Samstag, 23. Februar 2013

Werbespiel: Die goldene Mähne des Samson

Die goldene Mähne des Samson

Werbung für eine Tabakmarke? Ja, ist das denn die Möglichkeit? Nun, heute funktioniert das sicher nicht mehr so gut. Damals entstand mit "Die goldene Mähne des Samson" sogar ein 1st person-Adventure im Auftrag der im Titel erwähnten Firma. Allerdings wird an keiner Stelle dieses Machwerks über Zigaretten gesprochen. Als Entschädigung wird der legendäre Löwenkopf in den düsteren Katakomben regelmäßig zu bewundern sein.
Petra ist keineswegs der Name unseres Hauptcharakters, sondern der Startpunkt des Abenteuers. Es ist ein mystischer Ort in Jordanien, an dem wir einen Flugzeugabsturz erlitten haben. Grund hierfür ist ein Pilot mit einer Schwäche für Alkohol, die er auf der Erde nur heimlich befriedigt, in der Luft dafür aber hemmungslos. Ach, Moment, das stammte jetzt aus einer anderen Serie. Wie auch immer: Unser Held, dessen Geschlecht von uns frei festgelegt werden kann, muss die ratternde Maschine einigermaßen sanft im Wüstensand zum Stehen bringen. Nach der fantastischen Selbstrettungsaktion sind wir so verzweifelt, dass wir uns in der Gesellschaft eines Archäologen oder einer Archäologin wortwörtlich in die "Höhle des Löwen" begeben. Ab sofort führen wir mit unserem Begleiter oder Begleiterin dämliche Dialoge, die sich irgendwo zwischen Flirt- und Antiheld-Sprüchen bewegen. Ähnlich trocken und oberflächlich laufen die Gespräche mit den Einheimischen ab. Je nach persönlichem Humor kann man eventuell mal darüber lachen. Die Story sieht jedenfalls folgendermaßen aus: Wir müssen uns durch unzählige Gänge quälen um in den Besitz der goldenen Mähne des Samson (TM) zu gelangen. Der Rest ist Zierwerk.

Das Durchhaltevermögen der Autoren war unerschöpflich: Tatsächlich liegen drei nicht gerade kurze Kapitel vor uns, die von Puzzles, Minigames und Irrwegen nur so wimmeln. Nun lasst mich noch mit einem alten Gerücht aufzuräumen: "Die goldene Mähne des Samson" ist KEIN Actionadventure. Manchmal gilt es lediglich aus den Wänden schießenden Pfeilen oder Bowlingkugeln in Übergröße auszuweichen. In solchen Gefahrenmomenten kann sich unsere Energieleiste verringern, die sich mit Obst oder Fleisch ausgleichen lässt. Glücklicherweise ist unsere Umgebung mit diversen Speisen gepflastert. Natürlich haben uns unsere Eltern eingetrichtert, dass wir nicht vom schmutzigen Boden essen sollen, aber in Notsituationen hat man eben seinen eigenen Kopf. Ein "Game Over" ist nicht zu befürchten, denn sobald wir komplett an Kraft verloren haben, finden wir uns zu Beginn des jeweiligen Abschnitts wieder. Aufgestöberte Items oder gelöste Rätsel bleiben dabei gespeichert. Trotz handfester Rollenspiel-Elemente und 360°-Drehbarkeit müssen in diesem Adventure also keine Gegner bekämpft werden. Umso härter sind die Knobeleien, die uns bevorstehen. Ob Porzellanflipper, Indianerprüfung oder Mahjongg - es durfte keine Herausforderung zu hoch sein. Grafisch macht "Die goldene Mähne des Samson" den Eindruck eines zu seiner Zeit äußerst professionellen 1st person-Labyrinthspiels. Für die besagten drei Episoden wurden umfangreiche und imposante Dungeon-Welten geschaffen. Zwar entpuppen sich die Charaktere, auf die man in den einzelnen Levels stößt, als reiner Pixelbrei, doch wenn man mit dem Sprechblasen-Icon auf sie klickt, kann man seinen Konversationspartner als im Vordergrund eingeblendete 2D-Figur betrachten, wie es meist eher in Comic-Adventures realisiert wurde.
Ich möchte gerecht sein: "Die goldene Mähne des Samson" ist nicht unbedingt mein Lieblingsspiel, wie man dem Review anmerken sollte. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich die Katakomben gezogen haben wie Kaugummi - und das, obwohl man hier für Zigaretten wirbt. Die Rätsel sind wirklich gut durchdacht, entsprachen aber nicht meinem Geschmack. Trotzdem hat das 3D-Dungeon-Game seine Fans gefunden.

Produzent: Ad Games
Jahr: 1994


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