Freitag, 14. Oktober 2011

Kommerziell: The Palace of Deceit

The Palace of Deceit: The Dragon's Plight

Nachdem ich im letzten Jahr einen Artikel zur Dare to Dream-Trilogie geschrieben habe, möchte ich nun auf einen noch früheren Klassiker zurückkommen, mit dem Cliff Bleszinski bereits vor seiner Epic Megagames-Ära seinen Einstand als Spieleentwickler feierte.

Nightshade ist ein blauer Drache, der in die Fänge von Garth geraten ist. Besagter Bösewicht hat ihn im Verließ seines dunklen Schlosses eingesperrt und will ihn dazu bewegen ihm das Versteck der anderen Drachen preiszugeben, da Garth diese auszurotten gedenkt. Natürlich können wir das nicht auf uns sitzen lassen und müssen Nightshade helfen aus seiner Zelle zu fliehen und seinen Feind aufzusuchen. Wer "Dare to Dream" kennt, der wird auf den ersten Blick die Ähnlichkeiten bemerken. Alles setzt sich aus drei Windows-Fenstern zusammen. Unten sieht man die Status-Box, in welcher die Beschreibung eines Raums oder Hotspots, sowie das zuletzt ausgewählte Item angezeigt wird. Die "Syndicate Remote" beinhaltet diverse Buttons, ob zum Aufrufen des Inventars, zur Hilfe, zum Speichern, Laden oder Beenden. Und bei einem Klick auf "Coming Soon..." wird sogar eine kleine Vorschau auf "Dare to Dream" eingeblendet. In den Hauptscreen sind die Szenenbilder integriert, die hier auf ganz originelle Weise in einem geöffneten Buch dargestellt werden. Das trägt allerdings noch mehr dazu bei, dass die eigentlichen Spielszenarien sozusagen ein Game Boy-Format einnehmen. Die Hintergründe wechseln zwischen besonders düster und eher farbenfroh, mir persönlich gefällt der naive Stil der Zeichnungen. Atmosphäre will aber nicht so recht aufkommen. Und das dürfte in erster Linie daran liegen, dass es sich bei "Palace of Deceit" um ein sehr stummes Spielvergnügen handelt. Sounds oder gar Musik erwartet man vergeblich. Dabei ist doch die Akustik absolut notwendig um in ein Grafikadventure richtig eintauchen zu können.

Der nicht sonderlich ausgeprägte Schwierigkeitsgrad wird viele Adventure-Experten unterfordern, wobei es innerhalb der zweiten Hälfte vermehrt anspruchsvollere Inventarrätsel zu lösen gibt. Leider besteht unser Aufgabenfeld gerade zu Beginn vorwiegend im Auffinden von Hebeln und Knöpfen, die irgendwo im Raum angedeutete Geheimgänge öffnen. Dazu müssen wir auf dem ohnehin kleinen Bildschirm ein ziemliches Pixelhunting betreiben. Manchmal werden uns in Dialogen Hinweise übermittelt, zum Beispiel durch solche Gestalten wie Mäuse, Hummer oder abgetrennte Köpfe. Und ja, wie hier schon herauszulesen ist, ist "Palace of Deceit" stellenweise blutig und makaber. Oftmals erinnert das Gameplay an ein RPG ohne Kampfsequenzen. Schließlich trifft man gelegentlich auf ein Monster, das den Weg versperrt und zunächst mithilfe eines Gegenstandes beseitigt werden muss, wie etwa eine Riesenspinne oder Garths Wächter. Der Humor kommt in den finsteren Gemächern des Schlosses ebenfalls nicht zu kurz. So sind die Dialoge mit anderen Kreaturen eher amüsant als ernsthaft.

Mit Musikuntermalung und härteren Rätseln hätte "Palace of Deceit" vielleicht sogar mit dem Schloss-Grusel-Klassiker Shadowgate mithalten können. Doch leider hat Bleszinski hier gespart und sich einige Qualitäten für die außergewöhnliche "Dare to Dream"-Reihe aufgehoben. Dennoch ist es ein insgesamt gelungenes Adventure mit mittlerer Länge und einem interessanten Setting, das besonders Nostalgikern mit Vorliebe für die Egoperspektive (wie mir!) gefallen dürfte.

Produzent: Game Syndicate Productions (
Cliff Bleszinski)
Jahr: 1992

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