Donnerstag, 15. August 2013

Kommerziell: Zork Nemesis

Zork Nemesis: Das verbotene Land

Im vierten Jahr seines Bestehens darf ich hiermit das bereits 150. Review vermelden. Wie immer fordern diese runden Zahlen ein Adventure, das sich positiv von der Masse abhebt. Meine Wahl fiel auf "Zork Nemesis", das die Zork-Reihe in diesem Blog abschließen wird. Es handelt sich um die elfte und vorletzte Episode der legendären Serie.

In dieser Gemälde-Halle lassen sich kleine Zeitreisen unternehmen.
An einem äußerst ungemütlichen Tag reisen wir zum Tempel des Agrippa im Großen Untergrundreich von Zork. Dort sollen wir vier anerkannten Alchemisten behilflich sein, deren Seelen an diesem, wie man meinen könnte, eher seelenlosen Ort gefangen gehalten werden. Sie befinden sich in der Macht einer Gestalt, die sie als Nemesis bezeichnen. Um die finsteren Pläne dieser Existenz zu durchkreuzen, bitten uns die Alchemisten zur Herstellung einer Quintessenz ihre jeweiligen Elemente und die dazugehörenden Metalle aufzuspüren. Letzteres erweist sich als der wesentliche Part des Abenteuers. Hierzu gilt es jene wenig bescheidenen Gebäude zu besuchen, die seit jeher für das Leben und Wirken unserer Auftraggeber von Bedeutung waren:

- Die Musikhochschule von Sophia Hamilton.
- Das Kloster von Bischof Francois Malveaux.
- Die Burg von General Thaddeus Kaine.
- Das Sanatorium von Doktor Erasmus Sartorius.

In welcher Reihenfolge wir die Stationen abklappern, ist uns selbst überlassen. An jedem der Schauplätze erfahren wir mehr über diese einflussreichen Personen und ihre Beziehungen zueinander. Dabei ist die schriftliche Korrespondenz zwischen den Charakteren von Interesse, aber auch Erinnerungen in Form von Filmsequenzen verdeutlichen die Zusammenhänge in unserem Kopf. Wir decken auf, dass die junge Violinistin Alexandria Wolfe und Kaines Sohn Lucien ein inniges Liebesverhältnis führten, das nicht ganz im Sinne ihrer Eltern schien. In "Nemesis" werden wir Zeuge eines komplexen Storytellings, das in der Zork-Serie bisher ungewohnte Auswüchse annimmt. Man sollte es ohnehin als Einzelwerk betrachten, zumal sich die Geschichte und die gesamte Präsentation als düsterer, ernsthafter und tiefgründiger denn je entpuppen. Allerdings lässt sich der skurrile Humor seiner Vorgänger noch häufig wahrnehmen. Und man kann sogar traditionell vom Grue gefressen werden, wenn man sich in die Dunkelheit wagt.

In Kaines Burg erforschen wir Luciens Quartier und erfahren mehr über die Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn.
Für "Zork Nemesis" wurde eine optisch beeindruckende 3D-Welt errichtet. Diese erkunden wir, indem wir uns um 360 Grad drehen und in Nahansichten wechseln, falls wir etwas intensiver zu inspizieren gedenken. Wenn wir um unsere eigene Achse rotieren, fällt es leider schwer an der gewünschten Stelle wieder zum Stehen zu kommen, da sich die Geschwindigkeit nicht so gut unter Kontrolle halten lässt. Das gebräuchliche, als Ablagefläche konzipierte Inventar wurde zu Recht ausgespart. Auf weiter Flur verstecken sich nämlich nur wenige Items, die unser Alter Ego in seiner Hand (= Mauscursor!) tragen kann. Dass die Originalfassung auf 3 CD-ROMs ausgeliefert werden musste, ist wohl der enormen Bandbreite an Videosequenzen zu verdanken. Das Adventure lebt von seinen Schauspielern, da diese letztlich die Handlung vorantreiben. Die Inszenierung und die damit verbundene Leistung der Akteure zeugt von beachtlicher Qualität. Und wer sich auf schräge Art und Weise gruseln möchte, der sollte das Zusammentreffen mit der abgedrehten Ärztin in der Heilanstalt abwarten.

Eine wunderbare Aussicht mit... Lava-Blick.
Natürlich darf der exzellente Soundtrack nicht unerwähnt bleiben. Die Melodien werden stets optimal der Situation angepasst, sodass wir tatsächlich das Gefühl gewinnen mitten im Geschehen zu stecken. Mit meditativen, unheimlichen und mystischen Klängen gelang es den Entwicklern der Atmosphäre Leben einzuhauchen. Ähnlich wie in Myst-Episoden sind Inventarrätsel kaum und steuerbare Dialoge gar nicht vorhanden. Stattdessen absolvieren wir Maschinen- oder Musikrätsel in Massen - die Produzenten haben auch in diesem Segment grenzenlose Kreativität bewiesen. Zudem wird ein hohes Maß an Aufmerksamkeit vorausgesetzt: Durch die fleißige Lektüre von Büchern in den Bibliotheken und Arbeitsräumen verschafft man sich wertvolle Informationen, die im Idealfall notiert werden sollten. Der Schwierigkeitsgrad ist gnadenlos anspruchsvoll und somit dürfte das Adventure für viele Leute, einschließlich mich, eine Portion zu knifflig sein - für andere hingegen eine schöne Herausforderung.

Und, habt ihr euch erschreckt?
Meine Recherchen ergaben, dass "Zork Nemesis" ein Drei-Millionen-Budget verschlungen haben soll. Das teure Projekt erfüllt obendrein perfekt den Kultur-Aspekt von PC-Spielen. Lizensierte Gemälde begabter Künstler zieren die virtuellen Wände und zur Komposition von Alexandrias Harmony of the Spheres ließ man die Musiker an den Violinensaiten zupfen. Das Resultat dieser Bemühungen ist ein grandioser und denkwürdiger Beitrag zum Genre des 1st person-Adventures.

Produzent: Zombie LLC, Vertrieb: Activision
Jahr: 1996

Kommentare:

  1. Wahrlich ein geniales Spiel!
    Loma

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  2. Gäbe es doch mehr von der Art...Schade, dass die Reihe nach Großinquisitor nicht fortgesetzt wurde.
    Burchi

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    1. Ja, es ist schade, dass es bei drei Zork-Grafikadventures geblieben ist. Eigentlich wäre das ja mal eine gute Crowfunding-Mission. ;)

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