Donnerstag, 3. November 2011

Kommerziell: Net:Zone

Net:Zone

1996 lieferte uns Compro Games mit dem 3D-Adventure „Net:Zone“ einen Beitrag zum Cyberpunk-Genre. Ich habe den Klassiker nach vielen Jahren wieder aus der Spielekiste gekramt und meine Erinnerungen aufgefrischt.

In einer fernen Zukunft hat der Softwaregigant Cycorp eine Monopolstellung erlangt, die von den Beteiligten für kriminelle Machenschaften ausgenutzt wird. Inzwischen ist Zel Winters, der ehemalige Vorsitzende, aus dem Konzern ausgestiegen und hat begonnen deren Verschwörungen aufzudecken – bis man ihn aus dem Verkehr gezogen hat. Als Sohn des vermeintlichen Entführungsopfers, erhalten wir eine Nachricht aus dem Cyberspace und nehmen die Sache selbst in der Hand. Somit schließen wir uns an das System an und finden uns in der Welt von Cycorp wieder – einer faszinierenden, aber vollkommen mechanischen Welt.

Die Sterilität der virtuellen Räume wird durch eine bunte Farbgebung und umherirrende Kreaturen belebt, bei denen ich oftmals nicht ganz verstanden habe, welche Rolle ihnen im System zugeordnet wird. Außerdem werden wir im späteren Verlauf Orte besuchen, die nicht allzu sehr dem Computer-Image entsprechen, sondern eher an Myst-Landschaften erinnern. Im Intro und Outro lernen wir unseren Alter Ego kennen, der in einer Full Motion Video-Sequenz von einem Schauspieler verkörpert wird. Wenn wir uns in Cycorp von der Zentralkuppel zu einem anderen Bereich begeben, werden uns hübsche 3D-Filme präsentiert. Verschiedene Transportmittel dienen uns dazu diese Fortbewegungen durchzuführen, wobei jedes Fahrzeug auf ein anderes Ziel einprogrammiert ist. Der Grommet ist eine Art Erdbohrer, der Vulkan eine Rakete, der Zeppelin ist selbsterklärend und die Atlantis erfüllt die Funktion eines U-Boots. Man merkt also, dass hier abenteuerliche Elemente eingesetzt wurden um „Net:Zone“ einigermaßen aufregend zu gestalten. Besonders beeindruckt hat mich die Hintergrundmusik, die sich dem Thema Cyberpunk in vollem Umfang angenommen hat. Die spacig-mechanischen, aber abwechslungsreichen Melodien, die teilweise sogar mit Computerstimmen unterlegt sind, wirken sich ideal auf die virtuelle Atmosphäre aus und lassen keine Langeweile aufkommen.

Die Steuerung erfolgt vorwiegend über unseren PDA, der mit mehreren Knöpfen ausgestattet ist. Darüber gelangen wir ins Hauptmenü, in dem wir den Spielstand speichern können, sowie auf die Orientierungskarte der jeweiligen Sektion und zum digitalen Inventar. Dieses enthält natürlich nie adventuretypische Items wie ein Seil, eine Brechstange oder eine Schaufel, sondern eher ein Diagnosemodul, Softwareupdates oder Aufzeichnungen von Filmen, die man sich jederzeit wieder ansehen kann. Benutzt werden können diese weniger fassbaren Gegenstände nur, solange wir unser PDA an eines dieser grünen Panels angeschlossen haben, das uns mit bestimmten Terminals, mit einem Fahrzeug oder sonstigen Einheiten verbindet. Die Rätsel sind reine Cyberkost und haben spätestens nach der Hälfte des Spiels jeden Charme verloren. So müssen Viren bekämpft werden, indem wir eine Antivirus-Sequenz erstellen, der Weg durch ein Labyrinth programmiert und defekte Geräte auf Fehler kontrolliert werden um sie anschließend reparieren zu können. Der Schwierigkeitsgrad hat einen hohen Anspruch, dennoch sind diese computerisierten Vorgänge auf Dauer nur begrenzt reizvoll. Eine Ausnahme bilden da lediglich die vier „Prüfungen“ im Testbereich, bei denen man einen „normalen“, also nicht zu schlechten Wert erreichen muss. Sterben kann man nicht, was man im Cyberspace vielleicht auch nicht vermutet. Entsprechend unerwartet kommt dann das Zeitlimit im großen Finale: Hierbei müssen wir unseren Feind innerhalb von 20 Minuten an seinem überaus kaltherzigen Vorhaben hindern. Allerdings sollte man den Countdown ruhig einmal ablaufen lassen um das alternative „böse“ Ende genießen zu dürfen. Das Spielgeschehen beinhaltet zudem zahlreiche Dialoge mit Gesprächspartnern aller Art, die – selbst wenn es sich um nicht-virtuelle Personen wie Zel Winters handelt – im System abstrakt und nicht in Form von Menschen dargestellt werden. Überhaupt trifft das Charakterdesign meinen Geschmack, nicht zuletzt aufgrund diverser Absurditäten wie den schwebenden Cycorp-Jüngern in ihren Mönchskutten.

Es fällt mir gar nicht so leicht "Net:Zone" zu beurteilen. Tatsache ist, dass es einerseits auf positive und andererseits auf negative Weise sonderbar ist. Genervt und frustriert haben mich in erster Linie die Rätsel. Die Geschichte jedoch ist spannend erzählt und umgesetzt, wenn auch eher mechanisch als tiefgründig. Wer die Grenzen des Cyberspace sprengen und von herkömmlichen Adventure-Welten Abstand nehmen möchte, der sollte sich mal eine Weile in Cycorp austoben.

Produzent: Compro Games, Vertrieb: GameTek
Jahr: 1996

Kommentare:

  1. Hat das Spiel auch schon eine deutsche Sprachausgabe oder nur Text?

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  2. Also meine Ausgabe hat nur englische Sprachausgabe, die auf deutsch untertitelt ist. Und ich schätze mal, das wird die einzige "deutsche Version" sein, die es davon gibt.

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