Montag, 14. November 2011

Kommerziell: Der vergessene Gott

Der vergessene Gott (Drowned God)

Das eigenwillige und ungewöhnliche 1st person-Adventure „Der vergessene Gott“ ist hierzulande in der Reihe „Pro 7-Mystery“ erschienen. Dies bot sich an, da Mystery ohnehin schon damals ein Aushängeschild des Privatsenders war. Ansonsten hat der Titel mit „Fernsehware“ wohl eher wenig zu tun.

Wer in das Spiel einsteigt, der wird sich zunächst sämtliche Fragen stellen. Wo genau sind wir und was machen wir eigentlich hier? Uns wird eine von rätselhaften Worten und unerklärlichen Bildern begleitete Einleitung präsentiert. Und das wird noch öfter passieren. Wir befinden uns im Bequest Globe, einer Art Raum zwischen den Welten. Die Stationen unserer Reise, zu denen wir von diesem mystischen Ort aus Zugang haben, sind Binah, Chesed, Din und Chokmah. Dort sammeln wir Informationen über die einzelnen Orte, sowie über die größten Geheimnisse der Menschheit. Allen voran steht der vergessene Gott, hinter dem scheinbar eine außerirdische Lebensform steckt, wie sich nach und nach herauskristallisiert. Die Story ist – besonders zu Beginn – vollkommen verwirrend. Man wird ahnungslos ins Spiel geschleudert und kann letztendlich froh sein, wenn man am Ende mehr von dieser Ahnung gewonnen hat. Dementsprechend ist es auch stellenweise ziemlich langatmig. Etwa in der zweiten Hälfte kommt „Der vergessene Gott“ jedoch immens in Schwung und nimmt Gestalt an.

Ähnlich im Stich gelassen fühlt man sich bei den Rätseln, die teilweise wirklich nicht zu bewältigen sind – und das nicht nur aufgrund ihres hohen Anspruchs. Schließlich mangelt es oftmals an Hinweisen. Zwar wurde der Verpackung ein Lösungsheft beigelegt, dennoch vertrete ich grundsätzlich die Meinung, dass die passenden Andeutungen in erster Linie in das Handlungsgeschehen integriert werden sollten. Frustriert haben mich solche Einlagen wie das Mühle-Spiel in den Katakomben von Chesed. Einerseits ist es schlichtweg unfair hierbei gegen einen Computer anzutreten, der natürlich immer den optimalsten Zug nimmt, und andererseits wird davon ausgegangen, dass jeder die Regeln des Brettspiels beherrscht, denn auf eine Erklärung wartet man vergeblich. Wer hier festhängt, dem empfehle ich das Programm „Nine Men’s Morris for MS Windows“ von Carl von Blixen, das bei korrekter Einstellung die besten Züge vorgibt. Dadurch lässt sich das Puzzle in „Der vergessene Gott“ perfekt umgehen (Siehe Link zur Komplettlösung am Beitragsende!). Weiterhin verfügt man über ein minimales Inventar, das vorrangig dem Aufbewahren von Tarot-Karten und anderen Schätzen dient, die jeweils in bestimmte Einbuchtungen eingesetzt werden müssen, damit sich zum Beispiel ein Geheimgang öffnet. Im Finale kann man drei mögliche Endsequenzen erkunden.

Einer der lästigsten Schwachpunkte ist der Sound. Und damit meine ich nicht die Qualität der Hintergrundmusik, sondern vielmehr deren Zusammenspiel mit der Sprachausgabe. Denn die Personen oder Maschinen, die sich mit uns unterhalten, reden derart undeutlich, dass man häufig nur einzelne Fetzen aus dem Dialog aufgreifen kann. Dazu kommt, dass die Musik geradezu gegen die Synchronisation ankämpft und uns kaum eine Chance lässt diese zu verstehen. Noch blöder ist, dass man sich nicht mal die Mühe gegeben hat Untertitel anzubieten, damit der Spieler es selbst nachlesen kann und sich nicht auf seine Ohren verlassen muss. Immerhin haben mir die Melodien, die stets an die Atmosphäre der jeweiligen Welt anknüpfen, absolut zugesagt. Doch vor allem in Bezug auf grafische Belange gibt es nichts zu meckern. Die wunderbaren 3D-Szenarien, die manchmal surreal wirken, laden zum Entdecken ein und alles hat einen sehr lebendigen Charakter. Jede Tarot-Karte, die wir an uns nehmen, wird uns zunächst in einer Nahansicht „zugeworfen“ und zeigt sich dann in ganzer Größe mit liebevollen Animationen. Auch die Zwischensequenzen, seien es Visionen von Rittern, die den heiligen Gral suchen, oder ein Alien namens Horus im Glasbehälter, können zu 100 % überzeugen.

„Der vergessene Gott“ ist ein Adventure, das mich erst im späteren Verlauf richtig begeistern konnte. Man wird mit einer verwirrenden, aber sehr intelligenten Handlung mit surrealen und esoterischen Bestandteilen konfrontiert. Die Invasoren wurden nach den typischen Roswell-Aliens designt, was allerdings nicht von ungefähr kommt. Überhaupt wird durchgängig auf Mythen aus unserer Geschichte eingegangen. Trotz zahlreicher Schwächen ist es ein besonderes und außergewöhnliches Abenteuer.

Produzent: Epic Multimedia Group
Jahr: 1996

Gute Komplettlösung mit Link zu Mühle-Programm
Gute Erläuterung des Handlungsverlaufs

Kommentare:

  1. Ich habe es letzte Woche nach vielen Jahren zum 2. Mal gespielt. Hat mir jetzt eigentlich besser gefallen, als ich es von damals in Erinnerung hatte. (Damals war ich sicher auch von RIVEN und ZORK verwöhnt ;-) Das Mühlespiel habe ich übrigens ohne Lösung bewältigt! Wenn ich das Review hier lese, scheine ich wohl Riesenglück gehabt zu haben ;-) In der Welt DIN gibt es übrigens einen Fehler: Das Telegramm, welches aus dem Ticker kommt, zeigt eine falsche Einstellung an.
    Burchi

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    1. Ich habs vermutlich nicht so mit Mühle. ;) Jedenfalls fand ich das Spiel gegen den "Computer" echt fies. Ich hatte es für dieses Review übrigens auch seit Jahren zum zweiten Mal gespielt.

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