Sonntag, 27. November 2011

Kommerziell: Das Geheimnis der Burg

Das Geheimnis der Burg

In diesem interaktiven Lernabenteuer, das wohl primär auf jüngere Spieler zugeschnitten ist, versetzt uns Meyer Multimedia ins dunkle Mittelalter und geizt dabei keineswegs mit Informationen.

Es wird erzählt, dass Baron Mortimer ein finsteres Vorhaben hegt. Die Gerüchte besagen, er plane eine Verschwörung gegen den König. Da bleibt der Majestät keine andere Wahl als einen Spion zur Burg des Freiherrn loszuschicken. Und hier kommen wir ins Spiel. Perfekt getarnt begeben wir uns zum Hort des Übels und versuchen dort einen unterirdischen Geheimgang zu finden, über dessen Lage der König benachrichtigt werden möchte um Mortimer im Falle einer Belagerung seine einzige Fluchtmöglichkeit streitig zu machen. Die Hauptaufgabe besteht nun darin fünf Stücke einer Karte aufzuspüren, die uns den Weg zu dem versteckten Tunnel zeigen wird. Dazu entscheiden wir uns, je nach Wunsch, für eines von zwei Kostümen und verwandeln uns in einen Ritter oder in eine Magd, was auch diverse Abweichungen im Spieldesign zur Folge hat. Wer sich vorerst nur mit den Schauplätzen vertraut machen will ohne sich den Gefahren auszusetzen, der kann als Page die Burg erforschen und sich dabei in aller Ruhe mit Wissen berieseln lassen. Grundsätzlich liegt ein Gameplay in zwei Teilen vor: Den Gesamtüberblick über einzelne Bereiche, die an Seiten aus einem Wimmelbilderbuch erinnern und mit etlichen Details aufwarten. Bestimmte Menschen, Gegenstände oder Räumlichkeiten lassen sich anklicken, woraufhin sich ein kleines Fenster mit einem Lehrtext öffnet. Auf dem Wegweiser wird die Festung dreidimensional dargestellt und kann "aufgeklappt" werden, indem man einen der zehn Teilbereiche anwählt, wie zum Beispiel den unteren Burghof oder den Festsaal mit der Küche. Nach einer kurzen 3D-Kamerafahrt, in der wir praktisch zu diesem Ort schweben, gelangen wir zur Wimmelbildansicht. Hier sollte man nach winzigen Goldmünzen Ausschau halten, die sich einsammeln lassen. Das ist nicht zwingend nötig, aber zum Überleben empfehlenswert.

Der eigentliche Adventure-Bestandteil besteht in erster Linie im Erkunden der vier 3D-Räume. Die Küche, die Waffenschmiede, das Laboratorium und das Gemach des Barons gilt es genauestens zu inspizieren, denn überall ist ein Kartenstück verborgen. Die Suche danach ist eher anspruchslos. Zwar ändern sich die Verstecke bei jeder neuen Spielpartie, doch meist kommen sie durch das simple Verschieben von Objekten zum Vorschein. Problematisch ist hierbei vielmehr die Anwesenheit der zuständigen Personen. Um nicht negativ aufzufallen, muss der Spion seinem Gastgeber zur Hand gehen, etwa indem er Holz in den Ofen wirft. Nebenbei kann er sich unbemerkt auf die Jagd nach dem Papierdokument machen. Gelegentlich wird man entweder einige Zeit über gar nicht reingelassen oder es ist niemand zuhause, was unser Bestreben erleichtern könnte. Schwieriger hat man es als Magd, da dem Ritter eine höhere Anerkennung zuteilwird. Die Magd kann oft gar nicht eintreten, bevor sie einen Auftrag erledigt hat, also muss sie zum Beispiel Fisch oder Kerzen besorgen, die jeweils in den Wimmelbildern auffindbar sind. Von solchen Aktivitäten bleibt man verschont, wenn man die Rüstung trägt. Nur was passiert, wenn wir als Spion entlarvt werden? Richtig, dann wird die Wache gerufen und wir landen im Kerker. Haben wir mindestens drei Goldstücke übrig, die wir anfangs sogar vom König mit auf den Weg bekommen haben, können wir uns immerhin freikaufen, denn auch im Mittelalter waren die Leute bestechlich. Ist bei einer Gefangennahme der Münzvorrat aufgebraucht, haben wir allerdings verloren. Das fünfte Kartenstück schenkt uns unser Kontaktmann, sobald wir die in der Inventar-Truhe hinterlegte Schriftrolle abgearbeitet haben. Um Antworten auf die vier gar nicht so einfachen Fragen zu erhalten, müssen wir in den Suchbildern, sowie im Index oder in der Bibliothek des Wissens recherchieren.

Die 3D-Animationen und Umgebungen sind nicht weniger liebevoll, als die hübschen Zeichnungen, bei denen man mancherorts Dächer oder Wände zur Seite schieben kann. Die Charaktere in den Räumen werden von Schauspielern verkörpert, die eine gesunde Gestik und Mimik an den Tag legen und ganz verrückt danach sind uns alles zu erklären und mit ihren Berufen und Errungenschaften offenbar Eindruck schinden wollen. Die Darsteller wirken stets leicht amüsant und fügen sich gut in das Geschehen ein. Musikalisch hielten sich die Produzenten etwas zurück, doch die Soundkulisse schafft Atmosphäre. In den Wimmelbildern müssen wir mit dem Cursor nur über bestimmte Hotspots fahren und schon sind die entsprechenden Geräusche zu vernehmen. Das mutet teils humorvoll an, allerdings wird die finstere Ära niemals beschönigt, sogar Vierteilungen und hängende Verbrecher wurden hier illustriert.

"Das Geheimnis der Burg" ist ein umfassendes Lernprogramm, welches das Leben im Mittelalter authentisch herüberbringt, indem es uns direkt an Ort und Stelle versetzt. Trotz weniger Rätsel und einer schlichten Story kann das von Spiel zu Spiel minimal variierende Adventure für einige Stunden unterhalten. Es erfüllt vor allem den pädagogischen Effekt, ist aber sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene geeignet.

Produzent: Meyer Multimedia
Jahr: 1997

Kommentare:

  1. Hallo,
    wie hast du das Spiel zum Laufen gebracht? Habe Win7 Professional und XP. Ständig kommt eine Fehlermeldung: "[1058]: Die Software zur Klangdekomprimierung wurde nicht korrekt installiert. Rufen Sie den Setup auf, und versuchen Sie es erneut. Dieses Programm wird jetzt beendet."

    Was kann ich tun?

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    1. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich habe es entweder unter WinXP oder Win98 wieder zum Laufen gebracht, also Win98 unter Microsoft Virtual PC. An die Fehlermeldung kann ich mich jetzt nicht erinnern. Hast du danach mal gegoogelt?

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    2. Bei mir läuft es unter Dos-Box und Windows 3.1

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    3. Das Spiel kann unter Windows 8.1 mit Hilfe von DosBox zum Laufen gebracht werden. Bei Interesse melde dich bei fryvha(at)gmx.ch

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