Mittwoch, 15. August 2012

Werbespiel: Let's Talk about... Liebe, Lust und Aids

Let's Talk about... Liebe, Lust und Aids

Tja, wie soll ich anfangen? Dieses Werbespiel der BZga ist ein wahrer Ratgeber in Sachen "Liebe, Lust und Aids". Na ja, wenn wir ehrlich sind, höchstens im Bereich Aids. Der Rest... aber lest selbst!

Zunächst wählen wir das Spielziel aus: "Ein Abenteuer suchen", "Einen festen Partner finden", "Begehrt werden" oder "Anmache verbessern". Weiterhin können wir unsere Wohnsituation festlegen sowie Beruf und Lebensmotto, denn ohne ein solches kann man natürlich nicht existieren. Die Einstellung "Verhalten" bietet die Optionen "einfühlsam" und "frech". Ist ja klar. Oder dachtet ihr etwa, es gäbe Leute, die andere Verhaltensweisen an den Tag legen, als diese beiden, auf denen die gesamte Menschheit beruht? Man denke nur daran, wie die Steinzeitmenschen frech Mammuts gejagt und auf einfühlsame Art ihre Frauen... na gut, ich schweife ab! Als "Temperament" lässt sich zwischen "Zärtlich" und "Wild" unterscheiden. Dass man solche Eigenschaften sogar miteinander verbinden kann, war den Autoren dieses Meisterwerks wohl fremd. Hat man nun noch sein Geschlecht bekanntgegeben (nein, Zwitter ist nicht dabei, nur ein langweiliges männlich oder weiblich!), startet man das Abenteuer. Bevor wir endlich loslegen können, werden uns unsere Freunde vorgestellt, die alle, genau wie unser Hauptcharakter, unglaublich hässlich sind. Die Hintergründe sind aber auch nicht viel schöner, wie wir sogleich feststellen werden. Es erscheint die Orientierungskarte, auf der die leider nicht begehbare Kirche den meisten Platz einnimmt. Was bedeutet dies jetzt für ein Spiel, das sich um die menschliche Sexualität dreht? Na gut, immerhin sind Kondome hier erlaubt.

"Let's Talk about" ist keineswegs dialoglastig - und das, obwohl Dialoge als einziges Gameplay-Element dienen. Ob im Supermarkt oder im Bistro: Überall werden wir sofort in ein Gespräch verwickelt, das komplett minimalistisch und oberflächlich ausfällt. Lustig ist übrigens, dass die Grafiker nicht einmal die Sprechblasen hübsch hinbekommen haben. Die Stationen unserer "Reise" sind in einem öden Blau- oder Braunton gehalten, während je zwei agierende Charaktere in einem Guckloch im Bildschirm erscheinen. Wie man sieht, handelt es sich also um eine Mutation zwischen der ersten und der dritten Perspektive. Man steuert keine Person und erblickt die Orte aus der Ego-Sicht, doch die Männlein und Weiblein werden grundsätzlich eingeblendet. Da dachten die Produzenten wohl, das Adventure wäre so noch nicht hässlich genug. Außerdem haben wir ein spartanisch in der Ecke platziertes Inventar, das sich im Spielverlauf fast von selbst mit Inhalten füllt. So kann es vorkommen, dass man auf dem Bürgersteig mal zwei Kinokarten entdeckt. Na ja, so etwas geschieht dem Durchschnittsspaziergänger bekanntlich dauernd. Hat man sich schließlich einen Partner oder eine Partnerin angelacht, endet der Tag bald - möglicherweise erst nach einem klischeehaften Kinobesuch - bei uns zuhause, wo wir nichts Aufregenderes zu tun haben, als eine Kondomfrage zu klären. Ich fand es durchaus beeindruckend, dass der Geschlechtsverkehr in "Let's Talk about" grundsätzlich nur als "Problem" dargestellt und wie ein geschäftliches Anliegen diskutiert wird. Irgendwann ist das Spiel dann abgeschlossen und man weiß nicht recht, was man eigentlich erreicht hat - außer vielleicht, dass unser Hauptcharakter nach einer kondomlosen Nacht mit der Aids-Beratung telefoniert hat. Unterschiedliche Spielverläufe laden zu wiederholten Durchgängen ein. So kann es etwa passieren, dass man in der Disco homosexuell wird. Insgesamt verändert sich aber so gut wie nichts, denn man trifft stets auf dieselben Idioten und Idiotinnen, die immer gleich als gut, böse oder abweisend vorprogrammiert sind.

Was bleibt, ist ein Dialog-Adventure, das vermutlich die Jugend anzusprechen gedenkt. Dabei muss es sich jedoch um eine ziemlich verkorkste Jugend handeln. Die Texte sind nicht nur plump, sondern ebenso prüde. Es schmückt sich als Lehrkurs in Liebe, aber wer diese Belehrungen für voll nimmt, dem ist ohnehin nicht zu helfen. Unter den 3rd person-Werbeadventures findet man beispielsweise "Tim und Nina", das im Gegensatz hierzu von tollem Humor zeugt und sich als wesentlich erwachsener und reifer entpuppt. Wer braucht da bitte ein "Let's Talk about... Liebe, Lust und Aids", das zwar Worte wie "Kondom" aussprechen kann, aber wo man es sich kaum wagt sexuelle Vorgänge nur im Ansatz zu bezeichnen. Ein einziger Witz! Um sich davon zu erholen empfehle ich eine durchtriebene Folge Domian. ;)

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