Samstag, 23. März 2013

Kommerziell: Dogday

Dogday

In diesem 1st person-Adventure der Firma Eyst wird der Vierbeiner zum Zweibeiner und darüber hinaus politisch aktiv. Ich habe mir einen Eindruck davon verschafft, ob "Dogday" nur großes Gekläffe ist oder gar ein unbeachtetes Meisterwerk.

Eine düstere Welt erwartet uns: Während Chegga, jene Ober-Bulldogge, seine Macht und sein Ansehen genießt, müssen wir unser tristes Dasein in einer notdürftigen Unterkunft fristen. Wieder belagert der übliche Obdachlose unseren Hauseingang und die Straßen werden von der Hundepolizei terrorisiert, die im Auftrag der Regierung unterwegs ist. Was brauchen wir in Tagen wie diesen? Natürlich einen Helden, der seinen IQ und seine Kontakte bemüht. Einer muss doch dazu imstande sein diesem totalitäten Staat zu seiner verdienten politischen Wende zu verhelfen. Dieser Jemand sind wir und so liegt es an uns handkräftige Beweise an Land zu ziehen, welche die Wahrheit über Chegga ans Licht bringen. Vermutlich wird KATZ uns bei diesem Plan von Nutzen sein. Das bedeutet "Koalition AntiTotalitärer Zielgruppen" und somit lässt sich erahnen, wer unsere Sympathien teilt.

"Dog Day" schlägt in fast allen Bereichen eine eigene Richtung ein. Zunächst einmal verfügen wir über zwei Inventarleisten, die jeweils links und rechts vom Szenenbild platziert sind - dieses Interface-Konstrukt grenzt bereits an einer Revolution. Der andere Punkt, der Umgewöhnung fordert: Man trifft Personen an, mit denen man keine Konversation führen kann. Also müssen wir den Hunden vom Gesicht ablesen, was sie von uns verlangen. Jegliches Wissen über die vorherrschenden Umstände eignen wir uns durch die Lektüre von Zeitungsartikeln an. Die Recherche in Cheggas digitalem Presse-Archiv verspricht mehr, als wir unterm Strich geboten bekommen. Unser Abenteuer wird bedauerlicherweise mit frustrierenden Rätseln verschandelt, dessen Sinngehalt zu wünschen übrig lässt. Zu allem Überfluss lotsen uns die Produzenten durch ein gigantisches Abwassersystem, dessen Existenz darin begründet ist unsere Vorliebe für kniffligste Labyrinthe zu befriedigen. Ein Besuch in der Spielhalle setzt dem leicht verstörenden Gameplay die Krone auf. Hier werden wir gleich an drei Automaten gebeten, an welchen wir den nicht allzu niedrigen Highscore knacken müssen. Dabei handelt es sich um Abwandlungen bekannter Klassiker wie "Pac Man" und "Space Invaders" und je nach Erfahrung müssen dafür schon einige Stunden investiert werden, bis wir den jeweiligen Preis absahnen können. Es sind Arcarde-Sequenzen, auf die man gut hätte verzichten können. Trotz aller Action wird unser Held vom Tod verschont bleiben. Sperren uns die Gesetzeshüter in eine Zelle, ist das keine Sackgasse, sondern fester Bestandteil der Geschichte. Die Grafik hat zumindest eine Stärke: Sie realisiert ein bedrückendes Gesamtbild der finsteren Metropole - nur kein besonders hübsches. Dasselbe gilt für die stets mitgenommen dreinblickenden Charaktere. Ich bezweifle aber, dass ich diese mit Bestimmtheit als Hunde identifiziert hätte, wenn ich nicht besser informiert gewesen wäre. Die Technik hinter "Dogday" ist schlichtweg unausgereift. Manchmal läuft unser übereifriger Alter Ego zu weit, obwohl wir ihm gar nicht die Anweisung dazu gegeben haben. Außerdem haben spontane Spielabbrüche meine Geduld beansprucht. Neben subtiler Musikuntermalung fügt sich die lebhafte Geräuschkulisse mit gequältem Hundejammern wirkungsvoll in die Präsentation der grausamen Diktatur ein.

"Dogday" verschenkt Potential auf ganzer Linie. Letztlich entpuppt es sich als eine müde Umsetzung, an die scheinbar motivationslos ein enttäuschende Ende gehängt wurde. So hatten die Entwickler den Mut ihr Adventure als "Stummfilm" zu verpacken, was das Ergebnis eher negativ beeinflusst hat. Humorvolle sowie tiefe Dialoge hätten ihm mehr Pep verabreicht, denn dieser fehlt an allen Ecken. Die Grundatmosphäre ist zwar toll, ansonsten schwächelt es jedoch vor sich hin und lässt sich nie wirklich genießen. Schade!

Produzent: Eyst
Jahr: 1996

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen