Dienstag, 18. Oktober 2011

Freeware: Monday Adventure

Monday Adventure

Selbst im Fanbereich ist das Textadventure offenbar eine aussterbende Spezies. Eine der Ausnahmen bildet das englische „Monday Adventure“, das zwar erst um 1999 erschienen ist, dessen Entwicklung aber laut Aussage des Autors bis ins Jahr 1986 zurückreicht.

Das Prinzip ist bekannt. Unser Protagonist, Kent Clark, ist auf einer einsamen Insel gestrandet und wir müssen ihm dabei helfen einen Ausweg zu finden. Blöderweise ist unser Held bereits äußerst geschwächt und hungrig, weshalb wir uns nicht zu lange Zeit lassen dürfen. Da die Umgebung überschaubar ist und nur etwa 25 Szenenbilder umfasst, hat der orientierungslose Textadventure-Spieler zügig eine Karte angefertigt. Die Schwierigkeit besteht vielmehr in den Rätseln und der Schnelligkeit, die hier gefordert wird. Auf der rechten Seite zeigt uns nämlich ein Health-Balken die Prozentzahlen, zwischen denen unser gesundheitlicher Zustand schwankt. Diese Energieleiste schrumpft kontinuierlich, allerdings nicht durch die fortschreitenden Minuten, sondern bei jedem Bildschirmwechsel und jedem getätigten Befehl, unabhängig davon, ob dieser hilfreich oder vollkommen sinnlos war. Jede Texteingabe sollte gut überlegt sein, denn sobald der rote Strich die 0 % erreicht hat, ist es um Kent Clark geschehen und wir müssen einen Neustart wagen. Spielstände können nicht gespeichert werden. Ein größeres Problem stellt das nicht dar, da sich „Monday Adventure“ in geschätzten 10 Minuten absolvieren lässt, wenn man weiß, wie alles funktioniert – und um die richtigen Schritte herauszufinden, muss man in Kauf nehmen etliche Male zu sterben oder in Sackgassen zu geraten und anschließend den nächsten Versuch angehen. Einige Aktionen sind zudem irreführend und tragen nicht zur Lösung bei. So stößt man an einer bestimmten Stelle nur auf einen Zettel mit der Werbung zu einem zukünftigen Spiel des Entwicklers, dass es leider bis heute nie gegeben hat. Dies jedoch zeugt von einer Menge Humor, so wird uns zum Beispiel durch ein Comicheft auf witzige Weise ein klarer Lösungshinweis für ein nachfolgendes Rätsel vermittelt. Grundsätzlich sind die Kommentare von Kent Clark meist sehr amüsant und man sollte gezielt möglichst alle Irrwege ausprobieren.

„Monday Adventure“ erscheint im Look einer typischen Windows-Anwendung mit einem recht kleinen Bildschirm, der sich mit schlichten, naiven Grafiken schmückt. Gut gelungen ist die Kombination von Point and Click mit den Textadventure-Elementen. Man kann die entscheidenden Befehle durch den Parser mit der Tastatur eintippen, doch die Raumwechsel können dank der Mausunterstützung mit Klick auf die jeweilige Richtung auf dem Kompass vorgenommen werden. Außerdem stehen manchmal im Vordergrund eines Screens einzelne Objekte herum, die man mit Drag and Drop in einen der fünf verfügbaren Inventarslots ziehen und umgekehrt in einer beliebigen Szene wieder ablegen kann. Alternativ kann man natürlich auch am Keyboard bleiben und „Get Bottle“ eingeben. Von Musik ist zunächst nichts zu hören, allerdings kann in den Optionen unter sämtlichen Titeln ausgewählt werden. Da fast alle davon meiner Meinung nach mit ihren Natur- und Inselbeats stark übersteuert sind, habe ich in diesem Fall lieber komplett auf die exotischen Klangmixturen verzichtet. Viel authentischer sind ohnehin die ständig zu vernehmenden Geräusche, wie das Zwitschern der Möwen.

Dieser eigentlich kurze, aber nicht ganz einfache Spaß wartet nicht gerade mit einer spektakulären Geschichte auf. Doch aufgrund seines Humors, sowie des durchaus spezielles Spielprinzips in der Form eines Survivaltrainings mit Energieleiste kann es sich als gutes Freeware-Adventure sehen lassen. Das tatsächlich ursprünglich geplante „Search for the Sacred Stone“ als längeres Werk von Mikel Rice hätte mich schon interessiert. Nur leider scheint es, als könnte man damit nach all den Jahren nicht mehr rechnen, vermutlich weil der Autor sich neue Hobbys gesucht hat. Schade.

Produzent: Mikel Rice
Jahr: 1999

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