Sonntag, 8. Januar 2012

Kommerziell: Douglas Adams Starship Titanic

Douglas Adams Starship Titanic

Das vorliegende Science Fiction-Adventure wurde von Kultschriftsteller Douglas Adams entwickelt, während das zur gleichen Zeit erschienene Stück Literatur von Monty Python-Star Terry Jones verfasst und unter dem Titel "Douglas Adams Starship Titanic" veröffentlicht wurde. Adams nämlich war mit der Arbeit an der interaktiven Version bereits vollkommen ausgelastet.

Da setzt man sich nichtsahnend an den Computer, doch schon im nächsten Moment beben unsere vier Wände und wir müssen beobachten, wie der Rumpf eines gigantischen Raumschiffs unser Dach zertrümmert. Anschließend begrüßt uns ein mechanischer Butler und verpasst uns ein eigenes Interface, das sogenannte Personal Electronic Thing (PET). Daraufhin werden wir mit auf die Reise genommen und bekommen sogar eine Unterkunft. Das folgende Abenteuer erweist sich allerdings als nicht ganz unproblematisch, da sich keine weiteren Lebewesen an Bord befinden, sondern nur merkwürdige und nicht selten chaotische Roboter, wie der Empfangsbot, der Barkeeperbot oder die Aufzugsbots, die auch mal ihren Kopf verlieren. Und zu allem Überfluss ist da noch dieser vorlaute Papagei. Nichtsdestotrotz haben wir eine Aufgabe zu erfüllen: Es gilt Titania, den Hauptcomputer des Schiffs zu reaktivieren, dessen zahlreiche Sinnesorgane auf der Titanic verstreut sind. Unsere Mission ist klar, aber um diese zu absolvieren, benötigen wir den Zugang zu allen Bereichen des Weltraumkreuzers. Dazu müssen wir von der anfänglichen und äußerst dürftigen "Super Galactic Traveller Class" aufsteigen zur zweiten und schließlich zur ersten Klasse. Bei jedem dieser "Upgrades" wird uns vom Rezeptionsroboter ein neues Zimmer zugeteilt und das Design unseres PET leicht verändert.

Um dieses Interface zu verstehen bedarf es einiger Übung, denn hier hat sich das Team von "The Digital Village" etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Das PET besteht aus fünf Elementen, zwischen denen man mit einem einfachen Mausklick wechseln kann: Der Chat-O-Mat wird über einen Parser gesteuert. Oft ist es egal, was man eintippt, doch gelegentlich kommt man im Dialog mit einem Roboter nur weiter, wenn man ihm einen konkreten Befehl gibt oder ihm vielleicht sogar schmeichelt. Das "Personal Baggage" enthält schlichtweg die gesammelten Gegenstände, die wir jeweils im Drag and Drop-Verfahren auf unser PET ziehen müssen, kurz gesagt handelt es sich dabei um die Inventarleiste. "Remote Thingummy" ist die Bezeichnung für ein ebenfalls wie ein Inventar gegliedertes Menü, in dem wir automatische Vorrichtungen bedienen müssen. Mit anderen Worten kann hiermit der Lift gerufen oder auch im Quartier der SGT-Klasse die Möbel ausgefahren werden. Wenn man eine Raumnummer notieren möchte, kann man dies im Abschnitt "Designer Room Numbers" tun, der einerseits als Gedächtnisstütze von Nutzen ist und andererseits beim Succ-U-Bus angewandt werden kann. Diese überall im Schiff platzierten "Geschöpfe" fungieren als Postsysteme und befördern Items zu einem Succ-U-Bus in einem anderen Stockwerk. Außerdem haben sie eine Vorliebe für Hühnchen. Aber zurück zum PET: Zu guter Letzt wäre da noch das "Real Life", also das Menü für zusätzliche Kleinigkeiten wie Speichern und Laden. Im Endeffekt musste ich mir eingestehen, dass diese Steuerung genial ist, zumal sie grandios auf die Geschichte und die Ereignisse abgestimmt wurde.

Bei den Rätseln ist es häufig notwendig um die Ecke zu denken. Man wird in allen Belangen gefordert auf dem Raumschiff Titanic und wird bald feststellen, dass der Humor des Spiels gut auf das Rätseldesign übertragen wurde. Zudem muss das neu zugewiesene Zimmer immer erst einmal gefunden werden. Die Orientierung in den Wohnetagen ist eine Aufgabe für sich. Die lustigen und skurrilen Charaktere wurden in der von mir getesteten englischen Version absolut reizend synchronisiert. Hinzu kommt, dass der Papagei von Terry Jones gesprochen wird und Douglas Adams in einem Fernseher sogar persönlich (als Schauspieler) in Erscheinung tritt. Durch das ständige Vogelgeschrei wird das Chaos perfekt. Ebenso ein echtes Highlight sind die klassisch gehaltenen Musikstücke, die regelmäßig im Hintergrund zu vernehmen sind und zum Beispiel während der Aufzugsfahrt und anderen Orts- und Begebenheitsveränderungen sehr schön variieren. Dazu kommen hübsche Szenengrafiken und 3D-Filmsequenzen. Besonders positiv sind mir allerdings die Animationen der Roboter ins Auge gefallen. Als ich verfolgt habe, wie der "betrunkene" Kellnerbot dauernd über die Theke nach vorne gekreist ist, musste ich laut loslachen.

"Starship Titanic" kann sich nahtlos zu Genre-Kollegen wie Rama einreihen. Es gehört definitiv zu den nennenswertesten Science Fiction-Adventures aller Zeiten. Die verrückte Story, der großartige Douglas Adams-Humor und die durchgeknallten Figuren sorgen für ein unterhaltsames, aber auch intelligentes Gesamtkunstwerk.

Produzent: The Digital Village, Vertrieb: Simon und Schuster Interactive
Jahr: 1998

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