Freitag, 1. März 2013

Kommerziell: Pyst

Pyst

Kein Tippfehler, sondern die knallharte Wahrheit: Ein inzwischen verstorbener Comedian namens Peter Bergmann nahm sich auf humoristische Weise dem Cyan-Klassiker "Myst" an und schuf dazu eine Welt, die aus zehn Szenenbildern und grenzenlosen Massen von Müll bestand. Ob diese Parodie demnach einen Anspruch auf Recycling hat, wird sich im folgenden Review aufklären.

Was verbirgt sich hinter Pyst Island? Ein erstrebenswertes Urlaubsziel? Unhygienische Bedingungen, verseuchte Gewässer und radioaktive Strahlung - eigentlich der Inbegriff dessen, wo man sich keine fünf Minuten freiwillig aufhalten möchte. Immerhin leben hier skurrile Persönlichkeiten, die vermutlich zu viel von der schlechten Luft inhaliert haben. Mehr fällt mir zur Story nicht ein. Die Grafik hinterlässt nicht den besten Eindruck, was womöglich mit der trostlosen Deponie- und Schrottplatz-Optik zusammenhängt. Außerdem wurden die gerenderten Hintergründe um FMV-Elemente bereichert, sodass die Nebencharaktere in den Dialog-Sequenzen von Schauspielern dargestellt werden. Beschäftigen wir uns nun mit dem Gameplay! Moment, welches Gameplay? Richtig, ich meinte jene unsinnigen Aktionen, die verursacht werden, sobald man mit dem Mauscursor auf einen Gegenstand klickt. Ich weiß nicht, ob die Autoren zu faul waren einen Lösungsweg zu entwerfen oder ob sie eine Anekdote an den Myst-Vorgänger The Manhole einbeziehen wollten. Letzteres wurde jedoch für Vorschulkinder ins Leben gerufen, während sich der mit "Myst" vertraute Adventurespieler wohl lieber größeren Herausforderungen widmet. Bergmann schien deren Bedürfnisse bewusst zu ignorieren, sodass man ausschließlich die Umgebung erforschen kann ohne dabei auf das kleinste Rätsel zu stoßen. Jeder der im Postkartenformat gestalteten Screens kann zudem auf zwei Arten gewendet werden (sozusagen dreiseitige Postkarten?) um in Erfahrung zu bringen, welche Botschaften die Besucher dieser idyllischen Insel ihren Adressaten zukommen lassen. Auf eine Fortentwicklung der Handlung muss in diesem Exploration-Game verzichtet werden und das "Pyst"-Prinzip besteht lediglich in einer bloßen Aneinanderreihung wenig geistreicher Witze. An entsprechenden Bonusfeatures wurde nicht gespart: Der eigens komponierte Titelsong "I'm Pyst" kann in beliebiger Länge angehört werden, sofern das Gehirn dabei nicht abstirbt. Zusätzlich wurde ein Making Of integriert, das uns mit einer wichtigen Erkenntnis in Bezug auf das Team konfrontiert: Die Jungs sind wirklich so. Und da dachte man schon, man hätte über die zugegebenermaßen amüsanten Schauspiel-Szenen gelacht, weil die Charaktere von talentierten Menschen verkörpert werden.

Trotz des anzuzweifelnden Erfolgs ging später eine Fortsetzung mit dem Titel "Driven" in Produktion, die den Fertigungsprozess allerdings nie überstanden hat. Als Verlust wage ich das nicht zu bezeichnen, denn nach diesem einzigartigen Trash-Erlebnis finden sich keine großen Worte mehr - außer vielleicht: I'm really Pyst off!

Produzent: Peter Bergmann, Vertrieb: Parrot Interactive
Jahr: 1996

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