Sonntag, 12. Februar 2012

Freeware: Schattenjagd

Schattenjagd (Shadowhunt)

Das etwas ältere Visionaire-Fanadventure "Schattenjagd" setzt auf eine außergewöhnliche Darstellung im Film Noir-Stil. Inwiefern dem Autor dieses Vorhaben gelungen ist, soll in den folgenden Abschnitten geklärt werden.

Das Intro, sofern man es so nennen mag, erweist sich als äußerst wortkarg. Ein einziger Satz führt in das Geschehen ein, daraufhin vernehmen wir Schüsse, die kräftig durch unsere Lautsprecher hallen. In riesigen Lettern erscheint dabei ein "BLAM! BLAM!" auf unserem Monitor. Die comichaften Bilder und Schriftzüge erinnern sofort an Filme wie "Sin City". Vor uns liegt nun ein toter Mann. Wir wissen nicht, wer der Mörder ist, doch eine Sache ist klar: Man könnte uns verdächtigen es getan zu haben. Deshalb müssen wir uns wohl oder übel auf die Jagd nach dem Schatten begeben, der diese Leiche hinterlassen hat. Viel mehr wird inhaltlich nicht geboten, allerdings läuft alles auf eine surreale Begegnung am Ende hin, welche die Geschichte deutlich interessanter gestaltet.

Besonders gewöhnungsbedürftig an "Schattenjagd" sind die permanenten Schwarz-Weiß-Grafiken, die das Noir-Image unterstreichen sollen. Mit der Zeit erkennt man jedoch, dass diese triste Farbgebung in Kombination mit den andauernden Regeneffekten eine beachtliche Atmosphäre schafft. Das Prasseln des Regens wird mit der impulsiven Geräuschkulisse zudem passend untermalt. An derartigen Spielereien wurde insgesamt nicht gespart. So kann man die Streichhölzer auf den Tabak anwenden und dadurch eine hübsche Rauchwolke erzeugen. Gegen Ende werden die einfachen, aber soliden Zeichnungen teils durch Fotografien abgelöst, welche die Gänge eines Abwassersystems repräsentieren. Der Optik tut dies keinen Abbruch, da "Schattenjagd" ohnehin eher ein Kunstwerk sein möchte. Das aus lediglich vier Szenen bestehende Gameplay zeichnet sich durch ein klassisches, jedoch anspruchsvolles Rätseldesign aus - hier wurde also alles richtig gemacht. Um die Sounds nicht zu untergraben, wurde komplett auf Musik verzichtet. Nun kann man sich vielleicht die Frage stellen, ob die eine oder andere Melodie sich nicht positiv auf die weitgehend sehr monotone Grundstimmung ausgewirkt hätte.

Trotz lebendiger und technisch gut realisierter Effekte kommt "Schattenjagd" letztendlich etwas starr herüber. Es kann sich nicht ganz mit Der Besucher messen, einem Fanadventure, das ähnlichen Motiven folgt, aber weniger auf Film Noir ausgerichtet ist. Dennoch bleibt "Schattenjagd" ein interessantes Spiel mit einem überraschenden Ausgang und toller Atmosphäre.

Anmerkung: Einen gründlichen Einblick hinter die Kulissen der Entwicklung und Informationen über seine Beweggründe bietet der Autor auf seiner Website.

Produzent: Johann Scholz
Jahr: 2007

Website

Donnerstag, 9. Februar 2012

Freeware: Masked

Masked

Das kürzlich veröffentlichte AGS-Adventure "Masked" wurde von dessen Autor als Room-Escape-Game angekündigt. Tatsächlich geht es aber darüber hinaus, was das Genre der "Raumfluchten" allgemein zu bieten hat, wie insbesondere durch die Integration von Monologen einer zentralen Nebenfigur zu erkennen ist.

Wie in einem typischen Horrorszenarium sind wir in einem dunklen Zimmer gefangen. Über einen Monitor nimmt eine maskierte Frau den Kontakt zu uns auf, doch wir haben nicht die geringste Ahnung um wen es sich handelt. Nach so mancher getätigten Aktion werden uns weitere Informationen mitgeteilt. Die vermeintliche Psychopathin ruft mit präzisen Schilderungen unsere "Erinnerungen" wach. Wir können uns schon bald in die Vergangenheit des Hauptcharakters versetzen, warten allerdings gespannt die Hinweise ab, die dieses persönliche Mysterium langsam vervollständigen. Nach und nach kommt ans Licht, in welchem Verhältnis unser Alter Ego zu der Dame gestanden hat und was daraus geworden ist. Die düsteren Grafiken von "Masked" fügen sich gut ins Spiel ein und dürften qualitativ wohl den Erwartungen genügen, die an heutige 2D-Fanadventures gestellt werden, kurz gesagt: Mir haben sie gefallen. Das Gameplay besteht darin alle Ecken und Perspektiven des Raums zu inspizieren um dabei auf neue Schlüssellöcher oder Gegenstände zu stoßen. Durch das Absolvieren von logischen, aber leichten Aufgaben kommen wir der Lösung stufenweise näher, bis uns letztlich die Flucht zu glücken scheint. Das Ende erfolgt gezielt abrupt, hätte nach meinem Geschmack allerdings besser ausgearbeitet werden können, schließlich war die Entwicklung bis zu diesem Zeitpunkt einfach zu interessant.

Dem Redakteur Lewis Denby ist es mit "Masked" gelungen einen kleinen und dennoch beachtlichen Mini-Thriller zu inszenieren, der von guten Texten lebt, aber auch grafisch und atmosphärisch begeistern kann. Die Rätsel werden keinen erfahrenen Adventurespieler aus den Socken hauen, doch das muss bei einem kostenlosen Titel ja nicht immer der Fall sein.

Produzent: Lewis Denby
Jahr: 2012

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