Sonntag, 9. Dezember 2012

Kommerziell: Eric The Unready

Eric The Unready

Die Spiele von Legend Entertainment begeisterten stets mit aufregenden Settings, innovativen Interfaces, liebevollen Grafiken und gelegentlich auch mit einem unvergleichlichen Humor. "Eric The Unready" war 1993 der direkten Konkurrenz eines berühmten 3rd person-Zauberers ausgesetzt. Unbekannt ist sein unvergessliches Abenteuer dennoch nicht geblieben.

Vielleicht ist Ritter Eric einer der letzten Helden jener Zeit. Das mag natürlich daran liegen, dass es in dieser Hinsicht keine allzu große Auswahl gibt. Eher zufällig wurden ihm Ruhm und Ehre zuteil, wenngleich er nach wie vor nur ein unglaublicher Tollpatsch ist. Prinzessin Lorealle jedenfalls ist von seinen Taten überzeugt. Dass ihr Vertrauen in unseren Hauptcharakter keine Fehlinvestition ist, dürfen wir ihr nun beweisen. Denn um die von einer furchterregenden Hexe entführte Königstochter zu retten begeben wir uns mit Eric auf eine haarsträubende Reise durch eine vollkommen ausgeflippte Fantasy-Welt, in der wir Elfen, Einhörnern, Göttern und Göttinnen sowie vierköpfigen Affen begegnen. Wie verrückt "Eric The Unready" ist, wird dem aufmerksamen Spieler sofort bewusst. So muss unser Held eine Dame küssen, die in ein Schwein verwandelt wurde, oder die magische Banane aus dem Stein ziehen, nachdem so mancher Edelmann an diesem Vorhaben gescheitert war. Und dann waren da noch die gnadenlosen Schildkröten, welche die Hintertür des Schlosses bewachen. Ich hatte zeitweise das Bedürfnis mich an den Stuhl zu fesseln um nicht lachend auf den Boden zu stürzen. Der Humor der Autoren schreckt vor Anspielungen am laufenden Band keineswegs zurück. So wird sich etwa auf Zork, Monkey Island oder Star Trek eingeschossen, was auf eine Weise geschieht, die weitaus mehr als ein müdes Grinsen hervorruft.

Begutachten wir zunächst die Steuerung. "Eric The Unready" mag ein Textadventure sein, solange man es als solches nutzt. Eigentlich ist es jedoch vielmehr Point and Click. Jeder Befehl kann mit der Tastatur eingegeben werden. Oftmals dürfte diese Methode sogar schneller funktionieren. Ein Kompass ermöglicht es durch bequemes Klicken in alle vorhandenen Himmelsrichtungen abzubiegen. Über "Map" kann man sich die Orientierungskarte des jeweiligen Ortes anzeigen lassen und "Inventory" listet auf, was Eric bislang in seinen Taschen angehäuft hat. Wesentlicher Bestandteil des Interfaces ist das ausgeklügelte Baukastensystem. Es umfasst nicht nur grundlegende Befehle, sondern eine umfangreiche Ansammlung von Verben, die mit Inhalten der Objekt-Spalte kombiniert werden können. Diese Spielerei gestattet es Wortketten von 2-3 englischen Vokabeln zu bilden und nach Belieben auch längere Sätze. Auf diese Weise wird die Tastatur ersetzt und der Parser mit Point and Click gesteuert. Mit "Talk to Character" wird ein Multiple Choice-Menü geöffnet, das zur Lösung meist unnötig ist, aber dennoch mit lustigen Dialogen aufwartet. Insgesamt werden uns Rätsel gestellt, die sich gewaschen haben. Dazu zählen zudem Minispiele, wie etwa ein Memory gegen einen Elf oder eine urkomische Jeopardy-Variante.

Doch nun zu den angenehmen Begleiterscheinungen: Grafik und Musik sind absolut hochwertig. Der märchenhafte Stil des im kleinen Fenster abgebildeten Backgrounds lenkt vom Interface ab, denn man kann seinen Blick kaum davon abwenden. Spiele wie "Eric The Unready" stellen optisch so manche Genre-Konkurrenten in den Schatten. Und es etabliert sich in allen Belangen als modernes Textadventure. So werden wir zwischen den Kapiteln mit etlichen Cutscenes beliefert, die den ganzen Monitor ausfüllen, während das Interface ausgeschaltet ist. Hübsche Animationen sind bei "Eric The Unready" an der Tagesordnung und tauchen ebenso in einigen Szenenbildern auf. Mit bloßer Statik wollte Legend nichts zu tun haben. Die überall anwesenden Melodien sind einprägsam und zeugen von immenser Qualität. Außerdem wurde hier andauernd variiert, sodass uns die Musik niemals langweilt.

Zum Schreien komisch? Tatsächlich steht "Eric The Unready" seinem Kollegen "Simon The Sorcerer", der im selben Jahr als Neuling die Magier-Bühne betrat, in nichts nach. Legends Gameplay mag etwas traditioneller sein und dennoch löst es sich von Zeiten des staubtrockenen Parser-Spiels los und demonstriert eindrucksvoll, wer der wahre König im Reich des fantastischen Ego-Adventures ist.

Produzent: Legend Entertainment
Jahr: 1993

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