Dienstag, 8. November 2011

Kommerziell: Lighthouse - das dunkle Wesen

Kommerziell: Lighthouse - das dunkle Wesen

Erinnern wir uns zurück an die Zeit, in der Sierra Adventures am Fließband produzierte. Im 1st person-Bereich gab es da neben Shivers 1 und Shivers 2 noch „Lighthouse“, ein Spiel, das uns Zutritt zu einer fremden Dimension gewährt, in der wir vor allem mit Maschinen interagieren müssen.

Zusammen mit seiner Tochter Armanda bewohnt Dr. Krick den großen Leuchtturm an der Küste. Doch eines Tages erhalten wir von unserem Nachbarn einen Hilferuf. Also begeben wir uns zu Dr. Kricks unkonventioneller Behausung und stellen fest, dass dieser verschwunden ist. Armanda ist bereits beunruhigt, weshalb wir dringend die Rolle des Babysitters übernehmen müssen. Und kaum haben wir ihr das Milchfläschen gebracht und uns danach zu Ermittlungszwecken wieder einem anderen Raum zugewandt, beginnt das Kind erneut zu kreischen – zu Recht, denn kurz darauf werden wir Zeuge, wie sich ein unheimliches, schwarzes Wesen, dessen Haut mit Tätowierungen beschmückt ist, das hilflose Geschöpf mit seinen knochigen Fingern krallt und mit ihm durch ein Dimensionstor flüchtet. Jetzt ist die Lage besonders ernst, denn neben Dr. Krick gilt es auch noch ein unschuldiges kleines Mädchen aus den Fängen eines Monsters zu befreien. Dazu müssen wir entweder schnellstens durch das noch offene Portal steigen oder später ein eigenes generieren. Gehen wir hindurch, gelangen wir in eine mittelalterlich wirkende, aber völlig mechanisierte Welt, in der wir einen Turm, einen Tempel, einen Vulkan, sowie ein Schiffswrack auf dem Meeresboden erforschen müssen und dabei einmal einem Robotervogel begegnen oder einer primitiven Kreatur, die ein ausgeprägtes Interesse an Fischen hat.

Eher rar sind dabei die Kommunikationsanteile gesät, da man sich mit den meisten Charakteren nicht unterhalten kann. Eine Ausnahme bildet vor allem die Tempelwächterin Lyril, die uns die Geschichte dieser Dimension erzählen wird. Der einerseits wirklich gut synchronisierte und inszenierte Dialog erweist sich andererseits leider als etwas zu anstrengend, da es auf Dauer schwerfällt dem mechanischen Gestotter von Lyril zu folgen. Unterwegs gilt es insbesondere technisches Geschick zu beweisen. Denn „Lighthouse“ setzt sich fast komplett aus Maschinenrätseln zusammen. Sämtliche Geräte müssen aktiviert werden und selbst das Starten und Einprogrammieren des U-Boots ist ein umfangreiches Unterfangen. Die „Hauptreihe“ des Inventars wird im unteren Teil des Monitors angezeigt. Klickt man auf die Tasche, bekommt man schließlich alle Items angezeigt, die man je nach Bedarf in der Hauptreihe eingliedern kann, falls man der Meinung ist, dass man einen Gegenstand demnächst benötigen könnte. Zudem sammelt man eine Menge an Schriftstücken, wie Briefe oder Tagebucheinträge des Doktors, die uns gleich zu Beginn in die Geschichte einführen und praktischerweise automatisch vorgelesen werden. Die Lösungen sind nicht immer linear, denn es kann sein, dass uns ein Vogel daran hindert ein Werkzeug einzusacken, das wir uns dann bei einer anderen Gelegenheit aneignen müssen, um hierfür nur ein Beispiel zu nennen. Es existieren also teilweise verschiedene Wege zum Ziel. Zusammenfassend muss man aber sagen, dass die Bandbreite dieser anspruchsvollen Knobeleien sich stark im technischen Bereich bewegt. Sterben kann man in „Lighthouse“ auch, allerdings ziemlich selten.

Zur Grafik kann ich mich nur positiv äußern. Die idyllischen Szenenbilder laden zum Entdecken ein und vermitteln ein gewisses Myst-Feeling. Bei den Charakteranimationen wurde ebenfalls gute Arbeit geleistet. Die Hintergrundmusik fügt sich stimmig in das Gesamtgeschehen ein und an Geräuschen, ob mechanischer Natur oder Babygebrüll, wurde nicht gegeizt. „Lighthouse“ lässt sich schwer in ein festes Genre einordnen, ich tendiere zwischen Fantasy und Science Fiction, wobei beides hier nicht in seiner typischen Weise behandelt wird. Anfangs hatte ich sogar noch das Gefühl ein Horroradventure zu spielen, denn gerade die Zwischensequenz, in der plötzlich das dunkle Wesen im Kinderzimmer steht und sich Armanda schnappt, ist recht gruselig.

Für meinen Geschmack umfasst „Lighthouse“ zu viele technische Rätsel. Ich hätte gerne mehr direkte Konversationen mit den Bewohnern dieser Welt geführt, etwa wie sie mit Lyril stattgefunden haben. Eingefleischten Myst-Fans kann ich „Lighthouse“ jedenfalls nahelegen. Außerdem zeichnet es sich durch eine spannende Story aus und alleine die Baby-Rettungsaktion ist überaus niedlich.

Produzent: Sierra
Jahr: 1996

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