Samstag, 14. Januar 2012

Freeware: Der Besucher

Der Besucher

Dieses 2003 veröffentlichte Flash-Adventure wurde von Falk Disterheft und Maic Ullmann als Browser-Version bereitgestellt. Allerdings ist es auch als Download verfügbar, sodass je nach Bedarf die Ausführung von der Festplatte im Macromedia-Player vorgezogen werden kann.

Was ist hier nur geschehen? Das ist die Frage, die uns keine Ruhe lässt. Eine ereignisreiche Nacht liegt hinter uns, die unser Alter Ego mit Freunden zugebracht hat - und einer Menge Alkohol. Kein Wunder also, dass es um unsere Erinnerung nicht mehr so gut bestellt ist. Doch wir sind ja wissbegierig und beginnen sofort mit unseren Recherchen. In "Der Besucher" durchkämmen wir in allen drei Kapiteln die Zimmer desselben Hauses und werden dabei so manches unerwartete Geheimnis lüften. In regelmäßigen Abständen werden uns die Namen Marge, Albin und Rellik begegnen, deren Verhältnis zu uns mit der Zeit genauer beleuchtet wird. Darüber hinaus werden wir mit tragischen Vorkommnissen unserer tieferen Vergangenheit konfrontiert. Schon bald wandelt sich das Abenteuer zu einem privaten Kriminalfall.

Der Stil ist eigenwillig. Eilig skizziert wirken die Zeichnungen, wobei die Räume überwiegend in weiß-hellblauen Tönen gehalten sind. Beim Blick aus dem Fenster ist die gegenwärtige Wetterlage und Tageszeit zu erkennen. Solange man mit dem Cursor über die Objekte fährt, bleibt das Szenenbild stets in Bewegung. Hierbei werden die erläuternden Schriftzüge eingeblendet, während die Hotspotbenennung quer über den Monitor schwebt. Im Vordergrund wird zudem häufig der Gegenstand noch einmal in einer transparenten Großansicht abgebildet. Diese visuellen Elemente schaffen gemeinsam mit der durchgängigen Geräuschkulisse, wozu etwa das Donnern, das Prasseln des Regens oder das Klingeln des Telefons zählen, eine hervorragende Atmosphäre. Und der Kunstaspekt lässt sich an keiner Stelle verleugnen. Die Textpassagen, die nicht selten philosophische Züge annehmen, zeugen von literarischem Können und lassen sich mit Freude verfolgen.

Bei diesem Spiel von Gameplay oder Rätseldesign zu sprechen wäre dagegen völlig unangebracht. Wir laufen gemütlich durch die Räume und inspizieren diverse Möbelstücke um Informationen zu sammeln. Ein Tresor öffnet sich demnach automatisch, sobald wir die Kombination erfahren haben. Die Hauptfigur merkt sich den Code und gibt ihn von selbst ein, ohne dass der Spieler seine grauen Zellen zu bemühen hat. Somit muss niemand einen ernsthaften Hänger befürchten, ob Anfänger oder nicht. Jeder Akt lässt sich in 5-10 Minuten absolvieren. Trotzdem wurde als nutzungsfreundliches Feature eine Passwortfunktion eingebaut, damit man das zweite oder dritte Kapitel nach einer Pause direkt wieder aufrufen kann.

"Der Besucher" ist kein Adventure im herkömmlichen Sinne. Rätsel lösen sich von allein und man klickt sich irgendwie durch, nur damit die Storyentwicklung nicht unnötig verzögert wird. Man muss bereit sein derartige Ansprüche abzulegen und es stattdessen als interaktive Belletristik verstehen. Die Umsetzung als solche hat nämlich wunderbar geklappt.

Produzenten: Falk Disterheft und Maic Ullmann
Jahr: 2003

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