Donnerstag, 10. Januar 2013

Kommerziell: Personal Nightmare

Personal Nightmare

Adventure Soft, das Entwickler-Team von "Simon The Sorcerer", kann auf eine wildbewegte Jugend zurückblicken. Früher produzierte die Firma von Mike Woodruffe unter dem Namen Horror Soft weniger "harmlose" Spiele. Mit Titeln wie "Personal Nightmare" verpflichteten sie sich komplett dem gruseligen Genre.

Aus Treue zur Familie kehrt unser Hauptcharakter in seine ursprüngliche Heimat Tynham Cross zurück. In jener winzigen Ortschaft scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Insbesondere aber beschäftigt ihn das Verschwinden seines Vaters, der dort seit jeher als Dorfpfarrer tätig war. Also nehmen wir gemeinsam mit unserem Helden die Spur des Geistlichen auf und sind gleichermaßen bemüht die Wurzel des Übels ausfindig zu machen, das sich inzwischen über die gesamte Bevölkerung erstreckt hat. Von nun an kreuzen nicht nur normalsterbliche Bürger unseren Weg, sondern ebenso Dämonen, Vampire und ähnliche Kreaturen, die uns einen schnellen Tod bereiten können. Es beginnt ein in Echtzeit verstreichender Horror-Krimi, in dessen Verlauf wir manchmal ganz in Deja Vu-Manier den Kontakt zur Polizei suchen. Frustrierend ist allerdings, dass leicht mal ein Gegenstand übersehen wird, der später noch seinen Nutzen hat. Und wenn man diesen nachträglich besorgen will, gerät man rasch in Zeitnot, da man "Personal Nightmare" innerhalb weniger Tage - nach spielinternem Kalender - absolvieren muss. Anderenfalls wird man den Kampf gegen das Böse verlieren. "Personal Nightmare" ist ein Textadventure, das nicht nur mit schlichtem Parser, sondern einem etwas modernerem Interface ausgestattet ist. Befehle, die oft in Anspruch genommen werden, können aus einer Liste auf der rechten Monitorseite mit der Maus ausgewählt werden. Der Kompass in der Ecke ermöglicht eine bequeme Fortbewegung und Orientierung durch die zahlreichen Locations. Möchte man die Objekte im Raum sowie im Gepäck anzeigen, kommt man an einem Klick auf die Buttons "Room" und "Inventory" nicht vorbei. Mittels "Drag and Drop" können dann Items zum Beispiel vom Zimmer in das eigene Inventar verschoben werden. Auf musikalische Begleitung, welche die Atmosphäre hätte unterstreichen können, wurde leider verzichtet. An einigen Stellen wurden zumindest Soundeffekte eingebaut. Das Design der Hintergründe hat nicht exakt meinen Geschmack getroffen, doch die Darstellung der Umgebung ist detailiert und die agierenden Menschen nicht immer statisch. Als qualitativ hochwertiger habe ich die gruseligen Mini-Cutscenes empfunden. Bedauerlicherweise ist den Programmierern ein ärgerlicher Fehler unterlaufen, sodass sich der blaue Himmel im Szenenbild nicht verflüchtigt, obwohl die Nacht laut Dorf-Uhr längst angebrochen ist.

In den 90er Jahren wechselte Horror Soft sein Image in allen Belangen, so wurde sich auch endgültig von der Ego-Perspektive verabschiedet. Das hier besprochene "Personal Nightmare" hatte noch nicht den Reiz dieser späteren Adventures. Zwar sind die schaurigen Animationen gelungen, aber das Gameplay beschwerlich und die Geschichte zu trivial. Wer sich nicht - wie ich - von diesen Faktoren abstoßen lässt, dürfte mit dem Klassiker seine Freude haben.

Produzent: Horror Soft
Jahr: 1989

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