Dienstag, 6. Dezember 2011

Kommerziell: Past - Das Abenteuer Zeit

Past - Das Abenteuer Zeit

Der vorliegende Klassiker ist nur auf der Website des Entwicklers für unter 7 Euro zu bestellen. Seit vielen Jahren bietet Stefan Feige dort die eine oder andere Eigenproduktion an, sowie diverse Spielesammlungen in Kooperation mit anderen Firmen. Ich habe "Past" vom Hersteller bezogen und mir ein Bild davon gemacht.

Endlich ist es vollbracht: Durch den Bau einer Zeitmaschine ist es möglich in die tiefsten Epochen unserer Vergangenheit zu reisen. Der Wissenschaftler, in dessen Rolle wir schlüpfen, verfolgt damit vor allem ein privates Ziel. Sein Leben ist eingeschränkt durch eine Erbkrankheit, die ihn zu regelmäßigen Krämpfen veranlasst und schon jedem seiner Vorfahren einen verfrühten Tod beschert haben soll. Außerdem hat er zwei Söhne, die ebenfalls von diesem Problem betroffen sind. Also begeben wir uns zurück ins Mittelalter, wo diese Unglückskette seinen Anfang genommen hat. Hier soll zum ersten Mal ein Ahne unseres Helden unter diesen Symptomen gelitten haben. Vielleicht besteht die Aussicht ihn mit der Hilfe eines Alchimisten zu heilen und somit den Ablauf des Stammbaums zu ändern und die vollkommene Gesundheit unserer Familie in der Gegenwart zu gewährleisten. Leider erweist sich unser Plan als kein leichtes Unterfangen. Durch einen Krampfanfall unsererseits wird der Alchimist verdächtigt uns verhext zu haben und deswegen eingesperrt. Unser Urahn, zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind, bleibt in dessen Haus zurück und verlässt sich nun darauf, dass wir den Unschuldigen aus dem Verlies befreien. Daran versuchen uns aber unsere nicht ganz so netten Kollegen aus der Zukunft zu hindern, die kurz davor sind uns in das Jahr zurückzuholen, aus dem wir gekommen sind.

Nachgestellt wurde das Mittelalter mit über 200 Fotografien in einer aquarellierten Fassung. Ob Dorf, Burg oder Natur, es wirkt überzeugend und gleichermaßen nostalgisch. Gelegentlich werden uns Filmsequenzen gezeigt und die Charaktere wurden von Schauspielern verkörpert, die hier gute Arbeit geleistet haben, wobei nicht zuletzt die treffenden Kostüme zur authentischen Präsentation beigetragen haben. Sprachausgabe liegt trotz passender Lippenbewegungen der Darsteller nicht vor, es muss also mitgelesen werden. Zahlreiche Geräusche wie Vogelgezwitscher schaffen eine wunderbare Atmosphäre und auch die ruhigen, mittelalterlichen Klänge der Hintergrundmelodien fügen sich perfekt in das Geschehen ein. Diese werden freundlicherweise sogar als Track-Liste abgespielt, wenn man einen Audio-Player öffnet, solange sich die CD-ROM im Laufwerk befindet. In "Past" begegnen wir an allen Ecken Menschen, die uns mal mehr oder weniger gutgesinnt sind und dürfen intensiven Unterhaltungen nicht abgeneigt sein. Teilweise gilt es lediglich als Dienstbote in Aktion zu treten, der für einen Gefallen entsprechend belohnt wird, doch später nimmt die Rätseldichte zu und es müssen deutlich schwierigere Aufgaben bewältigt werden. Dazu ist oftmals die Lektüre alter Schriften notwendig, die in der Bibliothek der Zisterziensermönche ihr Dasein fristen. Sterben kann man höchstens einmal, wenn man die Warnung des Waldräubers ignoriert, oder man scheitert, weil man am Ende das Heilmittel falsch zubereitet hat. In diesen seltenen Fällen bekommt man einen automatischen Spielstand bereitgestellt, der uns an die Position kurz vor unserem Versagen zurückversetzt. Außerdem werden diese Autosaves vor bestimmten Schlüsselszenen gespeichert, was ich als ausgesprochen praktisch empfinde.

Nicht so leicht fiel mir die Orientierung durch die mittelalterliche Gegend. Wir erhalten vom Bettler eine Karte, die uns zwar stets anzeigt, wo wir uns ungefähr aufhalten, die es uns aber nicht ermöglicht den Marsch zu bereits erkundeten Dörfern oder Wiesen durch einen einfachen Mausklick abzukürzen. Demzufolge sind die Laufwege manchmal etwas anstrengend, zumal uns ab und zu das Geld ausgeht oder gestohlen wird und wir somit den Goldschmied aufsuchen müssen, bei dem wir jederzeit durch eine minimale Beschäftigung unser Guthaben auffrischen können. Von diesen kleinen Mängeln abgesehen hat "Past" mir allerdings große Freude bereitet und mit dem ausführlichen Outro wurde für einen krönenden Abschluss gesorgt, in dessen Verlauf die Schauspieler bzw. Entwickler uns mit Outtakes und anderen Gags einen humorvollen Blick hinter die Kulissen offenbaren.

Die spannende Handlung und die liebevolle Umsetzung von "Past" konnten mich absolut überzeugen. Wir erfahren etwas über die Chancen und Nebenwirkungen von Zeitreisen und werden mit dem Leben und den Gefahren im Mittelalter konfrontiert. Es ist nicht zu übersehen, dass die wenigen Personen, die an der Produktion beteiligt waren, viel Mühe in das Adventure gesteckt haben und es auch heute noch ein nostalgisches Spielvergnügen bietet.

Produzent: Ficus, ursprünglicher Vertrieb: Software Brokers
Jahr: 1998

Website

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen