Freitag, 25. November 2011

Kommerziell: Redjack - Die Rache der Bruderschaft

Redjack - Die Rache der Bruderschaft (Redjack - Revenge of the Brethren)

Nach Titanic begibt sich die Entwicklerschmiede Cyberflix mit "Redjack" erneut auf hohe See, nun allerdings zur Zeit der Rache und des Freibeutertums.

Der junge Nick Dove benötigt dringend eine bessere Beschäftigung um seine Farm vor dem Ruin zu bewahren. Wie gerufen kommt ihm somit das Piratenschiff, das soeben im englischen Örtchen Lizard Point eingetroffen ist. Nachdem sowohl sein Bruder, als auch Nicks potentielle Freundin Elizabeth ihm nahegelegt haben dort anzuheuern, meldet er sich zum Vorstellungsgespräch beim Kapitän im Wirtshaus. Dieser setzt das Bestehen einiger Prüfungen voraus, so müssen wir zum Beispiel zunächst einen gefährlichen Hai erlegen. Als frisch aufgenommenes Crewmitglied darf sich Nick mit seinen netten, sowie einem weniger netten Kollegen auseinandersetzen. Darunter befindet sich Sullivan, der uns ein Geheimnis anvertraut: Er ist nämlich in Wirklichkeit eine Frau namens Anne, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater ist. Allem voran steht jedoch eine Legende: Der große Redjack, dessen Tod noch immer ungesühnt ist, hat Nick vor seinem Lebensende mit einem Fluch belegt. Im Spielverlauf gilt es dazu nähere Recherchen einzuholen und herauszufinden, was es mit den vermummten Gestalten auf sich hat, die schon auf Lizard Point bemüht waren uns das Lebenslicht auszublasen. "Redjack" ist ein spannendes Abenteuer über die Bruderschaft von Redjack, sowie die damit verbundenen Intrigen, Rache und Mord. Und die Geschichte dahinter ist authentisch und wartet stets mit interessanten Wendungen auf. Der dramatische Aufbau und die Qualität der Filmsequenzen, sowie der atemberaubenden Musikuntermalung, machen "Redjack" zu einem cineastischen Hochgenuss. Lebendig wirkt auch die Soundkulisse und die Synchronisation kann insgesamt überzeugen. Die mit 360°-Umdrehungen zu erkundende 3D-Umgebung ist oftmals pixelig. Ein Problem hatte ich damit jedoch nicht, da "Redjack" optisch ansonsten absolut zufriedenstellend ist. Die etwas überspitzt klischeehaft gezeichneten und gerne mal gestikulierenden Figuren sind hierbei besonders gelungen.

Überhaupt handelt es sich um ein in erster Linie auf Charakter-Interaktion fixiertes Spiel. Das sehen wir schon daran, dass wir nie komplett auf uns allein gestellt sind. In der zweiten Hälfte wird Anne sogar zu unserer ständigen Begleiterin. Dialoge finden demzufolge in hoher Zahl statt. Leider hilft Reden nicht immer weiter, manchmal müssen wir zum Schwert greifen. Schließlich ist "Redjack" kein reines Adventure, sondern zudem reich an Kampfeinlagen. Die entscheidenden Taktiken bringt uns Lyle, das kräftige, aber sympathische Muskelpaket aus unserer zukünftigen Mannschaft, noch in Lizard Point bei. Dies ist teilweise ein schwieriges Unterfangen, da wir zuerst das Abwehren von Angriffen, das Ausweichen von fliegenden Gegenständen, und selbstverständlich auch die erfolgversprechenden Schwerthiebe erlernen müssen. Als Abwechslung zu den üblichen Zwei-Mann-Duellen dürfen wir später häufiger Schiffe bombadieren oder uns aus der Ferne entgegenkommende Feinde mit Pfeilen oder ähnlichen Instrumenten beschießen, möglichst bevor sie die Gelegenheit haben dies mit uns zu tun, denn unsere Energie ist begrenzt und der Tod lauert bei "Redjack" ohnehin hinter jeder Ecke. Nicht alle Gegner stellen die gleiche Hürde dar, doch einige können unter Umständen dazu beitragen, dass wir etliche Male denselben Spielstand laden müssen. Da mitunter ein Schwertkampf direkt nach einer "Schießbudenszene" folgt und dazwischen keine Speichermöglichkeit besteht, wäre eine Autosave-Funktion wie etwa bei "Dreamfall" wünschenswert gewesen. Im Rätseldesign bewegt sich "Redjack" über lange Strecken in einem eher einfachen oder mittleren Schwierigkeitsgrad. Manche Puzzles, wie zum Beispiel die Diamantenwand auf der Vulkaninsel, haben es dagegen in sich. Bei solchen Knobeleien wird schon mal aus speziellen Gründen in die 3rd person-Perspektive gewechselt, was uns nicht befremdlich sein dürfte, da wir das Erscheinungsbild unseres Helden bereits aus den Filmsequenzen kennen.

Die Gefechte in "Redjack" können dem Spieler einige Nerven kosten, dennoch legt Cyberflix hiermit ein weiteres Adventure hin, dass sich vor der großen Masse nicht zu verstecken braucht. Es bietet humorvolle Konversationen, aber ebenso eine ernstzunehmenden Geschichte, die in einem fesselnden Gesamtpaket präsentiert wird und an einen Kinofilm erinnert. Wer also einen billigen Monkey Island-Abklatsch erwartet hat, der irrt sich. Cyberflix macht das auf eine ganz andere Art, mit historischem Charme und gut ausgeprägten Charakteren.

Produzent: Cyberflix, Vertrieb: THQ
Jahr: 1998

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