Freitag, 26. Juli 2013

Kommerziell: Return to Zork

Return to Zork

Nach Zork - Der Großinquisitor möchte ich mich mit der früheren Vergangenheit dieser legendären Fantasy-Saga beschäftigen. "Return to Zork" war der erste Versuch die Ideen der klassischen Textadventure-Reihe in einem modernen Grafikadventure zu realisieren.

Wer diesen freundlichen alten Mann in seiner Wassermühle besucht, kommt an einem "Schluck Whiskey" nicht vorbei.
Als Sieger einer Fernsehlotterie dürfen wir uns im idyllischen Örtchen West Shanbar niederlassen. Der Haken daran ist, dass Erholung dabei eigentlich keine Rolle spielen soll. Stattdessen stattet man uns mit einem Abenteurer-Komplettpaket aus, das einen Pholobloid-Fotoapparat sowie ein Zony-Aufnahmegerät beinhaltet. Durch Verwendung des Tele-Orbs bleiben wir mit dem Magier Trembyle in Kontakt, der sich als kompetenter Reiseführer erweisen wird. Es ist also definitiv kein gewöhnlicher Urlaub, sondern vielmehr eine Erlebnistour, die gar nicht so ungefährlich scheint. Von speziellem Interesse sind uns das sagenumwobene Tal der Sperlinge und natürlich das ehemalige Untergrund-Imperium, ein Hort der bösen Mächte. Aber ist diese beunruhigende Ruinenstätte wirklich noch so leblos, wie sie es in den vergangenen Jahrhunderten gewesen ist? Finden wir es doch einfach heraus! Unser Trip beginnt mit einer monumentalen 3D-Kamerafahrt über die Wiesen und Hügel bishin zu einem Geier-Bergpass. Mit den damaligen Mitteln wurde hier ein beeindruckendes Intro geschaffen, das von einer geradezu orchestralen Hintergrundmusik begleitet wird. Mit den grafischen Qualitäten seiner beiden Nachfolger konnte "Return to Zork" selbstverständlich nicht aufwarten. Trotzdem wurde uns eine liebevoll gestaltete Umgebung errichtet, in der auch einzelne Szenenbilder eine enorme Lebendigkeit demonstrieren: Sei es durch Animationen, passend integrierte Melodien oder eine stimmige Geräuschkulisse. Letztlich wurde eine atemberaubende Atmosphäre erzeugt. Da "Return to Zork" in der Ära des Full Motion Video-Games erschien, schloss sich Infocom dieser Stilrichtung an und setzte Schauspieler als Nebencharaktere ein. Als bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen agieren etwa Robyn Lively (Twin Peaks) oder Sam J. Jones (Flash Gordon). Die wichtigste Aufgabe dieser Akteure ist es wohl möglichst schräg zu wirken. In der Tat haben mich diese Persönlichkeiten stets zum Lachen gebracht und fügen sich damit perfekt in die Zork-Serie ein, die schon immer mit einem kuriosen, aber ebenso genialen Humor ihre Fans gewinnen konnte.

Auch dieses Hotel und sein freundliches Personal können ihre Gäste nicht vor den Grues bewahren, sobald die Dunkelheit einkehrt.
"Return to Zork" zählt noch zu den Adventures, bei denen man ernsthaft aufpassen muss, was man tut. Denn gelegentlich kann uns ein Fehler unterlaufen, der uns in eine Sackgasse führt, ein sogenanntes Dead End. Dann muss im Zweifelsfall ein alter Spielstand geladen werden. Außerdem lauern überall schreckliche Gefahren, die uns bei Unachtsamkeit den Tod bescheren. Als prominentes Beispiel hierfür sind die Grues zu erwähnen, jene gefräßigen Monster, die sich von absoluter Dunkelheit anlocken lassen um sich an ihrer Beute zu ergötzen. Kurz und gut: Wer in dieser Welt komplett ohne Lichtquelle schlafen geht, wird die Konsequenzen tragen müssen - sogar in einem Hotel. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch angesetzt. Es sammeln sich im Verlauf unseres Abenteuers etliche Items an, die unser Gepäck zunehmend unübersichtlicher machen. Das Equipment, bestehend aus Kamera und Aufnahmegerät, ist nicht selten nützlich. Was damit visuell oder akustisch festgehalten wird, kann sich an bestimmten Stellen als zweckmäßig erweisen. Ab und zu werden wir mit Puzzle-Einlagen konfrontiert und wer Labyrinthe scheut, muss sich etwas vor diesem Spiel fürchten. Diese werden nämlich in verschiedenen Varianten zu bewältigen sein, wie in Form der flüsternden Wälder oder der Fledermaushöhlen. In der Regel werden aber Hilfsmittel und Hinweise geboten. Die Steuerung von "Return to Zork" reizt uns mit ihren sympathischen Eigenheiten: Jeder Klick auf einen Gegenstand öffnet ein kleines Menü mit Handlungsvorschlägen, aus denen wir wählen dürfen. Besonders bei der Kombination mit Items aus unserem Inventar wird eine Menge an häufig sinnfreien Befehlen aufgelistet. Warum sollte man nicht manchmal planlos den Tele-Orb oder einen Schlüssel durch die Gegend schmeißen? Bei "Return to Zork" bereitet es schlichtweg Freude dämliche Aktionen auszuprobieren. Bei Konversationen hören wir lediglich den Gesprächspartner reden. Antwort-Optionen stehen hier nicht zur Verfügung. Allerdings sind wir in der Lage Einfluss auf einen Dialog zu nehmen, indem wir gelangweilt oder eher fasziniert aus der Wäsche gucken, Versöhnlichkeit ausstrahlen oder gar eine Drohgebärde machen.

Die Macher von "Return vor Zork" hatten wohl eine besondere Vorliebe für Labyrinthe.
Mit "Return to Zork" ist den Infocom-Leuten ein atmosphärisches und urkomisches Werk gelungen. Es steckt voller verrückter Ideen und man spürt die Kreativität der Produzenten an allen Ecken. Wer sich für traditionelle Textadventures nicht begeistern kann, sollte mit dieser Episode in die multimedial dargestellte Welt von Zork einsteigen.

Produzent: Infocom, Vertrieb: Activision
Jahr: 1993

1 Kommentar:

  1. Ich habe dieses Spiel vor kurzem mal wieder gespielt und es weiss immer noch sehr zu gefallen. Man sollte vielleicht erwähnen, dass der Text des Schieberätsels sehr schlecht übersetzt wurde und das Rätsel daher ohne Lösung kaum zu bewältigen ist.
    Burchi

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