Mittwoch, 26. September 2012

Kommerziell: The Last Dynasty

The Last Dynasty

Die Adventures von Coktel Vision waren schon immer speziell und haben mich nicht zuletzt deshalb stets begeistert. Allerdings gab es da auch die eine oder andere Gurke. "The Last Dynasty" ist eigentlich gar nicht so wirklich ein Adventure. Im Vordergrund stehen die Raumschiffgefechte, doch ein kleiner Adventure-Part wurde ebenfalls eingeflochten. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht ganz. Vermutlich war Coktel Vision einfach so sehr mit dem Genre verbunden, dass es sogar in Spielen wie diesem einen Platz erhalten sollte.

Die erste Herausforderung war für mich das Verständnis der Handlung. Ein außerirdischer Diktator gedenkt sich am universalen Wissen zu vergreifen und wird dieses möglicherweise missbrauchen. Unser primäres Ziel ist es wohl dies zu verhindern. Die Präsentation dieser öden Story erscheint mir hochgradig trashig, vermittelt aber leider keinen falschen Gesamteindruck. Unterirdisch und nervtötend ist vor allem die deutsche Synchronisation. Nun möchte ich kurz auf die Weltraumschlachten eingehen und mich eher dem Adventure-Teil widmen. Besagte Kampfsequenzen konnten bei mir jedenfalls nicht punkten. Sie waren nicht nur übermäßig schwierig, sondern zudem schleppend und fern jeder Innovation. Es war ein hartes Unterfangen überhaupt soweit vorzudringen, dass ich mich in meinem Lieblingsgenre wiederfinden durfte. Da hinterher, wie die Komplettlösung verrät, auch schon Schluss war mit der Sonderbeilage "Adventure", habe ich mich nicht mehr allzu lange mit den Battles befasst. Außerdem reicht hierfür meine Geduld nicht aus.

Der Adventure-Part führt uns auf eine Raumstation. Dort dürfen wir endlich mal unser Schiff verlassen und die für ihre Zeit recht hübsche Science Fiction-Umgebung aus der ersten Person begutachten. Dabei erkunden wir verschiedene Etagen, fahren ein wenig mit Aufzügen und machen uns hauptsächlich mit diversen Gerätschaften bekannt. Insgesamt sind die Rätsel also technisch angelegt, direkte Konversationen mit unseren Widersachern finden nicht statt. Vielmehr muss man sich gegen die Wächter zur Wehr setzen - unser Phaser schafft Abhilfe. Somit beinhaltet ebenso der Adventure-Teil eine leichte Action-Dosis. Coktel-typisch und gewohnt simpel ist die Steuerung. Ein Rechtsklick öffnet ein minimalistisches Inventar auf dem Bildschirm, das bis zum Ende nicht viele Items umfassen wird. Relevante Hotspots sind großzügig betextet. Wechseln wir eine Szene, unternimmt der Hauptcharakter gleich mehrere Schritte und sorgt für schön animierte Übergänge. Bei den Menschen auf der Station handelt es sich um Schauspieler - was aber bereits im Intro sowie in zahlreichen Cutscenes der Fall war. Musik und Geräuschkulisse sind lebhaft, doch die Melodien hauen mich in der Regel nicht vom Hocker. Damit der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kommt, wurden einige Zwischensequenzen, in denen etwa Wächter beseitigt werden, humorvoll umgesetzt.

Diesen innerhalb einer Stunde zu bewältigenden Mittelteil hätte man sich gut als Kapitel eines spannenden Science Fiction-Adventures vorstellen können. Völlig in sich abgeschlossen kann er mich allerdings noch längst nicht überzeugen. Er wirkt zu steril und schlicht, fast so banal wie die Kämpfe, die einem jedoch weitaus besser den Nerv rauben werden. "The Last Dynasty" wird wohl keinen Adventure-Fan entzücken, vermutlich aber auch kaum andere Interessen befriedigen können.

Produzent: Coktel Vision, Vertrieb: Sierra
Jahr: 1994

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