Donnerstag, 16. Mai 2013

Kommerziell: Das Testament des Sherlock Holmes

Sherlock Holmes 6: Das Testament des Sherlock Holmes

Die "Frösche" werden nicht müde, wenn es darum geht die Abenteuer ihrer literarischen Lieblingsfigur fortzusetzen. In diesem Jahr wurde der sechste Teil der Sherlock Holmes-Reihe der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Feature berücksichtigt ganz unterschiedliche Interessen: Neben der Ego- und 3rd person-Perspektive kann zudem die "Kamera" direkt hinter dem Charakter angelegt werden. Und die entsprechende Einstellung kann im Spielverlauf nach Lust und Laune verändert werden. Die abgebildeten Screenshots wurden natürlich passend zum Blog-Thema in 1st person aufgenommen.

Die im Intro startende Rahmenerzählung entführt uns in eine Zeit, in der Holmes bereits zur Legende geworden ist: Einige offenbar gelangweilte Kinder schleichen sich auf einen Dachboden um dort ihre Neugier zu stillen. Schon bald entdecken sie die schriftlichen Hinterlassenschaften eines Doktor Watson, aus denen sie uns nun mit großer Begeisterung vorlesen. Alles beginnt mit einer gefälschten Halskette und einem grausam ermordeten Bischof. Im Verlauf der Ermittlungen müssen wir uns mit dem Wissensstand von Watson begnügen, dem das Verhalten seines werten Freundes immer befremdlicher vorkommt. Die Polizei möchte Holmes gar nicht erst einschalten, da er seine Recherchen im Geheimen auszuüben gedenkt - bis er selbst irgendwann im Mittelpunkt der Verdächtigungen steht und untertauchen muss. Kein Wunder also, dass der Doktor allmählich an der Vertrauenswürdigkeit seines Gefährten zweifeln muss. Watsons innere Zerissenheit färbt auf den ebenso ratlosen Spieler ab. Was verschweigt Holmes seinem Kollegen in Bezug auf diesen undurchsichtigen Fall? In der Regel steuern wir abwechselnd Holmes oder Watson. Um dem Begriff des Schnüfflers außerdem noch eine spezielle Bedeutung zu verleihen, darf man bei einer nächtlichen Spurensuchaktion sogar mal in den Körper von Hund Toby schlüpfen, der ansonsten nur in der Baker Street seinen Tagträumen nachgeht.

Das Adventure ist in über fünfzehn Abschnitte unterteilt, die sich nicht selten als umfangreich erweisen. Zwischen diesen Kapiteln findet meist eine Cutscene statt, in der wir weitere Informationen und Erklärungen erhalten oder schlichtweg neue Fragen aufgeworfen werden. Tatorte müssen bis ins geringste Detail inspiziert werden, damit wir uns anschließend der logischen Zusammenführung sämtlicher Fakten, einer sogenannten Deduktion, widmen können. Und wer nicht ewig im selben Raum verweilen möchte, der kann den "sechsten Sinn" aktivieren. Dadurch wird ein Hotspot angezeigt, der bisher entweder komplett verfehlt wurde oder zusätzliche relevante Indizien in sich birgt. Neben den komplexen Schlussfolgerungsaufgaben treiben etliche Puzzles und Minispiele den Schwierigkeitsgrad in die Höhe.Gnädigerweise wurde eine Überspringen-Option eingerichtet, mit der man sich perfekt vor Codeschlossrätseln und sonstigen Geduldsproben drücken kann. Solange es unsere Nachforschungen voranbringt, schreckt der rationale Detektiv nicht einmal vor chirurgischen Eingriffen bei Leichen zurück. Die Altersfreigabe ab 16 ist ohnehin berechtigt, denn häufig werden die Opfer verstümmelt vorgefunden. Benutzerfreundlich, wie "Das Testament des Sherlock Holmes" ist, durfte eine praktische Autosave-Funktion an bestimmten Punkten nicht fehlen. Das heißt jedoch nicht, dass man sich vor Gefahren zwingend in Acht nehmen muss. Wird man nämlich mal von unliebsamen Personen überrascht, spult das Spiel automatisch an jene Stelle zurück, an welcher man die falsche Entscheidung getroffen hat.

"Das Testament des Sherlock Holmes" knüpft technisch und grafisch an die Verhältnisse des Vorgängers Sherlock Holmes jagt Jack The Ripper an. Erneut bewegen wir uns durch eine imposante 3D-Umgebung, die niemals leblos erscheint. Passanten trifft man beinahe überall. Insbesondere im Armenviertel White Chapel sieht man leidgeplagte Menschen an jeder Ecke. Es handelt sich insgesamt um ein düsteres Adventure. Regelmäßig agieren wir bei Sonnenlicht, aber gerade ein gruseliges Setting wie das Hochsicherheitsgefängnis kommt in der Nacht selbstverständlich besser zur Geltung. In Sachen Grafik, Atmosphäre und Musik wurde professionell verfahren, sodass eine authentische Darstellung des Heimatlandes unserer Helden im neunzehnten Jahrhundert entstehen konnte.

Wie gewohnt versetzt uns Frogware absolut gekonnt in das historische England und bietet überzeugende Einblicke in die unterschiedlichsten Schauplätze des Königreiches. Was bleibt ist eine unfassbar spannende, dramatische und teils humorvolle Inszenierung mit unerwarteten Wendungen. In Anbetracht der Rahmenhandlung sowie der Endsequenz stellt sich allerdings die Frage, ob der Privatdetektiv nun vielleicht doch bereits mit seiner letzten großen Ermittlung betraut wurde. Ich hoffe es ja nicht.

Produzent: Frogwares, Vertrieb: Focus Home Interactive
Jahr: 2012

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Kommentare:

  1. Frogwares haben schon längst ein neues Holmes-Spiel mit dem Untertitel Crimes & Punishments in welchem es scheinbar mehrere Fälle zu lösen gibt.

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  2. Etwas missverständlich ausgedrückt vielleicht: Es ist in Produktion und soll noch dieses Jahr rauskommen, wie es aussieht. Aber danke für die Info! Ich hab das wirklich etwas überlesen, weil es ja auch zwischendurch immer mal Casual-Games mit Sherlock Holmes gab und es da leicht zur Verwechslung kommt. ;)

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