Freitag, 15. März 2013

Kommerziell: Yucatan

Yucatan: Das Gold der Mayas

Einmal mehr folgt ein Review zu einem der vielleicht gurkigsten Adventures aller Zeiten. "Yucatan" hat nicht nur denselben Publisher wie das legendäre Mystic House - es nutzt zudem die gleiche Engine und weist unzählige Parallelen auf. Alles deutet auf einen identischen Entwickler hin, der sich aber nicht Sono Press, sondern Dosch Design nennt. Von Geistern mit lustigen Hüten und Sonnenbrillen wechselt das Setting jetzt zur Kultur der Maya.

Wir beobachten, wie sich Greg Armstrong, ein äußerst erbärmlicher Indiana Jones-Verschnitt, durch einen Dschungel kämpft, welcher aus Kunstpflanzen besteht und sogar seltenen Tierarten der Gattung Plastikschlange ein Zuhause bietet. Greg erläutert uns nun, was er da überhaupt tut. Sein Redeschwall kommt dabei so unmotiviert aus seinem Mund geflossen, als wäre er zu dieser grottigen Synchronisation gezwungen worden. Wie auch immer: Die geheimnisvolle Stadt Taipiti in Mexiko ist das Ziel seiner anstrengenden Reise, doch als er sich schließlich den Toren dieses Urwäldler-Atlantis nähert, fällt er in ein tiefes Loch. Dasselbe sollte in diesem Moment mit dem Spieler geschehen sein, der erkannt hat, was er sich da eigentlich angeschafft hat. Anfangs befinden wir uns in einer Höhle, von der aus wir einen gigantischen Maya-Tempel aufstöbern müssen. Im Gegensatz zu "Mystic House" präsentiert "Yucatan" neue Schwerpunkte: Das Archäologie-Adventure ersetzt die Videos durch echte Rätsel, die sich eher an der "Myst"-Tradition orientieren. Nur einen einzigen Dialog beschert uns ein alter Ureinwohner, der einen prächtigen Wattebart besitzt und damit jedem Weihnachtsmann die Show stiehlt. Jener Einheimische wird uns eine tolle Hintergrundgeschichte erzählen, wobei scheinbar modernste "Nuschel Surround"-Technik angewandt wurde. Letztendlich hatte ich keine Ahnung, wovon dieser Greis gesprochen hat und ob er nicht gerade ein paar Flaschen taipitischen Whiskey heruntergespült hat. Vor einem fordernden Treppenaufstieg empfiehlt es sich übrigens abzuspeichern, denn ein falscher Fußtritt befördert unseren Helden im Discounter-Archäologenoutfit schnell ins Jenseits. Den vorwiegenden Rätselanteil dieses relativ knapp bemessenen Werks aber macht ein XXL-Labyrinth aus, in dem wir bunte Masken sowie hölzerne Pforten suchen dürfen, welche uns mit harten Quizfragen auf die Probe stellen. Ein Plan mit genauer Wegbeschreibung, die einer Lösung im Spielverzeichnis beigelegt wurde, ist uns beim Durchmogeln behilflich. Allerdings ist das Starren auf diese Striche in der Editor-Datei vermutlich nicht weniger mühsam und lässt auf Dauer die Augen schmerzen. Immerhin ist die Musik recht stimmungsvoll.

Wie entsteht ein Erfolgsrezept? Man nehme eine möglichst unspannende Geschichte, denkt sich irgendwelchen Maya-Kram aus und winkt mit Goldbarren. Funktioniert das? Nein! Denn kaum hat man das Adventure gestartet, würde man Greg Armstrong sein dämliches Gold am liebsten hinterherschmeißen, sodass man seine Ruhe hat und endlich das Programm beenden kann. Da hätte man doch besser diese hübsche Plastikschlange aus dem Intro erworben. Die ist zumindest cool und man kann viel schöner damit spielen.

Produzent: Dosch Design, Vertrieb: Megadream Software
Jahr: 1997

1 Kommentar:

  1. Hab ich als Kind gespielt. Damals war das Labyrinth schier unlösbar...

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