Freitag, 26. Juli 2013

Kommerziell: Return to Zork

Return to Zork

Nach Zork - Der Großinquisitor möchte ich mich mit der früheren Vergangenheit dieser legendären Fantasy-Saga beschäftigen. "Return to Zork" war der erste Versuch die Ideen der klassischen Textadventure-Reihe in einem modernen Grafikadventure zu realisieren.

Wer diesen freundlichen alten Mann in seiner Wassermühle besucht, kommt an einem "Schluck Whiskey" nicht vorbei.
Als Sieger einer Fernsehlotterie dürfen wir uns im idyllischen Örtchen West Shanbar niederlassen. Der Haken daran ist, dass Erholung dabei eigentlich keine Rolle spielen soll. Stattdessen stattet man uns mit einem Abenteurer-Komplettpaket aus, das einen Pholobloid-Fotoapparat sowie ein Zony-Aufnahmegerät beinhaltet. Durch Verwendung des Tele-Orbs bleiben wir mit dem Magier Trembyle in Kontakt, der sich als kompetenter Reiseführer erweisen wird. Es ist also definitiv kein gewöhnlicher Urlaub, sondern vielmehr eine Erlebnistour, die gar nicht so ungefährlich scheint. Von speziellem Interesse sind uns das sagenumwobene Tal der Sperlinge und natürlich das ehemalige Untergrund-Imperium, ein Hort der bösen Mächte. Aber ist diese beunruhigende Ruinenstätte wirklich noch so leblos, wie sie es in den vergangenen Jahrhunderten gewesen ist? Finden wir es doch einfach heraus! Unser Trip beginnt mit einer monumentalen 3D-Kamerafahrt über die Wiesen und Hügel bishin zu einem Geier-Bergpass. Mit den damaligen Mitteln wurde hier ein beeindruckendes Intro geschaffen, das von einer geradezu orchestralen Hintergrundmusik begleitet wird. Mit den grafischen Qualitäten seiner beiden Nachfolger konnte "Return to Zork" selbstverständlich nicht aufwarten. Trotzdem wurde uns eine liebevoll gestaltete Umgebung errichtet, in der auch einzelne Szenenbilder eine enorme Lebendigkeit demonstrieren: Sei es durch Animationen, passend integrierte Melodien oder eine stimmige Geräuschkulisse. Letztlich wurde eine atemberaubende Atmosphäre erzeugt. Da "Return to Zork" in der Ära des Full Motion Video-Games erschien, schloss sich Infocom dieser Stilrichtung an und setzte Schauspieler als Nebencharaktere ein. Als bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen agieren etwa Robyn Lively (Twin Peaks) oder Sam J. Jones (Flash Gordon). Die wichtigste Aufgabe dieser Akteure ist es wohl möglichst schräg zu wirken. In der Tat haben mich diese Persönlichkeiten stets zum Lachen gebracht und fügen sich damit perfekt in die Zork-Serie ein, die schon immer mit einem kuriosen, aber ebenso genialen Humor ihre Fans gewinnen konnte.

Auch dieses Hotel und sein freundliches Personal können ihre Gäste nicht vor den Grues bewahren, sobald die Dunkelheit einkehrt.
"Return to Zork" zählt noch zu den Adventures, bei denen man ernsthaft aufpassen muss, was man tut. Denn gelegentlich kann uns ein Fehler unterlaufen, der uns in eine Sackgasse führt, ein sogenanntes Dead End. Dann muss im Zweifelsfall ein alter Spielstand geladen werden. Außerdem lauern überall schreckliche Gefahren, die uns bei Unachtsamkeit den Tod bescheren. Als prominentes Beispiel hierfür sind die Grues zu erwähnen, jene gefräßigen Monster, die sich von absoluter Dunkelheit anlocken lassen um sich an ihrer Beute zu ergötzen. Kurz und gut: Wer in dieser Welt komplett ohne Lichtquelle schlafen geht, wird die Konsequenzen tragen müssen - sogar in einem Hotel. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch angesetzt. Es sammeln sich im Verlauf unseres Abenteuers etliche Items an, die unser Gepäck zunehmend unübersichtlicher machen. Das Equipment, bestehend aus Kamera und Aufnahmegerät, ist nicht selten nützlich. Was damit visuell oder akustisch festgehalten wird, kann sich an bestimmten Stellen als zweckmäßig erweisen. Ab und zu werden wir mit Puzzle-Einlagen konfrontiert und wer Labyrinthe scheut, muss sich etwas vor diesem Spiel fürchten. Diese werden nämlich in verschiedenen Varianten zu bewältigen sein, wie in Form der flüsternden Wälder oder der Fledermaushöhlen. In der Regel werden aber Hilfsmittel und Hinweise geboten. Die Steuerung von "Return to Zork" reizt uns mit ihren sympathischen Eigenheiten: Jeder Klick auf einen Gegenstand öffnet ein kleines Menü mit Handlungsvorschlägen, aus denen wir wählen dürfen. Besonders bei der Kombination mit Items aus unserem Inventar wird eine Menge an häufig sinnfreien Befehlen aufgelistet. Warum sollte man nicht manchmal planlos den Tele-Orb oder einen Schlüssel durch die Gegend schmeißen? Bei "Return to Zork" bereitet es schlichtweg Freude dämliche Aktionen auszuprobieren. Bei Konversationen hören wir lediglich den Gesprächspartner reden. Antwort-Optionen stehen hier nicht zur Verfügung. Allerdings sind wir in der Lage Einfluss auf einen Dialog zu nehmen, indem wir gelangweilt oder eher fasziniert aus der Wäsche gucken, Versöhnlichkeit ausstrahlen oder gar eine Drohgebärde machen.

Die Macher von "Return vor Zork" hatten wohl eine besondere Vorliebe für Labyrinthe.
Mit "Return to Zork" ist den Infocom-Leuten ein atmosphärisches und urkomisches Werk gelungen. Es steckt voller verrückter Ideen und man spürt die Kreativität der Produzenten an allen Ecken. Wer sich für traditionelle Textadventures nicht begeistern kann, sollte mit dieser Episode in die multimedial dargestellte Welt von Zork einsteigen.

Produzent: Infocom, Vertrieb: Activision
Jahr: 1993

Freitag, 19. Juli 2013

Kommerziell: Overseer

Tex Murphy 5: Overseer

Das Tex Murphy-Abenteuer, mit dem Chris Jones und Aaron Conners 1998 an den Start gingen, sollte die Reihe eigentlich nicht abschließen. Leider kam dann alles ganz anders. Was heute als unbestrittener Klassiker des Genres gilt, war damals zunächst ein finanzieller Misserfolg. "Overseer" bot keine komplett neue Story, sondern war vielmehr ein Remake des ersten Tex Murphy-Case "Mean Streets", in dem man den Hauptcharakter aus der dritten Perspektive steuerte.

Über so mancher Kiste verbirgt sich auch mal ein kniffliges Rätsel.
"Overseer" beginnt nach den spektakulären Geschehnissen von The Pandora Directive. Tex Murphy hat eine Verabredung mit seiner Traumfrau Chelsee. Doch diese ist sich noch unsicher, ob das Private Eye im Inneren seines Herzens wirklich bereit ist den Grundstein für eine Liebesbeziehung zu legen. Das mögliche Hindernis trägt den Namen Sylvia Linsky und war einige Zeit mit Tex Murphy verheiratet. Um ihren potentiellen Partner auf seine Gefühle gegenüber der Verflossenen zu testen, lässt sich Chelsee von ihm eine alte Geschichte schildern, die uns zurück ins Jahr 2037 führt. Dort sucht jene Frau Linsky das Büro des Privatdetektivs auf und betraut ihn mit dem angeblichen Suizid ihres Vaters, hinter dem die junge Dame einen durchdachten Mord vermutet. Da die Polizei sich nicht weiter mit dem Fall befasst hat, liegt es nun an Murphy die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wie üblich entwickelt sich diese augenscheinlich kleine Aufgabe zu einer Mission von globalem Ausmaß. Was hat es mit dem Projekt "Overlord" auf sich, in das diverse Wissenschaftler, inklusive Carl Linsky, involviert waren? Zum wiederholten Mal beschäftigen sich die Autoren mit den tiefsten Abgründen der Menschheit und reißen im Verlauf dieser spannenden Geschichte interessante ethische Fragestellungen an.

Hier durchkämmen wir die Ruinen einer alten Anasazi-Kultur nach Hinweisen.
Selten kam ein FMV-Adventure mit solch faszinierenden und brillant verkörperten Charakteren daher. Allerdings beinhaltet der Cast auch renommierte Gesichter, wie etwa Michael York, der mich als Weltverbesserer J. Saint Gideon stark beeindruckt hat. Auf der anderen Seite amüsierte mich Richard Norton als stets belustigter Auftragskiller Jim Slade. In seiner Rolle als gnadenloser Fiesling ist er schlichtweg umwerfend... oder eher umlegend? Zumindest ereignen sich in seiner Gegenwart wohl die meisten Todesszenen im Spiel. "Overseer" ist vollgepackt mit aufwendigen Filmsequenzen, die sich nicht vor Kinoproduktionen verstecken müssen. Diese liefern uns nämlich fesselndes Schauspiel und Action, gelungene Atmosphäre und mit Humor gewürzte Dialoge. Darüber hinaus basiert diese Episode auf einer verbesserten Engine. Es ist ein 3D-Adventure wie seine Vorgänger, doch die Räume lassen sich benutzerfreundlicher durchsuchen. Die Unterscheidung zwischen Erkundungs- und Interaktionsebene wurde abgeschafft. Wer mit dem Mauscursor an den unteren Bildschirmrand fährt, macht ein leicht zu bedienendes Navigationsfeld sichtbar, mit dem man sich problemlos in alle Ecken bewegen, sich aufrichten oder den Kopf beliebig nach oben oder unten drehen kann. Das Inventar findet man am rechten, die Reisefunktion am linken Rand des Monitors. Ganz oben verbirgt sich das Hauptmenü, das neben unverzichtbaren Optionen, wie dem Speichern, wieder die obligatorischen Lösungshinweise anbietet. So kann man sich bei jedem Hänger aushelfen lassen, sofern man dafür ein paar Punkte opfert. Die Gespräche laufen nach herkömmlichem "Tex Murphy"-Muster ab, wobei die normale Konversation durch Multiple Choice-Antworten gesteuert wird. Sobald wir die Schaltfläche "Ask about" angeklickt haben, werden auf einem Notizblock sämtliche bisher gesammelte Namen und Begriffe aufgelistet, mit denen wir unseren Gegenüber behelligen können.

Starbesetzung: Michael York als Weltverbesserer Gideon.
Das Gameplay besteht im Einholen von Informationen, im Aufspüren von Items und besonders auch im Absolvieren schwieriger Puzzles. Hierbei müssen häufig Codes dechiffriert oder Tresore geknackt werden. In diesem Spiel wurde der Anspruch des Rätseldesigns erneut angehoben und für meinen Geschmack war es insgesamt eine Portion zu knifflig. Immerhin sind die Puzzles überspringbar, indem man eine Zahlenfolge eintippt, die in der Hint-Sektion verraten wird. Wer sich davon nicht verleiten lassen will, sollte zu Beginn den Player-Modus auswählen, der sich an erfahrene Spieler richtet. Beim Betreten unbefugter Gelände sollte man stets vorsichtig sein. In der Wohnung von Jim Slade dürfen uns keine Fehler unterlaufen. Dieser steht vermutlich nackt unter der Dusche, scheint seine Pistole allerdings selbst dort griffbereit zu haben. Schnell gerät man in das Visier des Ganoven und muss einen alten Spielstand laden. Zwar handelt es sich um eine erzählte Vergangenheit, in der Murphy nie gestorben sein kann, aber trotzdem folgt danach keine Wiederholungsschleife, die es uns nochmal probieren lässt. Zum Abschluss hören wir lediglich, wie Tex zu Chelsee sagt, dass es sich natürlich in Wirklichkeit anders zugetragen habe.

Richard Norton in der Rolle des Killers Slade: Sein hämisches Grinsen ist fast noch beängstigender als seine Pistole.
Ich fasse mich kurz: "Overseer" ist ein Meisterwerk und eines der wichtigsten Interactive Movies überhaupt. Die letzte Szene jedoch, die sich mit Chelsee im Jahr 2043 abspielt, wurde mit einem packenden Cliffhanger versehen. Lange Zeit hatten die Fans nun die Hoffnung auf eine verdiente Fortsetzung des Tex Murphy-Abenteuers aufgegeben, bis 2012 schließlich die überraschende Meldung eintraf: Ein weiterer "Tex Murphy" soll durch Crowfunding finanziert werden. Das Vorhaben ist geglückt und somit dürfen wir uns auf eine Wiederbelebung von FMV mit "Tesla Effect" freuen.

Produzent: Access Software (Indie Built)
Jahr: 1998

Freitag, 12. Juli 2013

Kommerziell: The Pandora Directive

Tex Murphy 4: The Pandora Directive

Spätestens nach Under a Killing Moon war der Erfolg der Tex Murphy-Saga nicht länger anzuzweifeln. Deshalb wurde mit "The Pandora Directive" eine weitere Fortsetzung geschaffen, welche die Bezeichnung des Interactive Movie noch mehr verdient hatte. Die ursprüngliche Veröffentlichung kam auf 6 CD-ROMs in den Handel.


Auch im Jahr 2043 freut man sich noch über Geld. Wer hätte das gedacht?
Nur ein Jahr ist seit dem letzten großen Auftrag vergangen. Die Lage scheint zunächst unverändert: Tex Murphy lebt nach wie vor in einer trostlosen Welt, deren Bevölkerung aus Mutanten und gewöhnlichen Menschen besteht. Ein Atomkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Das neue Abenteuer beginnt, als Gordon Fitzpatrick unserem Helden einen Besuch abstattet. Von den investigativen Fähigkeiten des Privatdetektivs überzeugt, vertraut ihm der Fremde ein persönliches Anliegen an: Ein guter Freund, Thomas Malloy, scheint vom Erdboden verschluckt. Murphy stürzt sich sofort in die Ermittlungen, versäumt es jedoch nicht seine Traumfrau Chelsee vorher zu einem unvergesslichen Date einzuladen. In der Tat wurde diese Verabredung nicht vergessen. Aber wer in die Wohnräume potentieller Krimineller einbricht, kann eben nicht garantieren ein kurzfristiges Rendezvous einzuhalten. Er könnte immerhin niedergeschlagen werden und die Nacht in tiefer Ohnmacht verbringen. Leider entpuppt sich der Fall Malloy als weitaus komplizierter als Murphys Verhältnis zu Chelsee. Erst später erfahren wir, dass die Kollegen Fitzpatrick und Malloy seit geraumer Zeit Forschungen in Bezug auf den Roswell-Zwischenfall betreiben. Das Storyboard von "The Pandora Directive" basiert also auf bekannten Verschwörungstheorien: 1947 soll bei der besagten amerikanischen Ortschaft ein Ufo abgestürzt sein und dann war es angeblich bloß ein dämlicher Wetterballon, wie die Regierung verkündete. Unglücklicherweise ist uns schon bald die NSA auf den Fersen. Sie suchen nämlich ebenso nach Malloy und zeigen zudem Interesse an diesen kleinen Puzzlekisten, die der verschollene Wissenschaftler ausgesendet hat. Diese Pandora-Konstruktionen müssen schleunigst aufgestöbert und geöffnet werden, bevor sie in die Hände unberechenbarer Fieslinge geraten. An neun Tagen gilt es nun unzählige Aufgaben zu bewältigen, die uns der Aufklärung der Mission näherbringen. Es muss allerdings keineswegs alles in einer festen Reihenfolge geschehen. Von Linearität im Rätseldesign ist wenig zu spüren. Darüber hinaus lockt "The Pandora Directive" mit den unterschiedlichsten Final- und Epilogszenen. So stellt sich etwa die Frage, ob Tex am Ende seine Chelsee für sich gewinnt oder mit einer abweichenden Entwicklung der Dinge vorlieb nehmen muss. Im Verlauf des Adventures beeinflussen wir - bewusst oder unbewusst, wie die Geschichte abgeschlossen wird. Die Autoren steigern damit definitiv den Wiederspielbarkeitswert - für Leute, die nach dieser ohnehin umfassenden Spieldauer noch nicht die Nase voll haben.


Echte Detektive müssen schon mal auf Hausdächern herumklettern.
"The Pandora Directive" lässt uns den PC als Heimkino nutzen. Erneut wurden begabte Schauspieler eingesetzt, wobei Projektleiter Chris Jones einmal mehr in den altmodischen Mantel von Private Eye Tex Murphy schlüpft. Insbesondere durch die gelungenen Cutscenes und die darin agierenden Akteure wird der Charme des Film Noir perfekt eingefangen. Und was derartige Zwischensequenzen betrifft, wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Nur wenige Adventures verfügen über Eingangs- und Endsequenzen von solcher Länge. Interaktive Dialoge sind häufig in die Filmsequenzen integriert. Wir klicken uns dabei durch die Multiple Choice-Optionen oder erkundigen uns über gesammelte Stichworte sowie Inventargegenstände. Tex erscheint hierbei meist in der dritten Person. Sobald wir uns im Erkundungsmodus befinden, haben wir jedoch eine 3D-Umgebung vor Augen, in der wir uns frei bewegen und in sämtliche Richtungen drehen können. Die zugrunde liegende Engine hat sich seit "Under a Killing Moon" wohl nicht verändert. Daher müssen wir zunächst mit einem Druck auf die Leertaste das Bild anhalten um die Interaktionsebene einzublenden und Handlungen tätigen zu können. Gefundene Items lassen sich in diesem Fenster zudem aus der Nähe betrachten, ebenfalls in einer 3D-Ansicht. Auf diese Weise holen wir uns viele Rätsel sogar direkt ins Inventar. Vor allem, wenn wir eine Pandora-Box zu öffnen gedenken.


Tex Murphy befragt einen echten Ufo-Nerd.
In der vierten Tex Murphy-Folge sind knifflige Puzzle-Einlagen ohnehin keine Seltenheit. Sie lassen sich im "Unterhaltungsmodus" überspringen, indem man bestimmte Cheat-Ziffern eintippt, die uns die Hinweis-Sektion enthüllt. Im Gegenzug wird unser Punktestand aber stark vermindert. Innerhalb unserer Recherchen sammeln wir eine Menge an Items an, die für uns von Bedeutung sein dürften: Dokumente, Bücher, seltsame Geräte, IDs und Schlüssel im Übermaß. Das Rätseldesign ist außerordentlich komplex und verlangt uns einiges ab. Darüber hinaus sind wir manchmal gezwungen auf Zeit zu agieren. Ansonsten landet Tex auf dem Friedhof und wir müssen auf einen alten Spielstand zurückgreifen. So haben wir etwa einen Alarm auszuschalten, bevor dieser unsere Anwesenheit in einem fremden Apartment verrät. Auf einen gesunden Benutzerkomfort müssen wir auch in dieser Episode nicht verzichten. Die Orientierungskarte lässt uns blitzschnell von einem Ort zu einem anderen wechseln und berücksichtigt dabei jedes einzelne Zimmer in einem Gebäude. Lösungstipps kann man sich ebenfalls je nach Lust und Laune abholen. Bezahlt wird die Transaktion mit jeweils fünf Punkten. Zu Beginn muss man eine Entscheidung zwischen dem Entertainment Level oder dem Game Players Level fällen. Letzteres versagt uns das "Erkaufen" von Hinweisen und beinhaltet diverse zusätzliche Locations und Puzzles.

In Roswell sollte man vielleicht besser keinen Durst bekommen.
"The Pandora Directive" ist genau das, was man von einem idealen Interactive Movie erwartet. Trotz aller Filmelemente ist es ein klassisches 1st person-Adventure, dessen Schwierigkeitsgrad sich durchaus an fortgeschrittene Spieler richtet. Besonders begeistern konnten mich die konventionell umgesetzte Science Fiction-Geschichte sowie die herausragenden Akteure. "Tex Murphy" gehört zweifellos zu den Größen des Genres.

Produzent: Access Software (Indie Built)
Jahr: 1996

Donnerstag, 4. Juli 2013

Kommerziell: Under a Killing Moon

Tex Murphy 3: Under a Killing Moon

Nach "Mean Streets" (1989) und "Martian Memorandum" (1991) wurden die Abenteuer des Privatdetektivs Tex Murphy in ein originelleres Gewand gesteckt. "Under a Killing Moon" war sein eigentlicher Durchbruch, mit der sich auch die Ego-Perspektive bei Access etablierte. Der Nachfolge-Konzern Big Finish Games hat inzwischen das Crowfunding-Phänomen genutzt um eine komplett neue Episode zu finanzieren. Somit ist es längst an der Zeit sich diesem Meilenstein zu widmen.

In dieser Straße lebt Tex Murphy - natürlich in seinem Büro.
2042. Nach einem furchtbaren Atomkrieg haben sich die Lebensumstände der Menschen deutlich zum Negativen verändert. Zahlreiche Gegenden sind radioaktiver Strahlung ausgesetzt und Mutationen sind an der Tagesordnung. Der Stadtteil, in dem P.I. Tex Murphy seiner Arbeit nachgeht, zeugt nicht gerade von Modernität. Wenn man sein Büro und seinen Kleidungsstil betrachtet, fühlt man sich vielmehr an die 1930er Jahre erinnert, in denen unser Protagonist noch lange nicht geboren war. Das Klischee des klassischen Film Noir-Detektivs erfüllt er perfekt. So ist er eine traurige Erscheinung, ein depressiver Lebenskünstler, der seine Ermittlungen dem Schlaf vorzieht. Und sobald er in sein fliegendes Automobil einsteigt, wird uns spontan "Blade Runner" ins Gedächtnis gerufen. Das Kennzeichen beinhaltet den Schriftzug "DICK", eine Anspielung auf Philip K. Dick, den Urheber des besagten Werks? In "Under a Killing Moon" ist Murphy bemüht seine Popularität zunächst mit kleinen Aufträgen zu steigern - nicht ganz ohne Erfolg. Denn als er dem Inhaber des Ladens auf der anderen Straßenseite ein gestohlenes Schmuckstück wiederbeschafft, wird eine Dame aus gutem Hause auf ihn aufmerksam. Eine geheimnisvolle Statue gilt es zur Besitzerin zurückzubringen. Aber nur, falls ihm dies innerhalb einer Woche gelingt, darf er mit einer besonders satten Belohnung rechnen. Wie hätte Tex ahnen können, welche Macht von der Skulptur ausgeht? Im Verlauf unserer Mission nämlich erfahren wir, dass eine Gruppe von Fanatikern mit diesem gar nicht so unschuldigen Gegenstand Pläne verfolgt, die verheerende Auswirkungen auf die gesamte Menschheit haben könnten. Ähnlich wie das zuvor erschienene Meisterwerk "Gabriel Knight: Sins of the Fathers" werden die Kapitel von "Under a Killing Moon" in Form von sechs aufeinanderfolgenden Tagen repräsentiert, was sich im Sinne des dramatischen Aufbaus bewährt hat.


Mit diesem Zeitgenossen ist nicht gut Kirschen essen. Auch wenn diese Kinoszene schon fast romantisch wirkt.
"Under a Killing Moon" ist eine cineastische Produktion, die durch Cartoon-Elemente gerne mal gezielt ins Lächerliche gezogen wird. So rennt etwa ein Gangster gegen eine Backsteinmauer und hinterlässt darin tiefe Eindrücke - ein Gag, den wir alle aus uralten Walt Disney-Filmen kennen. Die gekonnte Mischung aus intelligenten Geschichten und grenzenloser Komik macht letztlich den Charme der Tex Murphy-Saga aus. Die Charaktere sind jedoch keineswegs Comic-Figuren, sondern waschechte Schauspieler. Murphy selbst wird von seinem Erfinder, Chris Jones, höchstpersönlich verkörpert. In regelmäßigen Zwischensequenzen dürfen wir ihn bei seinem großartigen Schauspiel bewundern und sobald wir einen Dialog beginnen, wechselt das Spiel grundsätzlich seine Perspektive. Das Adventure hätte wohl kaum einen solchen Kultfaktor erlangt, wäre da nicht ein Dutzend skurriler Haupt- und Nebendarsteller beteiligt gewesen, deren aberwitzige Maskerade manchmal schon eine Sensation für sich ist. Neben dem Einsatz von Full Motion Video dürfte "Under a Killing Moon" weitere neue Maßstäbe gesetzt haben. Wir steuern unseren Helden mit Maus und Tastatur durch eine beachtliche 3D-Umgebung. Wer sich die Tastenbelegung verinnerlicht hat, vermag seine futuristische Umwelt aus den Augen von Tex in vollem Umfang wahrzunehmen. Wir dürfen uns nach Belieben auftürmen oder in die Hocke gehen und unseren Kopf zudem in jede erdenkliche Richtung drehen. Die Mausempfindlichkeit sollte allerdings nicht unterschätzt werden. Durch das Drücken der Leertaste lässt man den Bildschirm kurzerhand einfrieren. Und erst dann können Items eingesammelt, Schubladen inspiziert oder Leute befragt werden. Denn diese verkleinerte Version des Szenenbildes stellt die Interaktionsebene dar. Sie repräsentiert das eigentliche Interface und erlaubt uns überhaupt erst einen Nutzen aus sichtbaren Objekten zu ziehen. Die verfügbaren Befehle werden automatisch anvisiert. Vorab wird der Hotspot kommentiert und anschließend muss Tex mit Mund oder Händen zur Tat schreiten, falls möglich. Außerdem kann in diesem Fenster auf Inventar und Reisefunktion zugegriffen werden. Letztere lässt uns direkt zur Orientierungskarte springen, die sogar einzelne Räume oder Läden innerhalb eines Standortes mit lediglich zwei Klicks zugänglich macht. Bei Dialogen bestimmt der Spieler, mit welcher Laune, Intention oder Art von Humor Tex die Konversation vorantreiben soll. Zusätzlich steht dauerhaft eine Hinweis-Sektion zur Verfügung, die uns den Blick in die Komplettlösung weitestgehend erspart. Damit dieses Feature nicht zu verlockend wird, droht es uns mit dem Abzug von jeweils vier Spielpunkten pro Ratschlag.

Ein Klavier. Ob Tex Murphy da lange widerstehen kann?
Das Rätseldesign umfasst primär Dialog- und Inventarrätsel sowie fleißige Spurensuche. Ab und zu gilt es einen Tresor zu knacken oder zerrissene Botschaften wieder lesbar zu machen. Leider konnten es sich die Produzenten nicht verkneifen die weitläufige 3D-Umgebung für qualvolle Pixelhunting-Passagen zu verwenden. Wer den Schlüssel in einem Konferenzraum ohne Hilfestellung aufstöbern konnte, verdient jedenfalls meinen Respekt. Da Tex Murphy auch sterben kann, sollte man sich früh genug mit dem Speichermenü anfreunden. Häufig sind rasche Reaktionen gefragt, doch derartige Gefahrensituationen habe ich nie als unfair empfunden.

Im Laufe des Spiels sammeln wir Informationen, nach denen wir sämtliche Dialogpartner befragen dürfen.
Kann postapokalyptischer Film Noir funktionieren? "Under a Killing Moon" liefert den Beweis. Mit einer kreativen Hintergrundgeschichte und überzeichneten Figuren schuf Chris Jones einen zeitlosen Klassiker des 1st person-Adventures. Und dabei spielt es keine Rolle, wenn wir im Jahr 2013 schon mal darüber lachen, dass im fiktiven 2042 noch Farbnegativfilme entwickelt werden.

Produzent: Access Software (Indie Built)
Jahr: 1994

Montag, 1. Juli 2013

Kommerziell: The 7th Guest

The 7th Guest

Mit "The 7th Guest" produzierte Trilobyte 1993 ein 1st person-Adventure, das Geschichte schrieb. Als besonders ungewöhnlich erwies sich zu dieser Zeit die Tatsache, dass es auf 2 CD-ROMs ausgeliefert wurde. Die Ära des CD-ROM-Laufwerks brach an.

Henry Stauf ist ganz hingerissen von dieser Puppe.
Die Karriere des Bösewichts Henry Stauf begann recht unspektakulär. So verdiente er sich zunächst den Lebensunterhalt, indem er im Wald hilflose Menschen überfiel. Eines Tages empfing er eine Vision, in der sich ihm eine seltsame Puppe vorstellte. Aus dem Gedächtnis heraus schnitzte er dieses Prachtexemplar nach und brachte es unter die Leute. Bald darauf ergänzte der angehende Spielwarenhändler sein Sortiment um spezielle Puzzles, die ihm in weiteren Visionen erschienen waren. Staufs lukratives Geschäft hatte allerdings einen Nebeneffekt, von dem die Bürger seines Städtchens nichts ahnen konnten: Sie bescherten ihren Kindern den Tod und zu allem Überfluss eignete sich Stauf sogar ihre unschuldigen Seelen an. Letzten Endes bezog der Schurke ein Landhaus, das auf einem Hügel gelegen war, um sich dort in aller Ruhe seiner Spielzeugproduktion zu widmen. Hier findet nun unser Abenteuer statt: Sieben Gäste, darunter ein kleiner Junge, wurden in diesen unheilvollen Gemäuern einquartiert. Irgendwann begreifen die ersten Besucher, dass ihr jüngster Angehöriger in Gefahr schwebt.

Es wird Zeit den Puzzle-Kuchen anzuschneiden.
Das ausführliche Intro wurde mit FMV-Filmchen in der Gestalt von Bildern in einem Fotoalbum aufbereitet. Diese Darbietung erinnerte mich direkt an die Seiten der Verbindungsbücher in Myst, das demselben Jahrgang zuzuordnen ist. Und einige Ähnlichkeiten lassen sich zwischen diesen Klassikern zweifellos erkennen. So wurden die Charaktere hier ebenfalls von realen Akteuren verkörpert, die wir bei "The 7th Guest" jedoch in regelmäßigen Cutscenes beobachten dürfen. Besagte Nebendarsteller konnten mich mit ihrem überzeichneten Schauspiel beeindrucken und zum Lachen animieren. Die Räume bestehen hingegen aus vorgerenderten 3D-Grafiken, die in Kombination mit den Video-Sequenzen ein stimmiges Gesamtbild erzeugen. Kurz und gut: Die Präsentation ist gelungen, nicht zuletzt auch durch die wunderbaren, einprägsamen Musikstücke, die sich ideal in die schaurige Atmosphäre einfügen. Zu verdanken haben wir derartige Kompositionen übrigens George Alistair Sanger alias "The Fat Man", den man fast schon als den Jerry Goldsmith des PC-Spiels bezeichnen kann. Seine frühesten musikalischen Ergüsse sind etwa im "Maniac Mansion" für das Nintendo Entertainment System sowie in "Loom" zu vernehmen. Aus technischer Sicht lässt sich nur bemängeln, dass "The 7th Guest" keine Untertitel anbietet. Die hohe Lautstärke der Hintergrundmelodien erschwert das Verständnis, insbesondere bei der englischsprachigen Version.

In den Gastquartieren im Obergeschoss machen wir uns zunächst mit Staufs Gästen vertraut.
Ein typisches Adventure sollte man sich bei "The 7th Guest" nicht erhoffen, denn oberflächlich betrachtet handelt es sich dabei um ein Sammelsurium von Puzzles. Wir führen keine Multiple Choice-Dialoge und besitzen kein Inventar. Die Hotspots halten sich in Grenzen und die Erscheinungsform des Cursors signalisiert sofort, ob uns eine Cutscene oder ein Rätsel erwartet. Durch das Symbol eines Schädels mit aktiver Hirntätigkeit werden wir auf eine Puzzle-Einlage aufmerksam gemacht. Auf diesem Gebiet haben die Entwickler beachtliche Kreativität bewiesen. Um unser Ziel zu erreichen müssen wir Blut durch die Venen leiten, Tortenstücke korrekt abschneiden oder die Positionen von Schachfiguren austauschen. Somit wurden diverse traditionelle Brettspiele und Puzzles der Gruselumgebung angepasst. Einige davon entpuppen sich als langwierige und teils frustrierende Knobeleien, andere sind simpel und fordern schlimmstenfalls etwas Geduld. Als Zumutung empfand ich die Klavierszene, welche sich wohl nur lösen lässt, indem man kleine Merkzettelchen auf den Monitor klebt - es sei denn, man ist ein Genie oder hat einfach ein unglaublich gutes Erinnerungsvermögen. Darüber hinaus haben mich die Bakterien unter dem Mikroskop in den Wahnsinn getrieben. Aber es blieb das einzige Übel in Form eines gemeinen Minispiels, das ich nicht erfolgreich absolvieren konnte. In solchen Fällen lässt sich der wütende Spieler durch ein Buch in der Bibliothek besänftigen. Dieses wird uns zunächst nützliche Hinweise auf das aktuelle Rätsel liefern und uns automatisch zurück in das entsprechende Zimmer befördern. Konsultiert man die Lektüre ein drittes Mal, wird die schwierige Aufgabe schlichtweg übersprungen. Haben wir eines oder mehrere Spielchen erledigt (oder sie uns?) öffnen sich uns zuvor verschlossene Türen. Im Gegensatz zum Museumsgelände in Shivers wirkt Staufs Villa relativ winzig. In der Regel wechseln wir zwischen zwei Etagen, die durch eine imposante Treppe verbunden sind. Außerdem existieren ein Keller und ein Dachboden, während auf Außen-Locations komplett verzichtet wurde. Da Henry Staufs Handwerk allerdings nicht die Gartenpflege ist, dürfte uns damit nichts entgangen sein. Lange Laufwege bleiben uns allgemein erspart. Dafür sorgen zudem versteckte Geheimpfade. Sie ermöglichen es uns zum Beispiel in der Toilette im Obergeschoss durch die Rohre des Waschbeckens zu kriechen um irgendwo anders wieder herauszukommen. Diese meist etwas absurden Abkürzungen bringen weitere tolle Filmsequenzen mit sich und sollten unbedingt ausprobiert werden.

"Which way should I go now?" - Diese Frage dürfen wir noch oft hören, bevor wir dieses Rätsel bestanden haben.
Trilobyte wagte sich mit "The 7th Guest" in eine neue Richtung vor. Sie setzten auf 3D, reale Schauspieler und eine komplexe Bandbreite von Rätseln, an denen sowohl Adventure-Anfänger, als auch Fortgeschrittene ihre Freude hatten. Atmosphäre und Machart sind grandios und allein die Musik lässt uns geradezu darin versinken. Es ist also nicht zu Unrecht zu einem Meilenstein des Genres geworden.

Produzent: Trilobyte, Vertrieb: Virgin Interactive
Jahr: 1993