geändert wird sie meist zum Beginn eines neuen Aktes. Eventuell wären einige Variationen der Melodien zwischendurch sinnvoll gewesen, aber insgesamt erweist sich die Akustik als stimmig. Es ist zudem angebracht manchmal etwas aufzupassen, da man ab und zu sterben kann, zum Beispiel, wenn man vor einer gefährlichen Schlange steht. Doch danach muss man keinen Spielstand laden, sondern darf die risikoreiche Etappe sofort wiederholen. Anzumerken ist noch, dass "Voodoo" ununterbrochen bei Helligkeit abläuft, was insofern schade ist, da die Schauplätze in und um das Loa-Haus bei Nacht sicher ein packendes Erlebnis hätten werden können.

Wer seine Zeit gerne mit Fanadventures verbringt, der sollte "Voodoo" nicht ignorieren, auch wenn die Engine ADePT vielleicht keine große Community hat. Seit dem grandiosen "Gabriel Knight: Sins of the Fathers" weiß ich, dass der Voodoo-Kult ein interessantes Thema sein kann, wenn es entsprechend umgesetzt wurde. Und was Ralf Sesseler hier geleistet hat, ist beim besten Willen nicht zu verachten.

Produzent: Ralf Sesseler
Jahr: 2002

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