Freitag, 12. Juli 2013

Kommerziell: The Pandora Directive

Tex Murphy 4: The Pandora Directive

Spätestens nach Under a Killing Moon war der Erfolg der Tex Murphy-Saga nicht länger anzuzweifeln. Deshalb wurde mit "The Pandora Directive" eine weitere Fortsetzung geschaffen, welche die Bezeichnung des Interactive Movie noch mehr verdient hatte. Die ursprüngliche Veröffentlichung kam auf 6 CD-ROMs in den Handel.


Auch im Jahr 2043 freut man sich noch über Geld. Wer hätte das gedacht?
Nur ein Jahr ist seit dem letzten großen Auftrag vergangen. Die Lage scheint zunächst unverändert: Tex Murphy lebt nach wie vor in einer trostlosen Welt, deren Bevölkerung aus Mutanten und gewöhnlichen Menschen besteht. Ein Atomkrieg hat seine Spuren hinterlassen. Das neue Abenteuer beginnt, als Gordon Fitzpatrick unserem Helden einen Besuch abstattet. Von den investigativen Fähigkeiten des Privatdetektivs überzeugt, vertraut ihm der Fremde ein persönliches Anliegen an: Ein guter Freund, Thomas Malloy, scheint vom Erdboden verschluckt. Murphy stürzt sich sofort in die Ermittlungen, versäumt es jedoch nicht seine Traumfrau Chelsee vorher zu einem unvergesslichen Date einzuladen. In der Tat wurde diese Verabredung nicht vergessen. Aber wer in die Wohnräume potentieller Krimineller einbricht, kann eben nicht garantieren ein kurzfristiges Rendezvous einzuhalten. Er könnte immerhin niedergeschlagen werden und die Nacht in tiefer Ohnmacht verbringen. Leider entpuppt sich der Fall Malloy als weitaus komplizierter als Murphys Verhältnis zu Chelsee. Erst später erfahren wir, dass die Kollegen Fitzpatrick und Malloy seit geraumer Zeit Forschungen in Bezug auf den Roswell-Zwischenfall betreiben. Das Storyboard von "The Pandora Directive" basiert also auf bekannten Verschwörungstheorien: 1947 soll bei der besagten amerikanischen Ortschaft ein Ufo abgestürzt sein und dann war es angeblich bloß ein dämlicher Wetterballon, wie die Regierung verkündete. Unglücklicherweise ist uns schon bald die NSA auf den Fersen. Sie suchen nämlich ebenso nach Malloy und zeigen zudem Interesse an diesen kleinen Puzzlekisten, die der verschollene Wissenschaftler ausgesendet hat. Diese Pandora-Konstruktionen müssen schleunigst aufgestöbert und geöffnet werden, bevor sie in die Hände unberechenbarer Fieslinge geraten. An neun Tagen gilt es nun unzählige Aufgaben zu bewältigen, die uns der Aufklärung der Mission näherbringen. Es muss allerdings keineswegs alles in einer festen Reihenfolge geschehen. Von Linearität im Rätseldesign ist wenig zu spüren. Darüber hinaus lockt "The Pandora Directive" mit den unterschiedlichsten Final- und Epilogszenen. So stellt sich etwa die Frage, ob Tex am Ende seine Chelsee für sich gewinnt oder mit einer abweichenden Entwicklung der Dinge vorlieb nehmen muss. Im Verlauf des Adventures beeinflussen wir - bewusst oder unbewusst, wie die Geschichte abgeschlossen wird. Die Autoren steigern damit definitiv den Wiederspielbarkeitswert - für Leute, die nach dieser ohnehin umfassenden Spieldauer noch nicht die Nase voll haben.


Echte Detektive müssen schon mal auf Hausdächern herumklettern.
"The Pandora Directive" lässt uns den PC als Heimkino nutzen. Erneut wurden begabte Schauspieler eingesetzt, wobei Projektleiter Chris Jones einmal mehr in den altmodischen Mantel von Private Eye Tex Murphy schlüpft. Insbesondere durch die gelungenen Cutscenes und die darin agierenden Akteure wird der Charme des Film Noir perfekt eingefangen. Und was derartige Zwischensequenzen betrifft, wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Nur wenige Adventures verfügen über Eingangs- und Endsequenzen von solcher Länge. Interaktive Dialoge sind häufig in die Filmsequenzen integriert. Wir klicken uns dabei durch die Multiple Choice-Optionen oder erkundigen uns über gesammelte Stichworte sowie Inventargegenstände. Tex erscheint hierbei meist in der dritten Person. Sobald wir uns im Erkundungsmodus befinden, haben wir jedoch eine 3D-Umgebung vor Augen, in der wir uns frei bewegen und in sämtliche Richtungen drehen können. Die zugrunde liegende Engine hat sich seit "Under a Killing Moon" wohl nicht verändert. Daher müssen wir zunächst mit einem Druck auf die Leertaste das Bild anhalten um die Interaktionsebene einzublenden und Handlungen tätigen zu können. Gefundene Items lassen sich in diesem Fenster zudem aus der Nähe betrachten, ebenfalls in einer 3D-Ansicht. Auf diese Weise holen wir uns viele Rätsel sogar direkt ins Inventar. Vor allem, wenn wir eine Pandora-Box zu öffnen gedenken.


Tex Murphy befragt einen echten Ufo-Nerd.
In der vierten Tex Murphy-Folge sind knifflige Puzzle-Einlagen ohnehin keine Seltenheit. Sie lassen sich im "Unterhaltungsmodus" überspringen, indem man bestimmte Cheat-Ziffern eintippt, die uns die Hinweis-Sektion enthüllt. Im Gegenzug wird unser Punktestand aber stark vermindert. Innerhalb unserer Recherchen sammeln wir eine Menge an Items an, die für uns von Bedeutung sein dürften: Dokumente, Bücher, seltsame Geräte, IDs und Schlüssel im Übermaß. Das Rätseldesign ist außerordentlich komplex und verlangt uns einiges ab. Darüber hinaus sind wir manchmal gezwungen auf Zeit zu agieren. Ansonsten landet Tex auf dem Friedhof und wir müssen auf einen alten Spielstand zurückgreifen. So haben wir etwa einen Alarm auszuschalten, bevor dieser unsere Anwesenheit in einem fremden Apartment verrät. Auf einen gesunden Benutzerkomfort müssen wir auch in dieser Episode nicht verzichten. Die Orientierungskarte lässt uns blitzschnell von einem Ort zu einem anderen wechseln und berücksichtigt dabei jedes einzelne Zimmer in einem Gebäude. Lösungstipps kann man sich ebenfalls je nach Lust und Laune abholen. Bezahlt wird die Transaktion mit jeweils fünf Punkten. Zu Beginn muss man eine Entscheidung zwischen dem Entertainment Level oder dem Game Players Level fällen. Letzteres versagt uns das "Erkaufen" von Hinweisen und beinhaltet diverse zusätzliche Locations und Puzzles.

In Roswell sollte man vielleicht besser keinen Durst bekommen.
"The Pandora Directive" ist genau das, was man von einem idealen Interactive Movie erwartet. Trotz aller Filmelemente ist es ein klassisches 1st person-Adventure, dessen Schwierigkeitsgrad sich durchaus an fortgeschrittene Spieler richtet. Besonders begeistern konnten mich die konventionell umgesetzte Science Fiction-Geschichte sowie die herausragenden Akteure. "Tex Murphy" gehört zweifellos zu den Größen des Genres.

Produzent: Access Software (Indie Built)
Jahr: 1996

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen