Sonntag, 18. Dezember 2011

Freeware: Process

Process

Von Mitentwicklern des erstklassigen 1st person-Adventures Outcry wurde diesen Winter ein Freeware-Titel zum Download zur Verfügung gestellt. "Process" soll vermutlich als Vorgeschmack auf die kommerzielle Neuveröffentlichung dienen, die für das nächste Jahr angedacht ist. Und was hinter diesem kleinen Vergnügen steckt, werde ich nachfolgend berichten.

Wir befinden uns in einem fahrenden Zug. Von anderen Menschen fehlt jede Spur, somit sind wir ganz auf uns gestellt. Doch es bleibt nicht viel Zeit. Innerhalb von 20 Minuten müssen wir es schaffen ein Unglück abzuwenden. Weitere Informationen sind unnötig, denn nun wissen wir, was zu tun ist. Wir bewegen uns durch das Fahrzeug, das aus wenigen Räumen besteht und müssen die eine oder andere verschlossene Tür öffnen, Hebel umlegen oder Codezahlen herausfinden. Es ist ein insgesamt nicht allzu schwieriges Zusammenspiel aus Inventar- und Technikrätseln. Sobald wir einen Schritt vorwärts gekommen sind, müssen wir damit rechnen, dass ein neuer Hotspot anklickbar geworden ist. Um diesen zu ermitteln, müssen wir uns gelegentlich mit etwas Pixelhunting beschäftigen, was mein einziger richtiger Kritikpunkt am Gameplay wäre. Wichtig ist aber die Tatsache, dass man nicht abspeichern kann und stets den Monitor im Auge behalten sollte, der die bis zur Kollision verbleibenden Minuten verrät. Sind diese verstrichen, lässt sich der Unfall nicht mehr vermeiden und wir müssen nach dem nächsten Neustart einen Zahn zulegen. Nach einer gut bewerkstelligten Aufgabe werden wir häufig mit einer kurzen Zwischensequenz belohnt. Und dies sind wohl die interessantesten Aspekte von "Process", da wir dabei meist nicht ganz zwischen Vision und Wirklichkeit unterscheiden können. Später gelingt es uns sogar einmal die Bremse zu aktivieren und auszusteigen - doch es scheint immer wieder so, als müsste man an dem zweifeln, was gerade geschieht. Die düsteren Grafiken erinnerten mich an "Outcry" und konnten mich vollkommen in ihren Bann ziehen. Während wir bemüht sind unser Leben zu retten, vernehmen wir zudem regelmäßige Schienengeräusche und dürfen die visuellen Effekte genießen, wie etwa die am Fenster vorbeirasenden Schatten und Lichter des Tunnels oder das leichte Wackeln des Zuges. Die brenzlige Bahnfahrt wurde von Trainyard authentisch inszeniert. Ein Vorteil ist außerdem, dass die englische Fassung für keinen Spieler ein Problem darstellen dürfte, da "Process" bis auf einige technische Anweisungen fast komplett ohne Texte auskommt.

Auch wenn man diesen Spaß in der Regel mehrfach angehen und nach Ende des Countdowns alle Tätigkeiten wiederholt ausüben muss, wird es in den dunklen Waggons niemals langweilig. Spannend bleibt es wohl gerade deswegen, weil wir diese surreale "Survival-Situation" ganz alleine und ohne die Hilfe von Nebencharakteren bewältigen müssen. Wer "Outcry" geliebt hat, wird von "Process" nicht enttäuscht werden.

Produzent: Trainyard
Jahr: 2011

Download

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