Dienstag, 12. März 2013

Kommerziell: 1953 - Im Netz des KGB

1953 - Im Netz des KGB

Das ursprünglich als "Phobos 1953" angekündigte Adventure zog bereits im Voraus hohe Erwartungen nach sich. Schließlich stammt es von den Produzenten des gerne als Meisterwerk titulierten Outcry - Die Dämmerung. "1953 - Im Netz des KGB" ist das jüngste Spiel einer Entwicklerschmiede, die lieber ungewöhnliche Wege geht, anstatt dem "Mainstream" zu genügen. Ich habe mich nun zum zweiten Mal damit beschäftigt.

Moskau 1953: Wir beobachten, wie Automobile und Trambahnen auf den innerstädtischen Straßen verkehren und parallel dazu beeindruckende Menschenmassen seelenruhig ihrem Weg folgen. Zwischen den Wolkenkratzern entsteht ein lebhaftes Bild dieser hochzivilisierten Metropole. Dann der Wechsel: Der Glanz des russischen Alltags schwindet, der Boden verschlingt uns. Wir werden heruntergezogen in die wahren Abgründe jener Zeit, deren Ausmaße sich den Kenntnissen des Normalbürgers verschließen. Es ist ein Bunker mit technischen Geräten, schlechter Luft und einer geradezu verstörenden Atmosphäre. Doch was genau dort vor sich geht, gilt es zunächst herauszufinden. Wir schlüpfen in die Rolle eines Reparateurs, der hier aus einer Ohnmacht erwacht und zusehen muss, wie er aus diesem geheimnisvollen Verlies fliehen kann. Im Verlauf dieser kreativen Story wird die russische Historie mit philosophischen Zügen auf eine recht schockierende Art in Angriff genommen. Die Kommunikation ereignet sich in erster Linie zwischen uns und unserem Hauptcharakter, der uns in seine Gedanken und Befürchtungen einweiht. Weitere Konverstationspartner sind kaum vorhanden. Besonders ist zu bemerken, dass wir praktisch überall alleine sind und nie einen Menschen im Blickfeld haben werden - dies geschieht lediglich in der Form von Erinnerungs-Cutscenes. Stattdessen teilt sich ein Fremder über Lautsprecher mit, die in verschiedenen Zimmern angebracht sind. Neben den Worten dieses Mannes und sonstigen hinter Wänden versteckten Personen sind vor allem jegliche Zeugnisse, die von Leuten hinterlassen wurden, von entscheidender Wichtigkeit für die Lösung sowie das Verständnis der Geschichte. Allerdings sind die Texte manchmal arg anstrengend und nicht immer eine interessante Lektüre.

Die düstere Atmosphäre, die "1953" umgibt, schafft ein gutes Gesamtbild. Zumindest anhand der deutschen Fassung kann ich beurteilen, dass die Synchronisation gelungen ist. So haben etwa die Weisheiten unseres Lautsprecher-Phantoms einen schaurigen Klang. Eine ideale Geräuschkulisse und die sparsam verwendete, aber erstklassige Musik erzielt Gänsehaut und die Darstellung des unterirdischen Settings wirkt schlichtweg authentisch. Der Spieler kann sich in alle Richtungen drehen, während er die farblosen und angsteinflößenden Kellerräume auskundschaftet. Außerdem gibt es die tollen Effekte, durch die wir zwangsläufig mit unserem Alter Ego mitfühlen müssen und noch intensiver in das Erlebnis "1953" involviert werden. So müssen wir zum Beispiel erkennen, dass wir von einem freigesetzten Gift gelähmt sind und bis zu unserer selbst herbeigeführten Heilung mit einer beeinträchtigen Sicht und dem verzweifelten Keuchen der Spielfigur umgehen müssen. Begeistert haben mich zudem der Stummfilm im Intro und die Schwarzweiß-Fotografien im Outro. Die Rätsel bewegen sich auf hohem Niveau und werden dadurch erschwert, dass man ständig in seinen Unterlagen nachgucken muss um sich der Lösung anzunähern. Um einen gewissen Komfort in diese Angelegenheit zu bringen wurde das Interface mit zwei Teilen ausgestattet: Unten befindet sich das herkömmliche Inventar, in dem kombinierbare Dinge abgelegt werden. Die obere Leiste dagegen dient als Gedächtnis und speichert betrachtete Dokumente. Diese müssen zum wiederholten Lesen nur angeklickt werden, auch wenn das Original an einem anderen Platz verbleibt.

"1953 - Im Netz des KGB" funktioniert mit den Motiven des modernen Indie-Games und ebenso als traditionelles 1st person-Adventure. Die Kunst- und Geschichtsaspekte wurden auf eine Weise inszeniert, die keine Langeweile aufkommen lässt. Es kann dem hervorragenden "Outcry" zwar nicht das Wasser reichen, was aber kein Problem darstellen sollte. Kurz und gut: Ich hoffe auf viele neue Werke von Phantomery Interactive.

Produzent: Phantomery Interactive
Jahr: 2012

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