Montag, 13. Mai 2013

Kommerziell: Dream Zone

Dream Zone

Das für verschiedene Systeme veröffentlichte "Dream Zone" schleudert uns direkt in ein traumhaft schrilles Abenteuer, das von eigensinnigem Witz geprägt ist. Für dieses Review habe ich die Amiga-Fassung begutachtet.

Unser Alter Ego wird heute Nacht intensiv träumen. Doch zunächst erforschen wir noch etwas das Elternhaus und überprüfen, was sein kleiner Bruder im Nebenzimmer so treibt. Nach dem Einschlafen müssen wir aufpassen, dass wir nicht von der eigenen Toilette verschlungen werden und begeben uns über einen Sternenpfad in eine durchgeknallte Dimension, in der wir natürlich nicht unbedingt unseren Lebensabend verbringen wollen. Von nun an folgen wir also einem simplen Ziel: Wir müssen einen Ausweg aus diesem Gruselkabinett suchen. Zu diesem Zweck helfen wir unserem Pyjiamahelden in die dunkelsten Gassen vorzudringen, eine Audienz beim Kaiser zu erlangen, die Bürokratie zu bezwingen oder sogar eine Frau zu heiraten. Die Komik zeigt sich nicht zuletzt auch im Rätseldesign. Bei der Recherche nach einem bestimmten Formular werden wir in einem gigantischen Staatsgebäude von einem "schweinischen" Beamten zum nächsten gejagt. Hier haben sich die Autoren wohl ein Vorbild an "Asterix erobert Rom" genommen. Und wenn wir es wagen ein unanständiges Wort einzutippen, finden wir uns in dem Raum wieder, in den alle unartigen Jungs verbannt werden, bis sie aus ihren Fehlern gelernt haben. Unser treuester Begleiter sollte das Speichermenü sein, denn tödliche Gefahren lauern hinter so mancher Ecke. Storytechnisch erwartet uns keine richtige Entwicklung und auf Wendepunkte wurde ebenso verzichtet, wie auf eine tolle Endsequenz.

"Dream Zone" bietet insgesamt eine nutzerfreundliche Bedienung. Eine Kompass-Funktion hilft der Fortbewegung nach Himmelsrichtungen sowie durch die Buttons "Up" und "Down". Das begrenzt aufnahmefähige Inventar kann je nach Vorliebe an einer von zwei Stellen im Interface ein- und jederzeit ausgeblendet werden. Neun in der Befehlsleiste vorhandene Verben verleihen der Texteingabe zusätzliche Point- and Click-Unterstützung. Der Spieler behält aber die Freiheit sich allein auf den Parser konzentrieren zu dürfen. Die melodischen Ergüsse haben den Charme einer ohrenbetäubend piepsigen Jahrmarktmusik und fügen sich damit ideal in das entsprechende Setting in "Dream Zone" ein. An sonstigen Plätzen bemerkt man lediglich, dass man den Ton nicht vermissen würde. Größeren Eindruck machten auf mich die schrägen Szenenbilder und die skurril gezeichneten Persönlichkeiten. Menschen, Frösche, Haie, Schweine, Wölfe und eine ganze Rattenfamilie begegnen uns auf unserer Odyssee durch die Traumwelt und die konsequent fröhliche Farbgebung erinnert uns daran, dass es sich um ein Cartoon-Adventure handelt. Die auffälligen Hintergrundgrafiken wurden häufig animiert oder zum Leuchten gebracht und zeugen stets von hohem Detailreichtum.

Wenn ich mir "Dream Zone" so ansehe, wird mir zuerst die Dare To Dream-Reihe von Cliff Bleszinksi ins Gedächtnis gerufen. Das liegt einerseits an dem Traum-Überthema und andererseits an der bunten Umgebung, die ebenso von unzähligen Fantasiegeschöpfen bevölkert wird. Den Vergleich verliert "Dream Zone" leider, da die Epic Megagames-Adventures tatsächlich "epischer" sind und mehr Facetten sowie Tiefgang besitzen. Trotzdem empfand ich "Dream Zone" als permanent unterhaltsam und konnte mich an dem Humor und den sonderbaren Rätseln erfreuen.

Produzent: JAM Software, Vertrieb: Baudville
Jahr: 1988

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